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Der Ortsrat favorisiert das Gebäude der auslaufenden Hauptschule als neuen Standort für die Grundschule Altwarmbüchen.

Der Ortsrat favorisiert das Gebäude der auslaufenden Hauptschule als neuen Standort für die Grundschule Altwarmbüchen.
© Frank Walter

Isernhagen

Grundschule soll an die Jacobistraße umziehen

Der Ortsrat Altwarmbüchen war sich (fast) einig: Die Grundschule soll ins Gebäude der auslaufenden Heinrich-Heller-Schule umziehen, und zwar im Sommer 2021.

Altwarmbüchen. Die Grundschule Altwarmbüchen soll bis zum Sommer 2021 ins Gebäude der aktuell auslaufenden Heinrich-Heller-Hauptschule an der Jacobistraße umziehen und dann auch gleich den Ganztagsbetrieb in Kooperation mit einer Hortbetreuung aufnehmen.

Als erstes Gremium hat sich am Mittwochabend der Ortsrat mit großer Mehrheit auf diese Empfehlung geeinigt, womit auch ein solcher Ratsbeschluss am 7. Dezember wahrscheinlich ist. In einer langen Debatte hatten Eltern und Lehrer zuvor ihre Argumente für einen Erhalt der Schule an der Bernhard-Rehkopf-Straße vorgetragen – letzlich vergeblich.

Ihre Argumente hatte die Arbeitsgemeinschaft „Standort Grundschule“ schon vorab in Gesprächen und Flugblättern publik gemacht, und das taten die mehrere Dutzend Zuhörer ein weiteres Mal im Ratssaal. Da war von dunklen Fußwegen zum Schulgebäude an der Jacobistraße die Rede und von der Fachkompetenz der Lehrer, die doch befragt werden müssten. Von der aktuellen Nähe zum Schwimmbad und anderen außerschulischen Lernorten einerseits und von der angeblich gefährlichen Kreuzung an der Kircher Straße andereseits, die viele Schüler bei einem Umzug passioeren müssten. Von der auch für Kulturveranstaltungen wichtigen Aula, während es an der Jacobistraße nur die Sporthalle gebe. Eine Lehrerein bezweifelte, dass eine Umstellung auf den Ganztagsschulbetrieb zeitgleich zum Umzug möglich sei. Eine andere Zuhörerin fragte, ob denn Emotionen bei der Entscheidung keine Rolle spielten – schließlich könne man seinem Kind jetzt noch sagen, dass man an der Bernhard-Rehkopf-Straße auch schon selbst zur Schule gegangen sei.

Anfangs wollten einige Politiker die Empfehlung über den Standort mit Blick auf die noch nicht feststehenden Kosten am liebsten verschieben, letztlich stand der Großteil des Ortsrates aber zur Empfehlung der Verwaltung – nur FDP-Frau Daniela Latzel stimmte dagegen. Schulamtsleiterin Silvia Voltmer machte unter anderem deutlich, dass es bislang ein „absoluter Glücksgriff“ für die Schule gewesen sei, dass das Schwimmbad direkt nebenan liege, der Bustransport sei zu regeln. Auch seien die neuen Schulwege keineswegs gefährlicher als bislang. Die Sicherheit direkt an der Grundschule sei vor allem vom Verhalten der Eltern abhängig – „und an der Bernhard-Rehkopf-Straße herrscht seit Jahren Chaos“. Zudem seien beide Standorte fußläufig gut zu erreichen, und für die nächsten zehn bis 15 Jahre erwarte man mehr Kinder im Bereich westlich der Kircher Straße, sagte Voltmer – aktuell verteilen sich die Kinderzahlen fast gleich auf die nähere Umgebung der beiden Schulstandorte. 

Die Kosten für den An- und Ausbau des Standorts der auslaufenden Haupt- für die Grundschule schätzt die Verwaltung auf 5 Millionen Euro. Doch auch bei einem Verbleib an der Bernhard-Rehkopf-Straße müssten mehr als 4 Millionen Euro investiert werden, und das in einer in Teilen 50 Jahre alte Schule. Die Grundschule Altwarmbüchen würde am jetzigen Standort „auf Jahre eine Baustelle werden. Wir würden auf lange Sicht flickschustern“, fasste Helmut Lübeck (CDU) seine Meinung in Worte. Dem schloss sich Marlis Helfers (SPD) an: Die Gemeinde solle lieber in neuere Bausubstanz investieren, als eine Dauerbaustelle zu fabrizieren. Das Schlusswort vor der Abstimmung übernahm Arne Grävemeyer (CDU): An der Bernhard-Rehkopf-Straße hätte man in einigen Jahren dann einen sanierten Altbestand, an der Jacobistraße hingegen könne man einen recht neuen Standort nach eigenen Wünschen gestalten – und auch eine Aula sei dort noch denkbar.

Der Kommentar von Frank Walter

Kurz hatte es so ausgesehen, als wollten sich einige Politiker angesichts des vollen Saals davor drücken, Farbe zu bekennen. Gut, dass es anders kam und der Ortsrat den Umzug der Grundschule mit großer Mehrheit empfahl. Das Votum sollte so auch beim Beschluss im Rat Bestand haben, denn wirklich zukunftsfähig ist nur der Standort an der Jacobistraße.

Die sachlichen Argumente der Eltern und Lehrer gegen den Umzug verlieren an Bedeutung, wenn man sich vor Augen führt, wie es um die anderen Isernhagener Grundschulen steht. Die Kinder dort müssen immer in den Bus steigen, um zum Schwimmunterricht oder in die Gemeindebücherei zu gelangen – das ist für sie völlig normal. Eine Aula, wie sie an der Bernhard-Rehkopf-Straße der Schule und auch weiteren Veranstaltern gute Dienste leistet, sucht man in den anderen Ortsteilen vergeblich. Und wer wirklich kleine Klassenzimmer sehen möchte, der muss nur nach Neuwarmbüchen fahren. 

Es bleiben die emotionalen Argumente, die man als Entscheidungsträger nicht leichtfertig abtun darf. Deshalb ist es wichtig, dass Schule, Eltern, Politik und Verwaltung im Gespräch bleiben, um den Umzug gemeinsam anzugehen.

Die Gemeinde Isernhagen tut wirklich viel für gute Schulen und wird auch in den nächsten Jahren zig Millionen Euro verbauen – trotz der immer schwieriger werdenden Finanzlage. Und Hand aufs Herz: Wer würde Summe X nicht eher in einen Neu- als in einen Altbau investieren, wenn es die eigenen Häuser und das eigene Geld wären?

Von Frank Walter


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Isernhagen ist ...

  • ... eine Gemeinde nordöstlich von Hannover mit knapp 23.000 Einwohnern
  • ... Heimat von Olympiasiegerin Anke Kühn (Hockey)
  • ... Gründungsort des Radiosenders ffn
  • ... nach dem durchschnittlichen Einkommen der Bürger die wohlhabenste Gemeinde in Niedersachsen
  • ... Sitz des Lederwarenherstellers Bree Collection
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Isernhagen der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.