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Pastor Wichard von Heyden (von links), Dorothea von Schlotheim und Heinrich Meinecke begrüßen Christian Wulff vor dem Rathaus.

Pastor Wichard von Heyden (von links), Dorothea von Schlotheim und Heinrich Meinecke begrüßen Christian Wulff vor dem Rathaus.© Ingo Rodriguez

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Gehrden

Wulffs Rückkehr ist unauffällig

Kein Menschenauflauf, kein Blitzlichtgewitter, eher gespannte Neugier: Der Besuch des früheren Bundespräsident Christian Wulff hat im Bürgersaal ein überschaubares Publikumsinteresse geweckt. Seine Festrede zum Reformationsjubiläum wollten etwa 100 Besucher hören.

Gehrden. Pastor Wichard von Heyden war eine gewisse Anspannung anzumerken, als er sich gegen 14.50 Uhr vor dem Rathaus postierte, um den prominenten Gast in Empfang zu nehmen. Von Heyden war es schließlich gelungen, den Altbundespräsidenten für die Margarethenkirchengemeinde als Gastredner einzuladen. Einen Mann, der – passend zum Reformationsgedanken – bereits vor der Flüchtlingskrise für eine Öffnung der Gesellschaft in Richtung Islam plädiert habe, hatte von Heyden dies im Vorfeld begründet.

„Dass es geklappt hat, war viel Mühe, Zufall und Glück“, sagte der Pastor, als um 14.55 Uhr eine schwarze Limousine vor dem Rathaus vorfuhr und Wulff anschließend mit freundlicher Zurückhaltung begrüßt wurde. Kurzer Small Talk über Wetter und Reisestrapazen, dann reihten sich die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Dorothea Freifrau von Schlotheim, und Gehrdens stellvertretender Bürgermeister Heinrich Meinecke als Hausherr in Abwesenheit von Cord Mittendorf in die Begrüßung ein. Anschließend: Einmarsch in den Bürgersaal, kein Applaus, stattdessen aufmerksame Blicke.

Zuvor waren auch die Vorboten des Besuchs vom früheren Staatsoberhaupt unauffällig geblieben: Ein Polizeiauto mit zwei Beamten, die Wulffs Sicherheitsbeauftragter angefordert hatte, ein persönlicher Referent, ein Sicherheitsmann.

Es war Meinecke, der die Zurückhaltung ablegte und den Gastredner in seiner Begrüßung an eine Baumpflanzung im Von-Reden-Park erinnerte: Kurzes Schmunzeln – auch unter den mehrheitlich älteren Besuchern. Dort war wegen eines möglichen Andranges extra engere Bestuhlung aufgebaut worden. Nun waren einige Stühle leer geblieben, als Wulff zum Rednerpult schritt.

Er präsentierte sich unaufgeregt und souverän, zuweilen mit etwas staatsmännischem Pathos. Aber der 58-jährige Katholik aus Osnabrück bemühte sich auch um Humor: „Es ist toll, dass es das Selbstbewusstsein der evangelischen Kirche erlaubt, sich einen katholischen Festredner zuzumuten“, scherzte Wulff. Er war gebeten worden, über Konsequenzen der Reformation für die heutige Gesellschaft und Politik zu sprechen. Wulff lieferte zunächst eine Bestandaufnahme: zunehmende Verunsicherung durch Terrorismus, Globalisierung und Internet, wachsender Egoismus, Nationalismus und Populismus. Wulff rief zu Offenheit auf. „500 Jahre nach der Reformation sollten wir Dinge, die uns abwegig erscheinen, nicht sofort infrage stellen, sondern uns darauf einlassen“, riet Wulff.


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Gehrden ist ...

  • ... eine Stadt im Calenberger Land mit knapp 15.000 Einwohnern
  • ... die ehemalige Heimat von Tagesschausprecher Marc Bator
  • ... ein Paradies für Spaziergänger
  • ... Ausgrabungsort einer ehemaligen germanischen Siedlung
  • ... 6x pro Woche Thema in der Calenberger Zeitung, die als Heimatzeitung in Gehrden der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.