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Region Gehrden Nachrichten Gehrdener Mittagstisch garantiert Extraportion Gesellschaft
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00:30 01.04.2018
Roswitha Eilers serviert den Besuchern des Mittagstisches im Vierständerhaus das Tagesgericht. Quelle: Ingo Rodriguez
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Gehrden

 Es ist zwar erst 12 Uhr, aber im Vierständerhaus ist kaum noch ein Platz an den Tischen frei. „Die Mahlzeiten werden ab 12.30 Uhr serviert, aber die meisten Gäste kommen schon früher, um etwas zu klönen“, sagt Gerhard Finger. Der frühere Ortsbürgermeister von Everloh gehört zum 15-köpfigen Helferteam und war von Anfang an dabei. Seit zehn Jahren servieren Ehrenamtliche beim Gehrdener Mittagstisch einmal pro Woche kostengünstig warme Mahlzeiten. Sie kümmern sich an jedem Donnerstag um die Essenausgabe.

Doch: Was 2008 auf Initiative der Stadtverwaltung, der evangelischen und katholischen Kirche sowie des Deutschen Roten Kreuzes als Hilfsprojekt für einkommenschwächere Bürger begann, hat sich längst zu einem beliebten Treffpunkt für alleinstehende Senioren entwickelt. Die gute Gesellschaft schätzt auch Christa Beutel aus Gehrden. „Mein Mann ist vor einem halben Jahr gestorben, deshalb bin ich gerne donnerstags beim Mittagstisch, anstatt für mich allein zu kochen“, sagt die Seniorin. 

An Alleinstehende habe sich das Angebot zwar auch von Anfang an gerichtet, sagt Finger. Zur Zielgruppe hätten zunächst aber auch Einkommensschwächere gezählt. „Von unseren Stammgästen gehören jetzt aber nur zwei zu diesem Kreis“, sagt Finger. Anfangs sei in der Öffentlichkeit zu sehr der Eindruck entstanden, dass der Mittagstisch weitgehend eine Initiative zugunsten sozial Benachteiligter wäre. Diese seien dann vermutlich aus Scham weg geblieben. Dann eilt Finger in die Küche und richtet einige Teller an: Schweinebraten, Kartoffeln und Broccoli mit Soße.

Gerhard Finger füllt für Besucher des Mittagstisches das Tagesgericht auf Teller. Quelle: Ingo Rodriguez

„Der Mittagstisch war 2007 eine Idee des damaligen Bürgermeisters Hermann Heldermann“, sagt Finger. Dieser habe sich zu seinem 50. Geburtstag Spenden für so ein Angebot gewünscht. Dann habe die Stadtverwaltung weiter Geld gesammelt und die Kirchen, das DRK sowie ehrenamtliche Helfer als Partner gewonnen. Am 3. April 2008 war es so weit: „Bei der Premiere gab es Gulaschsuppe mit Baguette, Weintrauben und Joghurt zum Nachtisch“, erzählt Finger.

Auch Johanna Leopold gehört seit dem ersten Jahr zum Helferteam. „Wir arbeiten mithilfe von Rücklagen und Spenden, aber der Betrieb ist auch meist kostendeckend“, sagt sie. Das Prinzip ist einfach: Die Senioreneinrichtung Haus Gehrden liefert die wechselnden Gerichte donnerstags für einen Festpreis pro Mahlzeit. „Die Gäste zahlen so viel, wie sie möchten. Einen Fehlbetrag gibt es selten“, sagt Leopold. Bestellt wird nach Speisekarte, vier Wochen im Voraus. Finger ist am Ausgabetag schon vormittags unterwegs. Denn: Eine Bäckerei und Supermärkte stellen Kuchen und Obst kostenlos für den Abtransport bereit. Ein Blumengeschäft spendiert Tischdekoration. Das Geschirr wird im Vierständerhaus gelagert.

Zu den Aufgaben der Helfer – sie arbeiten wöchentlich im Wechsel in Fünferteams – gehört mehr, als das Portionieren und Servieren: eindecken, abräumen, Geschirrspüler ein- und ausräumen, abtrocknen, wischen. Aus Everloh und Leveste werden Besucher abgeholt, die nicht mobil sind.

Nach dem Essen trocknen die Ehrenamtlichen aus dem Helferteam in der Küche des Vierständerhauses gemeinsam das abgewaschene Geschirr ab. Quelle: Ingo Rodriguez

Bis zu 45 Besucher werden pro Woche gezählt. Gertrud Mischke gehört zu den Stammgästen. „Es geht mir nicht um das günstige Essen, sondern um die Gespräche“, sagt sie. Geklönt werden soll auch am Dienstag im Rathaus. Genau zehn Jahre nach der Premiere des Mittagstisches werden dort die Helfer mit einer kleinen Feier belohnt.

Von Ingo Rodriguez

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