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Fremdsprache im Praxistest: Die Achtklässlerin Valerie (von links, 13) schildert bei einem simulierten Arztbesuch den Oberstufenschülerinnen Anja und Josina (beide 16) auf Spanisch ihre Beschwerden und lässt sich im weiteren Gespräch auch auf Spanisch ein Medikament verschreiben.

Fremdsprache im Praxistest: Die Achtklässlerin Valerie (von links, 13) schildert bei einem simulierten Arztbesuch den Oberstufenschülerinnen Anja und Josina (beide 16) auf Spanisch ihre Beschwerden und lässt sich im weiteren Gespräch auch auf Spanisch ein Medikament verschreiben.© Ingo Rodriguez

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Gehrden

Im spanischen Dorf spricht niemand Deutsch

Kurztrip mit Lerneffekt: Rund 30 Schüler des Matthias-Claudius-Gymnasiums (MCG) haben sich einen Vormittag lang in einem spanischen Dorf aufgehalten. Die kostenlose Bildungsreise ging jedoch nicht auf die iberische Halbinsel, sondern in den Südtrakt des MCG. Aber auch dort wurde nur Spanisch gesprochen.

Gehrden. Vokabeln lernen, Endungen pauken, Schreibweisen merken - und das Erlernte im Unterricht mündlich anwenden, aber auch in Tests schriftlich nachweisen: So funktioniert Fremdsprachenunterricht heutzutage nicht mehr. "Es gibt inzwischen auch in der siebten und neunten Klasse Sprechprüfungen", sagt der MCG-Pädagoge Axel Hammerl.

Für die rund 30 Achtklässler, die seit der sechsten Klasse Spanisch als zweite Fremdsprache lernen, hat sich der Fachobmann gemeinsam mit seinen Kollegen Martin Warnke und Juliane Schmitz angesichts der didaktischen Entwicklungen einen weiteren Praxistest ausgedacht. Nach der viel gelobten Premiere im Vorjahr stand deshalb auch jetzt wieder für den Spanischkurs des achten Jahrgangs ein simulierter Kurztrip auf dem Unterrichtsplan: Die Pädagogen hatten im Südtrakt ein spanisches Dorf eingerichtet - mit Artpraxis, Restaurant, Polizeistation, Bekleidungsladen, Tourismusbüro, Flughafen und ausnahmslos Spanisch sprechendem Personal.

"An den Stationen müssen die Achtklässler in Gesprächen mit Oberstufenschülern aus dem Spanisch-Prüfungskurs Alltagssituationen meistern", sagt der Fachobmann. Grundregel: "Es wird nur Spanisch gesprochen." Einzige Ausnahme: "Im Vorbereitungsraum, wo die Schüler ihre Aufgabenkarten erhalten, können sie im Wörterbuch noch schnell einige Vokabeln heraus suchen", sagt Hammerl. Ziel der Gespräche sei es, authentische Lebenssituationen zu simulieren. "Die Schüler sollen in Alltagsszenen eintauchen und sich mit der Fremdsprache bewähren", sagt Hammerl.

Der 13-jährigen Valerie bereitet ihre nächste Alltagsprüfung buchstäblich Kopfschmerzen. Diese Beschwerden soll sie nämlich in einer Arztpraxis auf Spanisch den Oberstufenschülern schildern - so steht es auf ihrem Aufgabenzettel, der sie mit ihrem Laufbogen in einen liebevoll dekorierten Untersuchungsraum begleitet. Seit wann sie die Symptome beobachte? Wie stark die Schmerzen sind? Ob sie ein Rezept für ein Schmerzmittel benötige? Für die beiden Oberstufenschülerinnen Anja und Josina sind die spanischen Fragen als angehende Kandidatinnen eines Abiturprüfungskurses Routine. Trotzdem wollen sie es der Achtklässlerin auch nicht zu leicht machen.

Nach dem Gespräch gibt es für Valerie von den beiden 16-Jährigen einen lächelnden Smiley in der Kategorie Artzbesuch auf den Laufbogen. "Nur bei einem ganz traurigen Smiley muss die jeweilige Station wiederholt werden", sagt der Fachobmann. Der Spaß stehe im zwar im Vordergrund. "Aber es muss auch einen Anreiz und eine Rückmeldung geben", sagt Hammerl.

Für die Premiere des spanischen Dorfes hatte es im Vorjahr viel Lob von den Schülern gegeben. Auch die 13-jährige Valerie ist positiv überrascht: "Ich hätte nicht gedacht, dass sich tiefer gehende Gespräche entwickeln", sagt sie.


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Gehrden ist ...

  • ... eine Stadt im Calenberger Land mit knapp 15.000 Einwohnern
  • ... die ehemalige Heimat von Tagesschausprecher Marc Bator
  • ... ein Paradies für Spaziergänger
  • ... Ausgrabungsort einer ehemaligen germanischen Siedlung
  • ... 6x pro Woche Thema in der Calenberger Zeitung, die als Heimatzeitung in Gehrden der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.