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In einer Kampfabstimmung hat sich eine knappe Ratmehrheit dafür ausgesprochen, die Bothfelder Straße als Zentrumsdurchfahrt offen zu halten. 

In einer Kampfabstimmung hat sich eine knappe Ratmehrheit dafür ausgesprochen, die Bothfelder Straße als Zentrumsdurchfahrt offen zu halten. 
 © Frank Walter

Isernhagen

Mehrheit stimmt für offene Zentrumsdurchfahrt

Nach einer hitzigen Debatte hat sich im Rat eine Mehrheit für das Offenhalten der Zentrumsdurchfahrt in Altwarmbüchen gefunden – auch für den Individualverkehr.

Isernhagen.  In vielen Aspekten der Zentrumssanierung lagen die Ratsfraktionen gar nicht so weit auseinander. „Wir finden die Planung gut“, sagte Heinrich Bätke (CDU), und auch Hans-Edgar Ojemann (SPD) fand, „dass wir uns in vielem einig sind“. Doch die Einigkeit endete jenseits der Ideen des beauftragten Planungsbüros für die Leitziele, die Gestaltung mit vier Plätzen, die Verschwenkungen und Einengungen der Bothfelder Straße und dem grauen Betonstein für das Pflaster. Bei der Frage aber, ob die Bothfelder Straße auch weiterhin für den Autoverkehr geöffnet bleibt oder aber wie bisher an Markttagen künftig nur noch Linienbusse das Zentrum durchfahren sollen, schieden sich die Geister.

Das begann schon in der Einwohnerfragestunde. Aufgeschreckt durch die Berichterstattung über die Beratungen im Vorfeld, hatten zahlreiche Gewerbetreibende im Zuschauerraum Platz genommen. Optikerin Claudia Preiß zeigte sich überrascht, dass jetzt wieder über eine Schließung der Bothfelder Straße diskutiert werde, obwohl man sich doch im nichtöffentlichen Beratungsgremium, der Zentrums-AG (ZAG), über die offene Bothfelder Straße einig gewesen sei. „Wir Gewerbetreibende sind das Zentrum, und wir wollen keine Experimente. Wir sehen dadurch unsere Existenz bedroht“, sprang ihr der örtliche Eiscafé-Betreiber zur Seite. Anwohnern, die sich mit Blick auf ihr Ruhebedürfnis für eine Sperrung der „Bo“ aussprachen, trat die örtliche Blumenhändlerin entgegen – wer ins Zentrum ziehe, müsse mit Verkehrslärm rechnen. Das wollte ein Anwohner so nicht stehen lassen: Er erlebe den Lärm nicht nur bis zum Geschäftsschluss um 18 Uhr, „sondern bis 22 oder gar 24 Uhr“.

Die Politiker hatten ihre jeweiligen Argumente pro und kontra Sperrung zwar bereits in den Vorberatungen in epischer Breite ausgetauscht, taten es aber trotzdem noch einmal. Letztlich fand sich eine Mehrheit von 19 zu 9 Stimmen bei vier Enthaltungen für das Offenhalten der Zentrumsdurchfahrt. Ob damit auf Jahre Sicht das letzte Wort gesprochen ist, bleibt abzuwarten. Wenn beispielsweise in fünf Jahren gewünscht werde, neu zu diskutieren, werde man sich dem nicht verschließen, so CDU-Mann Bätke.

Von Frank Walter

Die Fronten sind verhärtet

Ein Kommentar von Frank Walter

Die Diskussion zeigt, wie verhärtet die Fronten in Sachen Zentrum sind. Da sind die Politiker, die sich übergangen fühlen, während andere im Rat auf die angeblich meist einvernehmliche Diskussion in der Zentrums-AG verweisen. Wer recht hat? Das kann die Öffentlichkeit leider nicht nachvollziehen, weil die ZAG nichtöffentlich tagt. Aber warum eigentlich? An der zweiten Frontlinie quer durchs Zentrum stehen die auf mehr Ruhe hoffenden Anwohner den Gewerbetreibenden gegenüber, die bei einer Sperrung der Durchfahrt um ihre Existenz fürchten. 

Die Bewohner der Isernhagener Altdörfer verfolgen die Zentrums-Debatte derweil mit Schulterzucken: Wollen sie ins „Zentrum“, so fahren sie nach Langenhagen oder Großburgwedel. Nach Altwarmbüchen lockt sie – bis auf Weiteres – kaum etwas.


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Isernhagen ist ...

  • ... eine Gemeinde nordöstlich von Hannover mit knapp 23.000 Einwohnern
  • ... Heimat von Olympiasiegerin Anke Kühn (Hockey)
  • ... Gründungsort des Radiosenders ffn
  • ... nach dem durchschnittlichen Einkommen der Bürger die wohlhabenste Gemeinde in Niedersachsen
  • ... Sitz des Lederwarenherstellers Bree Collection
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Isernhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.