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Region Isernhagen Nachrichten Klaus Gutsch: Kümmerer in Kirchhorst
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12:00 13.07.2018
Den Grabstein für sich und seine Frau Astrid hat Klaus Gutsch schon in seinem Garten stehen. Quelle: Frank Walter
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Kirchhorst/Neuwarmbüchen

Sieben Pastoren kamen und gingen, doch Klaus Gutsch war seit 1995 die Konstante im Vorstand der Kirchengemeinde Kirchhorst/Neuwarmbüchen. Hätte er sich jemals zwischen St. Nikolai und der Politik entscheiden müssen, „dann hätte ich die Politik sein lassen. Bei Kirchens kann man Widerstände leichter überwinden und selbst Hand anlegen. Da kommt der Selbermacher durch“, sagt der 72-jährige. Und das Selbermachen lässt Gutsch auch nach seinem Ausscheiden aus dem Kirchenvorstand nicht sein, den er zuletzt zehn Jahre lang geleitet hatte. Mit Lobhudeleien kann er nicht gut umgehen, das Repräsentieren ist seine Sache nicht – aber um den Friedhof will er sich auch in den nächsten Jahren noch kümmern.

Sein Herz schlägt für die Kirche und den Ort

Um seine Person macht Klaus Gutsch nicht viel Aufhebens, da müssen andere ran. Kirchhorsts Pastor Jens Seliger beispielsweise schätzt ihn für seine ruhige, bescheidene und souveräne Art. Er betrachte Probleme nüchtern und mit einem Blick für das Wichtige. „Klaus Gutschs Herz schlägt für die Kirchengemeinde und den Ort.“

Ist es angemessen, sich seinen Grabstein schon zu Lebzeiten in den Garten zu setzen? „Warum denn nicht?“, fragt Klaus Gutsch zurück. Den Platz für das gemeinsame Grab hinter der Kirche, neben einer rostigen Schwengelpumpe, hat seine Frau Astrid ausgesucht. „Wir beschäftigen uns eben damit, dass man nicht ewig lebt“, sagt Klaus Gutsch – das entlaste auch die Kinder. Außerdem sei laut des Steinmetzes ein Grabstein die wohl beste Lebensversicherung: „Alle, die zu Lebzeiten ihren Stein kaufen, leben laut ihm ewig“, sagt Gutsch und grinst.

Als „geheimer Christ“ in den Kirchenvorstand

Und wenn überhaupt ein Grabstein in einen Garten gehört, dann doch wohl bei Klaus Gutsch, der sich seit Jahren um den Friedhof St. Nikolai kümmert. Dass er sich einmal derart „bei Kirchens“ einbringen würde, das war für ihn früher unvorstellbar - „ich war lange geheimer Christ“.

Das Grundstück am Mühlenweg in Kirchhorst hatte der Hannoveraner 1972 gekauft, als alles noch Acker war – für 25 Mark pro Quadratmeter. Der Selbermacher kam einige Jahre später durch, als er „aus Langeweile“ sein Haus baute. Erst 1991 zog er mit Frau Astrid und den beiden Söhne aufs Land. Beruflich blieb Gutsch in Hannover verwurzelt, wo er in der Verwaltung einer Berufsgenossenschaft arbeitete. Dass er es zum Geschäftsführer bringen würde, war nicht absehbar, denn mit Ausbildungen hat Gutsch es nicht so. Gerade einmal zwei Zeugnisse könne er vorweisen: „Eine grottenschlechte Mittlere Reife und den Führerschein.“

Dass er 18 Jahre lang für die SPD im Ortsrat Kirchhorst und auch mal zwei Jahre im Rat mitgearbeitet hat, ist Gutsch heute keine große Erwähnung mehr wert. Anfang der Siebzigerjahre sei er aus der „Willy-Brandt-Euphorie“ heraus in die Partei eingetreten. Und dass er sich dann um die Geschicke seines neuen Wohnortes kümmerte, das lag auf der Hand.

Das Wechselspiel zwischen Politik und Kirche erlebte er als Elternvertreter mit, als Mitte der Neunzigerjahre über den Kita-Neubau in Kirchhorst diskutiert wurde - die politische Gemeinde sollte ihn bezahlen, die Kirchengemeinde die Kita betreiben. Politisch habe es rund ein Dutzend Sitzungen gedauert, bei der Kirche sei das einfacher gewesen: „Da waren wir einmal, haben viele Kekse gegessen und hatten unser Ergebnis“, erinnert sich Gutsch.

„Bei Kirchens“ lässt sich was bewegen

Pastor Volker Reemts warb den engagierten Vater dann für den Kirchenvorstand. Gutsch erinnert sich gut an seinen ersten Gedanken: „Warum ich?“ Doch er habe schnell gemerkt, dass man „bei Kirchens“ etwas bewegen könne. Und er bewegte: Als auf dem Friedhof rings um die Kirche der Platz knapp wurde und Kirchhorster künftig in Altwarmbüchen bestattet werden sollten, setzte er sich für eine Erweiterung in Kirchhorst ein. Neue Bestattungsformen kamen hinzu – „und wir sind günstiger als die Gemeinde Isernhagen“, sagt Gutsch stolz.

Die Restauration der Kirche vor drei Jahren hat Gutsch mitverantwortet. Die gut 100.000 Euro dafür habe man erstmal zusammenbekommen müssen. „Zum Glück haben wir eine sehr spendierfreudige Gemeinde.“ Dass er sich nach einem halben Dutzend Zehntfesten aus dem Organisationsteam zurückgezogen hat, war für ihn der richtige Schritt: „Wenn man etwas zu oft macht, wird man betriebsblind – oder Bedenkenträger.“

Der frühe Vogel kann ihn mal

Das Problem, dass Särge nicht in die Kirche passten und die Hauptperson bei Beerdigungen somit außen vor bleiben musste, wurde 2002 per Umbau gelöst. „Es ist mir ein Anliegen, dass die Kirchhorster würdig unter die Erde kommen“, sagt Gutsch. Gespräche mit Bestattern und Angehörigen gehören bei der Friedhofsverwaltung dazu, aber bitte nicht gleich morgens. „Der frühe Vogel kann mich mal“, steht auf einem Schild vor seinem Haus. „Das ist sein Lebensmotto“, sagt Astrid Gutsch und lacht. Vor 9 Uhr sei er nicht ansprechbar. Am meisten gefreut habe er sich auf den Ruhestand, weil er dann endlich länger schlafen könne, bekennt Klaus Gutsch freimütig.

Für seinen Ort setzt er sich ein, und deshalb verteidigt er auch die von manchem kritisierte Entscheidung, dass die Kirche für die neue „Dorfmitte“ das Grundstück hergibt. Der geplante Dorftreff samt Gastronomie ist für ihn der richtige Ansatz –genauso, wie es die Erweiterung des NP-Markts auf ehemaligen Kirchengrund zum größeren Edeka war. Vorher hätten sich die Kirchhorster zum Klönen auf dem Friedhof getroffen. „Da hat uns der Edeka-Markt den Rang abgelaufen.“

Von Frank Walter

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