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Region Isernhagen Nachrichten Im Wöhler-Dusche-Hof wird Platt gesnackt
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00:18 31.05.2018
Turbulent, rustikal und lustig. Wie stets auf Plattdeutsch und wie stets vor voll besetzten Stuhlreihen gab es reichlich Lacher und viel Applaus im Bauernhausmuseum. Quelle: Jürgen Zimmer
Isernhagen N.B

Jedes Jahr ein neues Theaterstück. Passend zum jeweiligen Thema der Sonderausstellung im Bauernhausmuseum. Am Sonntagnachmittag ging es im Wöhler-Dusche-Hof um das Raseneisenerz. „Ut Isen ward Isernhagen“, heißt die aktuelle Ausstellung und so auch das Stück, das die Zeit vor gut 100 beschreibt, als das begehrte Erz mit der „Elektrischen“, der legendären Staßenbahnlinie 17, nach Ilsede zum Verhütten transportiert wurde. Und wie jedes Jahr wird traditionell Plattdeutsch „gesnackt“.

Turbulent, rustikal und lustig. Wie stets auf Plattdeutsch und wie stets vollbestzt gabs reichlich Lacher und viel Applaus im Bauernhausmuseum. Quelle: Jürgen Zimmer

Turbulente Verwechslungen, Eifersüchteleien und rustikale Kommentare sind auch in Isernhagen die Grundlage des Volkstheaters. Lacher sind programmiert, wenn Tante Adele, gespielt von der 85-jährigen Bärbel Merkt, und die Grand Dame der Compagnie, Ilse Dauer-Böhm, zarte 87 Jahre jung, auf die blasierten Damen aus Hannover treffen, die den Anstich des selbstgebauten Rennofens (die hießen tatsächlich so) von Jungbauer Schorse hautnah miterleben wollen, weil der „Hannoversche Anzeiger“ darüber groß berichtet hatte.

Selbstverständlich können die Damen die „Einheimischen“ nicht verstehen, und andersherum gilt das genauso. Passende Rollen für die beiden „Neuen“ in der Theatergruppe, Silke Obermeier und Dagmar Kröger. Beide drücken den Altersschnitt der Gruppe gewaltig nach unten – und sprechen kein Plattdeutsch. Deshalb hat man ihnen die Rollen der arroganten Hannoveranerinnen auf den Leib geschrieben. So können sie ständig über „spitze Steine stolpern“ und die Nase über die, wohlwollend ausgedrückt, stark riechenden Ureinwohner Isernhagens rümpfen.

Obermeier und Kröger, beide aus Isernhagen, hatten letztes Jahr zum ersten Mal eine plattdeutsche Aufführung im Wöhler-Dusche-Hof gesehen. „Zugeschaut, sehr gelacht und mitgemacht“, fasst Dagmar Kröger ihren Entschluss zusammen, der Theatergruppe beizutreten, auch weil sie beide mithelfen wollen, ein Stück Tradition zu bewahren. Inzwischen üben sie fleißig Plattdeutsch und finden Spaß daran.

Die norddeutsche Sprache wird zwar auf der ganzen Welt gesprochen, von Hamburg bis Honolulu und von Westerland bis Windhoek, aber immer weniger im Nordhannoverschen, wo sich das Bauernhausmuseum regional verortet hat. „Hier ist es eine sterbende Sprache“, weiß Volksschauspieler Werner Loßien. „Wir versuchen dagegen zu halten, aber es werden immer weniger, die Plattdeutsch verstehen, geschweige denn sprechen“, bedauert er.

Weder verstehen noch Platt sprechen kann Besucherin Martina Gercken. In ihrem Fall ist das verständlich, denn sie stammt aus Bayern. Sie war am Sonntagnachmittag mit ihrem Freund Timo Syväri da, der zwar finnische Wurzeln hat, aber auch norddeutsche und von den Großeltern den Klang des Plattdeutschen noch im Ohr hat. Auch Ruth Bretthauer aus Großburgwedel kann kein Platt mehr, versteht aber „ein wenig“ und reimt sich den Rest einfach zusammen. „Weil es so viel Spaß macht.“

Von Jürgen Zimmer

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