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Region Isernhagen Nachrichten Archivar Christian Heppner verlässt Isernhagen
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12:55 22.12.2017
Bürgermeister Arpad Bogya (links) verabschiedet Christian Heppner im Beisein von Amtsleiterin Silvia Voltmer. Quelle: Carina Bahl
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Altwarmbüchen

 Eigentlich ist alles wie immer an diesem Donnerstagabend: Inge Hanslik vom Bauernhausmuseum sitzt an einem der Tische im Archiv, blättert in historischen Dokumenten. Christian Heppner wirbelt durch die Räume – “ich wollte noch schnell diese Anfrage aus Hannover zur Münzsammlung von Dr. Albert David beantworten. Die kann ich nicht liegen lassen“, sagt er und blättert schnell weiter in ein paar alten Ordnern. Irgendwie ist dann aber doch nicht alles wie immer: Der Bürgermeister mit Blümchen und Isernhagener Wimmelbild in der Hand gehört nicht zum allwöchentlichen Bild in den Räumen am Helleweg – seine Dankes- und Abschiedworte auch nicht.

Das hat aber seinen Grund: Nach 14 Jahren wird Christian Heppner seine Stelle im Gemeindearchiv aufgeben. „Die Vollzeitstelle im Stadtarchiv Hannover lässt mich die Aufgabe in Isernhagen nicht mehr so erfüllen, wie ich es möchte“, sagt Heppner. Er werde seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Merkwürdig – gemerkt hat das keiner.

Im Gegenteil: Als 2003 das Gemeindearchiv angelegt wurde, war es Heppner, der private Sammlungen durchforstete, den steten Kontakt zu Initiativen wie dem Bauernhausmuseum und der Kaminrunde Altwarmbüchen pflegte und mit viel Fachwissen Rathausmaterial und „private Schätze“ begutachtete. 

Zwei große und arbeitsaufwändige Ausstellungen im und über den Friedenshain 2007 und die stark gefragte Archivausstellung im Isernhagenhof 2012 stellte Heppner auf die Beine. Ob Tag des Archivs oder die wöchentlichen Sprechstunden: Mit jeder Menge Herzblut und Engagement stürzte sich der Hannoveraner nur zu gern in Isernhagens Historie. „Und die Isernhagener sind wirklich sehr an ihrer Geschichte interessiert“, lobt Heppner zum Abschied. Vielleicht eine Nachfrage auf Grund des guten Angebotes?

Bürgermeister Arpad Bogya (links) verabschiedet Christian Heppner. Quelle: Carina Bahl

Dabei war es für den Perfektionisten nicht immer leicht: „Manchmal konnten Sie nicht so, wie Sie wollten“, räumte Bürgermeister Arpad Bogya ein. Eine auf wenige Stunden pro Woche befristete Stelle ermöglichte eben nicht jeden großen Sprung. Die Zusammenarbeit mit Vereinen, Schulen und der preisgekrönten AG Geschichte am Gymnasium pflegte und hegte Heppner dennoch – immer.

Vier Archivräume musste Heppner seit 2003 einräumen, drei Umzüge mit dem kompletten Bestand schaffen. „Aber der Standort wurde immer besser“, sagt Heppner, der in der Verwaltung dafür sorgte, dass Isernhagens Dokumente stets „nicht zu kühl, nicht zu trocken, nicht zu heiß“ lagerten. Nicht ein einziges Mal ging in einem Umzugskarton ein Dokument verloren. Ordnung und Organisation sind bei Archivaren wohl eine Selbstverständlichkeit. „Aber am meisten habe ich den Kontakt mit den Isernhagenern geliebt“, betont Heppner.

Nachfolge

Die Nachfolgerin für Christian Heppner steht bereits fest: Gudrun Heuschen wird ab Januar das Gemeindearchiv Isernhagen leiten. Die studierte Historikerin arbeitet zudem in Teilzeit in der Verwaltung der Universität Hannover. „Ich freue mich darauf, jetzt auch wieder etwas mit Geschichte machen zu können“, sagt Heuschen, die in niedersächsischer Regionalgeschichte promoviert hat.

Das Archiv öffnet am Helleweg 4 in Altwarmbüchen stets donnerstags von 17 bis 19 Uhr. Isernhagener sind aufgerufen, den Bestand auch mit ihren privaten Sammlungen zu erweitern. Wer mag, kann dem Archiv interessante Dokumente auch nur als Leihgabe zur Verfügung stellen. Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.isernhagen.de. Dort ist auch eine Bestandsliste des Archivs hinterlegt. 

Er war Herr über mehr als 1500 Dokumente – das liebste? Das kann ein Archivar nicht beantworten, sagt Heppner. Aber wenn die Zeitung auf eine Antwort drängt? „Dann natürlich das älteste Stück: Ein Ehevertrag aus 1693.“ Das sei etwas Besonderes für ein „Dorfarchiv“, habe man zu der Zeit doch eigentlich nie etwas aufgeschrieben. Aber auch das kann er mit Blick auf die vielen Standesamts-unterlagen aus Isernhagen feststellen: „Sauber Schreiben, das konnten die Isernhagener zu allen Zeiten.“

Aber dann muss auch Schluss sein mit der kleinen Abschiedsfeier: Es gilt noch letzte Anfragen zu beantworten. Die ersten Besucher haben schon gefragt, ob es im Januar nahtlos weitergeht. „Das tut es zum Glück“, sagt Heppner, der jeden Donnerstag mit dem Fahrrad nach Isernhagen radelte. „Und ich komme auch noch einmal wieder – für die Übergabe“, sagt er. Natürlich. Nur dafür.

Von Carina Bahl

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