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15:34 31.08.2018
„Durch Caspo fühle ich mich in Altwarmbüchen zu Hause“, sagt Geschäftsführerin Katja Jelinek . Quelle: Michael Miklas
Altwarmbüchen

Seit acht Jahren engagiert sich der Verein Caspo in Altwarmbüchen. Mit der Sozialen Boutique „2. HeimArt“, dem Antik-Buchladen „Abgestaubt“, der Integrationsberatung „Grata“ und vielen weiteren nachbarschaftlichen Projekten ist Caspo aus dem Leben in Altwarmbüchen nicht mehr wegzudenken. Die HAZ sprach mit der Geschäftsführerin und Projektleiterin des Vereins, Katja Jelinek (47).

Frau Jelinek, das Caspo-Projekt „Soziales Kaufhaus 2. HeimArt“ ist jetzt als Landessieger in Niedersachsen beim Nachbarschaftspreis 2018 ausgewählt worden. Die nebenan-Stiftung ehrt Sie mit einem Preisgeld von 2000 Euro. Was sagen Sie dazu?

Wir freuen uns natürlich alle sehr. Dieser Preis ist ein Riesen-Kompliment für unser Engagement. Damit wird die Arbeit aller rund 60 hauptsächlich ehrenamtlich Tätigen gewürdigt. Und noch besteht die Chance, sogar Bundessieger zu werden. Bei der Preisverleihung am Mittwoch, 5. September, in Berlin winken bis zu 10.000 Euro Preisgeld.

Da drücken wir Ihnen natürlich die Daumen. Mit wie vielen Mitgliedern fahren Sie denn am Mittwoch nach Berlin?

Wir dürfen leider nur zu zweit kommen. Am liebsten würde ich natürlich das gesamte Team mitnehmen.

Was veranlasste Sie vor acht Jahren, den Verein Caspo zu gründen und den Second-Hand-Laden in Altwarmbüchen zu eröffnen?

Nach dem Ausstieg aus meiner damaligen Tätigkeit legte ich zunächst gemeinsam mit einer Freundin den Schwerpunkt aufs Kunsthandwerk – viele unserer Werke waren durch Upcycling, also durch Wiederverwertung von gebrauchten Dingen, entstanden. Das wurde immer mehr Thema bei uns. Auch zweite Hand fanden wir toll. Wir fanden, wir sollten der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen und wollten etwas für und mit Menschen tun. So gründeten wir mit einigen weiteren Freunden den Verein Caspo.

Und dann wurde ja immer mehr daraus. Wie kam es dazu?

Wir waren daran interessiert, die Nachbarschaft zusammenzubringen. So nahmen wir Anregungen unserer Besucher auf. Viele wollten ihre Bücherregale leer bekommen, andere wiederum hatten nicht genug Geld, sich neue Bücher zu kaufen. So richteten wir den Antik-Buchladen „Abgestaubt“ ein, der sehr gut angenommen wird. Und als immer mehr Geflüchtete zu uns kamen, merkten wir, dass diese eine professionelle Beratung in vielen bürokratischen Belangen brauchten. Deshalb gründeten wir die Beratungsstelle „Grata“.

Veranstaltungen gibt es doch auch, oder?

Nach und nach ergaben sich immer mehr Themen und Projekte. Zum Beispiel kommt im „Brutzelklub“ einmal im Monat ein gutes Dutzend Menschen zum gemeinsamen Kochen zusammen. Für Kinder bieten wir Bastelnachmittage an und für Erwachsene Vorlese-Veranstaltungen zu bestimmten Themen. Bei der Veranstaltung „Was das Herz bewegt“ können Hobby-Autoren sogar ihre eigenen Texte vor einem kleinen Publikum präsentieren.

Rund 250 Stunden Hintergrundarbeit im Monat

Das ist ja eine ganze Menge, was Sie da alles auf die Beine stellen. Haben Sie in Zukunft etwa noch mehr vor?

Wir könnten uns noch mehr Angebote für Senioren oder Jugendliche vorstellen oder eben auch Veranstaltungen im kreativen oder im Kulturbereich. Wir merken jedoch, dass wir momentan am Scheideweg stehen. Mehr Projekte bedeuten auch mehr Koordinations- und Hintergrundarbeit. Schon jetzt nehmen Arbeiten wie Buchführung, Dienstplanung und Öffentlichkeitsarbeit einen enorm hohen Stellenwert ein. Die drei Läden und die Arbeit der Ehrenamtlichen und Angestellten dort – das sind die sichtbaren Dinge. Aber die Arbeit im Hintergrund, die sieht man nicht, und die macht inzwischen 250 Stunden im Monat aus: Das Zusammenstellen der Unterlagen für den Steuerberater, die Koordination der Einsätze der Ehrenamtlichen, das Pflegen der Facebook-Seite, die Netzwerk-Treffen – das ist alles nötig, um die sichtbaren Projekte am Laufen zu halten. Hierfür wünschen wir uns Geld von der Kommune, der Region oder dem Land Niedersachsen. Nur mit bezahlten Fachkräften – zusätzlich zum Ehrenamt – können wir die gesamte Arbeit auf eine solide Basis stellen.

Was sind für Sie die schönsten Momente bei Ihrer Arbeit bei Caspo?

Wir bringen die unterschiedlichsten Menschen zusammen und kümmern uns umeinander. Jeden Freitag kommt beispielsweise ein älterer Herr bei uns vorbei, nur, um ein wenig zu schnacken. Wenn der freitags mal nicht erscheint, ohne sich abgemeldet zu haben, machen wir uns Sorgen und fragen nach ihm. Das ist für mich gute Nachbarschaft. Wenn in der Begegnungsstätte nebenan eine Senioren-Veranstaltung ist, kommen ältere Damen anschließend gern zu uns und sagen: ’Wir gehen jetzt zu unserem Peek und Cloppenburg’. Da geht mir das Herz auf. Auch Kinder kommen oft nach der Schule kurz zu uns und stöbern in der Verschenke-Kiste. Die freuen sich über die kostenlosen Kleinigkeiten. Eine ältere Dame ist früher regelmäßig mit einem Pott selbst gekochter Suppe zu uns in den Laden gekommen. Mit den Worten ’Kinder, Ihr müsst auch mal etwas essen!’, hat sie den Verkäuferinnen den Topf überreicht und ist erst gegangen, wenn alle aufgegessen hatten. Erst im Alter von 85 Jahren hat sie damit aufgehört. Einige Klientinnen von „Grata“ helfen inzwischen im Sozialen Kaufhaus mit – das ist für mich gelebte Integration.

Und was bringt Ihnen die Mitarbeit bei Caspo persönlich?

Seit ich bei Caspo aktiv bin, fühle ich mich in Altwarmbüchen zu Hause. Vorher, als ich noch in Hannover berufstätig war, kannte ich niemanden vor Ort. Jetzt kenne ich fast jeden.

Gemeinsam Sinnvolles tun

In der Laudatio der nebenan-Stiftung für die Verleihung des Landessieger-Preises für Niedersachsen an den Verein Caspo heißt es: „’Wie können wir selbst Verantwortung übernehmen und der Wegwerfgesellschaft etwas entgegensetzen?“ Dies war die Ausgangsfrage einer Gruppe Freunde und die Grundidee für das soziale Kaufhaus „2.HeimArt“. 2010 mietete die Gruppe mit dem neugegründeten Verein Caspo eine Ladenboutique in der Nachbarschaft Isernhagen-Altwarmbüchen. Die Mission der Initiatoren: Die „2.HeimArt“ soll so vielen Menschen wie möglich die Chance geben, Dinge des alltäglichen Gebrauchs günstig zu erwerben und gleichzeitig ein Zeichen gegen den heutigen Konsumwahn setzen.“

Der Name Caspo kommt von dem lateinischen Spruch „Caput suum periculis offerre“ und heißt „das Leben einsetzen“. Der Gedanke der Mitglieder ist es, ihr Leben für etwas Sinnvolles einzusetzen.

Von Gabriele Gerner

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