Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten 500.000 Euro: Delfi-Bad-Defizit steigt weiter an
Region Gehrden Nachrichten 500.000 Euro: Delfi-Bad-Defizit steigt weiter an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:33 31.03.2018
Leeres Becken, leere Kassen: Besucherzahlen und Einnahmen des Delfi-Bades sind erneut gesunken. Quelle: Björn Franz
Gehrden

 Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit Jahren steigt das jährlich erwirtschaftete Defizit des Delfi-Bades kontinuierlich an. Das Jahr 2017 markiert dabei einen neuen Rekord – in vielfacher Hinsicht. Sowohl die Anzahl der Besucher als auch die Einnahmen waren im vergangenen Jahr so niedrig wie seit Langem nicht mehr. Lediglich 105 255 Menschen besuchten das Gehrdener Bad, die Einnahmen sanken um mehr als 60 000 jauf knapp 202 000 Euro. Dem gegenüber stehen Ausgaben in Höhe von 699 000 Euro, rund 22 000 Euro mehr als noch im Jahr 2016. In Summe ergibt dies ein Defizit von rund einer halben Million Euro. Zum Vergleich: In 2016 lag dieses noch bei 412 000 Euro, im Jahr 2014 bei 374 000 Euro.

 Kann dieser negativen Entwicklung kurzfristig entgegengewirkt werden? Und wenn ja, wie? Die naheliegendste Antwort einer weiteren Preiserhöhung lehnen die Vertreter der Stadtratsfraktionen zumindest ab. Momentan kostet eine Einzelkarte 3,90 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen 2,60 Euro. „Wir wollen die derzeit familienfreundlichen Eintrittspreise behalten“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Henning Harter. Diese Ansicht vertritt auch Klaus Dörffer (CDU). Der soziale Aspekt eines städtischen Freibades dürfe trotz anhaltender Bilanzdefizite nicht aus den Augen verloren werden, sagt er.

Die bislang letzte Erhöhung der Eintrittspreise erfolgte zum 1. Januar 2016. Damals beschloss die Politik eine Preissteigerung um zehn Prozent. Zu steigenden Einnahmen hat diese Entscheidung bislang nicht geführt – im Gegenteil. Stattdessen sind diese seitdem um mehr als 25 Prozent gesunken.

 Für die Ratsgruppe Grüne/Linke spielen diese Zahlen eine eher untergeordnete Rolle. Vielmehr stelle das Delfi-Bad für sie einen zentralen Bestandteil des städtischen Sport- und Freizeitangebotes dar, erklärt Gruppensprecher Heinz Strassmann – und zwar erst einmal unabhängig von der Wirtschaftlichkeit. „Es trägt einen großen Anteil zur Attraktivität der Stadt bei, wenn dieses Angebot vorgehalten wird“, sagt er.

Eine Änderung der Preispolitik befürwortet die Ratsgruppe nur in eine Richtung: nach unten. Sie fordert die Einführung einer Sozialstaffelung, um beispielsweise Flüchtlingen und Arbeitslosen einen günstigeren Eintritt ins Bad zu ermöglichen. Einen entsprechenden Antrag lehnten die anderen Fraktionen im Rahmen der jüngsten Haushaltsdebatte allerdings ab.

Andere sinnvolle Maßnahmen, die kurzfristig einen positiven Effekt erzielen könnten, sehen die Politiker indes kaum. Grundsätzlich wollen sie eine derzeit im Rathaus erarbeitete Gesamtanalyse abwarten, wie die Attraktivität des Delfi-Bades mittel- bis langfristig gesteigert werden kann. Lediglich CDU-Mann Dörffer kann sich vorstellen, bis zum Sommer durch kleinere neue Angebote etwas bewirken zu können. Dabei dürften nicht immer nur die Becken betrachtet werden, sagt er. Auch ein Volleyballfeld auf der Rasenfläche könne beispielsweise zusätzliche Besucher anlocken, ist sich Dörffer sicher.

Auch Neubau nicht ausgeschlossen

Das Ergebnis der Gesamtanalyse will die Stadtverwaltung noch in diesem Jahr vorlegen. Neben Einsparungsmöglichkeiten soll diese auch ein Konzept zur Attraktivitätssteigerung für alle Altersgruppen enthalten. Eine Tendenz, wohin die Reise gehen könnte, deutete Wirtschaftsförderer Nurettin Demirel bereits im Mai vergangenen Jahres an. In einem ersten Entwurf stellte er die Möglichkeiten einer Sanierung oder eines Neubaus gegenüber. Sein damaliges Fazit: Langfristig wäre ein Neubau wirtschaftlicher. Mindestens zehn Millionen Euro müssten hierfür in die Hand genommen werden. 

Zudem sei es sinnvoll, bei der Erstellung eines inhaltlichen Zukunftskonzeptes den aktuellen Trends Rechnung zu tragen, sagte Demirel damals. Dazu gehörten beispielsweise ein Solarium oder Wellness-Angebote. Ob eine Sauna auch in Zukunft dazu gehört, sei jedoch zweifelhaft. Die Nachfrage nach der bereits vorhandenen Sauna im Delfi-Bad ist laut Demirel in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken.

Von Marcel Sacha

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Seit rund 25 Jahren ist Werner Radny regelmäßiger Besucher der Blutspendeaktionen des DRK Gehrden. Am Montag hat er bereits zum 100. Mal etwas von seinem roten Lebenssaft der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Über ein Aufhören denkt er dennoch nicht nach. 

30.03.2018

Aus Sicht der Region Hannover als Baugenehmigungsbehörde spricht nichts gegen die Planungen zum Neubau des Gehrke-Hauses. Allerdings werden die derzeit gültigen Baugrenzen dabei überschritten. Um das Projekt realisieren zu können, bedarf es daher einer erneuten Änderung des Bebauungsplans.

30.03.2018

Aufatmen im Rathaus und bei „Wir sind Gehrden“: Die Eigentümerin des Bratsch-Hauses will bei einem Neubau auf dem Grundstück am Marktplatz auf den Erwerb städtischer Fläche verzichten. Die Bürgerinitiative legt daher ihre Bemühungen, ein Bürgerbegehren einzuleiten, vorerst auf Eis.

29.03.2018