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Weil sie in 60 Fällen Geld aus der Supermarktkasse genommen hatte, hat das Amtsgericht eine Frau jetzt zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.

Weil sie in 60 Fällen Geld aus der Supermarktkasse genommen hatte, hat das Amtsgericht eine Frau jetzt zu einer hohen Geldstrafe verurteilt.
© dpa

Isernhagen

Mitarbeiterin greift immer wieder in die Kasse

Eine Mitarbeiterin im Real-Markt im A2-Center hat vermutlich rund 60-mal Geld aus der Kasse genommen und für sich selbst verbraucht. Als Quittung dafür gab es vor dem Amtsgericht eine hohe Geldstrafe.

Altwarmbüchen.  Ein halbes Jahr lang hatte sie als Mitarbeiterin am Real-Infopunkt Warenretouren erfunden, in die Kasse gegriffen und das Geld in die eigene Tasche gesteckt: Dafür hat das Amtsgericht Burgwedel jetzt eine langjährige Marktmitarbeiterin in Altwarmbüchen zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 25 Euro verurteilt.

Vor Gericht räumte die Frau die angeklagten 60 Unterschlagungen von Beginn an ein. Verwundern konnte das nicht, hatte sie doch auch, als die Taten im Frühjahr schließlich aufgefallen waren, bei einem Gespräch im Marktleiter-Büro die Taten zugegeben und ein Schuldanerkenntnis über einen Schaden von 10.000 Euro unterschrieben, den sie nun in Raten zurückzahlt.

Zwischen Oktober 2016 und April 2017 hatte die Frau vermutlich zwei- bis dreimal pro Woche Warenrückgaben durch Kunden erfunden und sich das per kopierten Bon belegte Geld selbst ausgezahlt. Als Mitarbeiterin am Infopunkt im Real-Markt in Altwarmbüchen wusste sie, bis zu welchem Betrag sie allein verantwortlich war, ohne dass das Vier-Augen-Prinzip zum Zuge kam. Laut des Marktleiters soll sie aber auch kopierte Bons über Summen jenseits dieser Wertgrenze mit gefälschten Zweitunterschriften versehen haben. Verwendet hatte die Frau das unterschlagene Geld unter anderem zum Tanken und für die Familie.

Vermutlich waren es 4000 bis 5000 Euro gewesen, die sich die Frau angeeignet hatte, wie sich im Prozess herausstellte. Genau ließ sich das nicht mehr nachvollziehen. Warum sie dennoch im Marktleiterbüro ein Schuldanerkenntnis über 10.000 Euro unterschrieben hatte, begründete die Frau mit ihrer mentalen Verfassung: „Ich hätte alles unterschrieben.“ Tatsächlich war die Summe im Marktleiterbüro geschätzt worden.

„An dem Tag war mir klar, dass es endlich vorbei ist“, sagte die Frau, die vor Gericht mehrmals in Tränen ausbrach, und gewährte dabei Einblicke in ihre Gemütslage.  Es tue ihr alles schrecklich leid, sagte sie aus – immerhin hatte sie das besondere Vertrauensverhältnis ausgenutzt, das ihre Tätigkeit mit sich brachte.

Die Frau war schon jahrelang im Markt beschäftigt gewesen, als die Unterschlagungen begannen. Der Umzug zu ihrem neuen Lebensgefährten mit dem dann längeren Weg zur Arbeitsstätte hatte sie eigener Schilderung nach mental aus der Bahn geworfen. „Ich war nur noch im Auto, nur noch auf dem Sprung.“ Stets habe sie Angst gehabt, dass das Auto nicht anspringe oder dass die Schule anrufe, wenn sie gerade fern des Wohnorts bei der Arbeit sei. „Es ist alles zu viel geworden, und die Taten waren offenbar das Ventil“, schilderte es ihr Verteidiger. Seit Monaten sei sie in Behandlung.

Im Plädoyer der Staatsanwältin und im Urteil von Amtsrichter Michael Siebrecht fanden diese Begleitumstände denn auch Berücksichtigung. Durch ihr Verhalten nach der Tat habe sie viel wieder gut gemacht, bescheinigte ihr Siebrecht, der sie „nur“ wegen Unterschlagung zu einer Geldstrafe verurteilte. Wie die 10.000 Euro Schadenswiedergutmachung kann sie auch diese Summe in Raten abstottern. In Betracht gekommen wäre auch gewerbsmäßiger Diebstahl mit einer deutlich höheren Strafandrohung. Dass die Frau an ihrer neuen Arbeitsstelle gleiches wiederholt, glaubte der Richter nicht – dank eines guten Zeugnisses von Real, in dem die fristlose Kündingung nicht erwähnt ist, arbeitet sie wieder an einer Kasse.

Von Frank Walter


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Isernhagen ist ...

  • ... eine Gemeinde nordöstlich von Hannover mit knapp 23.000 Einwohnern
  • ... Heimat von Olympiasiegerin Anke Kühn (Hockey)
  • ... Gründungsort des Radiosenders ffn
  • ... nach dem durchschnittlichen Einkommen der Bürger die wohlhabenste Gemeinde in Niedersachsen
  • ... Sitz des Lederwarenherstellers Bree Collection
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Isernhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.