Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Kinder und Smartphone: Eltern bilden sich weiter
Region Hemmingen Nachrichten Kinder und Smartphone: Eltern bilden sich weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:03 11.03.2018
Für viele Eltern ein vertrautes Bild: Ein Jugendlicher hängt –mal wieder –am Smartphone. Quelle: picture alliance / dpa
Hemmingen

 Da saßen sie nun, knapp 20 Digital Immigrants, und hörten wohl zum ersten Mal, dass sie solche sind. Digitale Einwanderer nennt man Frauen und Männer der Generation, die nicht mit dem Internet und sozialen Netzwerken groß geworden sind. Die Kinder der Mütter und Väter, die sich jetzt abends in Arnum getroffen haben, sind Digital Natives, also digitale Eingeborene. Wissen, das früher von Generation zu Generation weitergegeben wurde – hier funktioniert es nicht mehr.

„Ich fühle mich wie ein Dinosaurier“, sagte denn auch eine Mutter bei der medienpädagogischen Fortbildung, zu der die Stadtjugendpflege Hemmingen in die Kinder- und Jugendräume eingeladen hatte. Im Mittelpunkt stand die Nutzung von Smartphones bei Kindern von zehn bis zwölf Jahren. „Diese ganzen Apps, das wäre mir zu viel“, sagte die Mutter. Dennoch: „Man muss sie wohl alle mal selbst herunterladen, um zu wissen, was die Kinder da machen.“

Das ist ganz im Sinne von Stefan Hollemann. Der Eltern-Medien-Trainer bei der Landessstelle Jugendschutz Niedersachsen, Referent des Abends in Arnum, betonte: „Die Medienkompetenz gehört heute zum Erziehungsauftrag dazu.“ Ob Eltern oder pädagogische Kräfte: „Sie sollten eine eigene Haltung zu den Inhalten finden.“ Denn es geht um eines: „Unsere Kinder stark zu machen“ - durch Anteilnahme und Interesse sowie Liebe, Lob und Ermutigung.

Eine Mutter berichtete: „Mein Sohn wollte mich gar nicht hierher lassen.“ Offenbar befürchtete er, sie werde nun auch die App Snapchat nutzen. Mit ihr lassen sich Bilder und Clips versenden, die nach bis zu zehn Sekunden wieder verschwinden, sich aber kopieren oder speichern lassen. Zur Schnittmenge der Erwachsenen und Kinder gehört der Messengerdienst WhatsApp, den beide Altersgruppen nutzen. Auf die Livevorführung konnte Hollemann in Arnum verzichten, nicht aber bei Snapchat und Instagram. Eine Mutter zeigte sich begeistert: „Ich finde Snapchat viel kreativer als WhatsApp.“ Doch was darf an Fotos ins Netz gestellt werden? Ein Vater merkte an, dass Kinder mit Fragen des Urheberrechts vollkommen überfordert seien. Hollemann riet, den Kindern und Jugendlichen das Smartphone nicht zu verbieten, sondern gemeinsam Technik und Inhalte zu erarbeiten. Snapchat beispielsweise habe er sich von seiner Tochter erklären lassen. Hollemann hat fünf Kinder im Teenageralter.

Die Mediennutzung von den Kindern der Eltern in Arnum ist, wie an dem Abend deutlich wurde, sehr unterschiedlich. Die meisten Jungen und Mädchen haben Smartphones. Hollemann, der an in Hemmingen auch den Kurs Internetführerschein macht, berichtete: „Die Kinder, die ein Smartphone haben, werden immer jünger. Einige sind erst in der dritten Klasse.“ Ein Vater berichtete, sein zehnjähriges Kind habe kein eigenes Gerät, sondern leihe sich das seiner Eltern aus. Einer Erkenntnis aber mussten wohl alle Eltern zustimmen. Hollemann sagte: „Wir können unsere Kinder nicht ständig kontrollieren – weder online noch offline.“

Die Fragen der Eltern

Das waren einige der Fragen und Antworten bei der medienpädagogischen Elternfortbildung in Arnum:

Warum wird die mediale Wirkung bestimmter Wörter unterschätzt?

Wenn Menschen miteinander kommunizieren, geschieht das größtenteils über die Körpersprache und die Stimmlage. Die Bedeutung der Wörter macht nur sieben Prozent aus. Im Digitalen aber gehen Körpersprache und Stimme verloren und die Formulierungen treten in den Vordergrund.

Haben Kinder unter 14 Jahren im Internet Narrenfreiheit?

Nein. Sie sind zwar noch nicht strafmündig, aber ihre Verstöße sind in den Erziehungsregistern der Jugendämter verzeichnet.

Darf mein Kind zu einem bekannten Lied aus der Hitparade in der Instrumentalversion singen und den Clip in soziale Netzwerke stellen?

Wenn der Privatmodus eingestellt ist, ja. Ist das Video öffentlich abrufbar, drohen Probleme mit dem Urheberrecht. 

Ist es sinnvoll, wenn Eltern das heimische WLAN-Netz, also das drahtlose Surfen im Internet, durch bestimmte Einstellungen im Router für bestimmte Zeiten unterbinden?

Das können Eltern machen, allerdings sollten sie ihren Nachwuchs nicht unterschätzen. Im Internet gibt es genügend Hinweise zum Thema „Kindersicherung knacken“.

Das Thema interessiert so viele Eltern. Warum war die Runde in Arnum vergleichsweise klein?

Die Stadtjugendpflege hat darauf geachtet, dass sie nicht zu groß wird, um genügend Teilnehmer zu Wort kommen zu lassen. 

Welche Seiten im Internet empfiehlt Hollemann, um das Thema zu vertiefen?

Es sind handysektor.de und klicksafe.de.

Wo kann man sich über die Mediennutzung von Zwölf- bis 19-Jährigen in Deutschland informieren?

Dazu wurden sie für die sogenannte JIM-Studie 2017 befragt. Sie ist abrufbar auf mpfs.de, der Internetseite des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest. Die Abkürzung JIM steht für Jugend, Information, (Multi-)Media.

Das ist die nächste Fortbildung

Wem „Bibis Beauty Palace“ nichts sagt und wer nicht weiß, was sogenannte Influencer sind, sollte sich den Montag, 4. Juni, vormerken. Dann lädt die Stadtjugendpflege Hemmingen zur nächsten medienpädagogischen Elternfortbildung über soziale Netzwerke ein. Das Thema lautet: „Digitale Welten – was nutzt Ihr Kind?“

Die Veranstaltung von 19 bis 20.30 Uhr in den Kinder- und Jugendräumen Arnum am Klapperweg 18 richtet sich an Eltern mit Kindern zwischen zwölf und 15 Jahren. Es wird auch besprochen, ab wann die Nutzung von Facebook, Instagram, WhatsApp und Snapchat sinnvoll ist und wie im Hinblick aufs Posten, Teilen und Kommentieren die Privatsphäre gewahrt werden kann.

Referent ist Stefan Hollemann, Sozialpädagoge und Eltern-Medien-Trainer bei der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen. Der Eintritt ist frei, weil die Veranstaltung von der Landesstelle gefördert wird. Eltern, die an der Fortbildung teilnehmen möchten, melden sich auf der Internetseite jugendpflege-hemmingen.de an. Wer bereits konkrete Fragen zu dem Thema hat, kann sie vorab an Birgit Baron, Diplompädagogin bei der Jugendpflege, an die E-Mail-Adresse baron@jugendpflegehemmingen.de schicken. Die Jugendpflege leitet sie an den Referenten weiter. 

Influencer sind übrigens Menschen, die in sozialen Netzwerken für bestimmte Produkte werben. Dazu gehört Bianca „Bibi“ Heinicke, erfolgreich auf der Internetplattform Youtube mit ihrem Kanal „Beauty Palace“, auf dem sie Videos postet. zi

Von Andreas Zimmer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei einer Übung musste die Ortsfeuerwehr Hiddestorf/Ohlendorf zwei Menschen retten, dargestellt durch Puppen. Dafür wurde die Ostertorstraße kurzzeitig voll und später halbseitig gesperrt. Die Übung in einem leer stehenden Gebäude, das bald abgerissen werden soll, dauerte etwa eine Stunde.

11.03.2018
Nachrichten Hemmingen-Westerfeld - Einbruch in der KGS

In die Hemminger KGS ist eingebrochen worden. Der oder die Unbekannten haben sich einschließen lassen und dann die Tür zur Bibliothek aufgebrochen. Zur Beute gehörten ein Laptop und Geld.

08.03.2018

Von Schulführungen über Physik-Shows bis hin zu einer Zirkusvorstellung: Beim Tag der offenen Tür in der Hemminger KGS am Freitag, 9. März, 15 bis 18 Uhr, folgt ein Programmpunkt dem nächsten.

11.03.2018