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Mit einer Demonstration vor dem Rathaus hat die Bürgerinitiative "Wir sind Gehrden" vor drei Wochen auf ihre Forderung aufmerksam gemacht. Bürgermeister Cord Mittendorf empfing die etwa 200 Bürger.

Mit einer Demonstration vor dem Rathaus hat die Bürgerinitiative "Wir sind Gehrden" vor drei Wochen auf ihre Forderung aufmerksam gemacht. Bürgermeister Cord Mittendorf empfing die etwa 200 Bürger.
© Wirausky

Gehrden

Bürgerinitiative ist fest entschlossen

Die Bürgerinitiative „Wir sind Gehrden“ will verhindern, dass der Marktplatz in Gehrden verkleinert wird.

Gehrden.  Das Ziel ist klar umrissen. „Der Marktplatz darf nicht kleiner werden“, betont Hartmut Weimar. Er ist einer von etwa 30 Aktivisten der Bürgerinitiative „Wir sind Gehrden“, die verhindern will, dass im Stadtzentrum städtische Fläche für einen geplanten Neubau abgegeben wird. Diese Forderung untermauert sie mit Unterschriften. Mehr als 3200 haben Weimar und Mitstreiter in den vergangenen sechs Wochen gesammelt. Die Liste soll dem Bürgermeister Cord Mittendorf bei der nächsten Bauausschusssitzung am 5. Dezember übergeben werden. Auch eine Menschnenkette und eine Demonstration vor dem Rathaus hat die Bürgerinitiative bereits initiiert. 

 Seit rund sieben Jahren wird über das sogenannten Bratsch-Haus am Marktplatz diskutiert, gestritten und nach Lösungen gesucht. Bislang vergebens. „Das Verfahren ist gescheitert“, sagt Wolfgang Liese von der Bürgerinitaitive. Die Eigentümerin möchte das alte Fachwerkhaus abreißen und ein Wohn- und Geschäftshaus errichten. Doch ein Entwurf, der alle Beteiligten zufrieden stellt, wurde bisher nicht gefunden. Nun soll ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Demnach soll mit einem Verkauf des kommunalen Grundstücks im Süden des baufälligen Hauses die Voraussetzungen für den Bau eines größeren Gebäudekomplexes geschaffen werden.  Für die Gruppe steht fest: Wenn Neubau, dann nur in den Grenzen des existierenden Gebäudes. „Und keinen Zentimeter größer“, so Liese.

Die Aktionen der Bürgerinitiative „Wir sind Gehrden“ werden auch kritisch beäugt. So bemängelt der CDU-Ratsherr Klaus Dörffer, dass gezielt Falsch- und Halbinformationen verbreitet würden. So sei vielen Bürgern nicht bekannt, um was es in den Vorlagen zum Bebauungsplan gehe, wie der zeitliche Stand der Dinge sei und über was Rat und Fraktionen tatsächlichen beraten, so Dörffer. Er fordert die Bürgerinitiative deshalb auf, inhaltlich genauer zu informieren, sich in der Sache besser qualifiziert und vor allem fair gegenüber den Vertretern der Verwaltung und der Politik zu bleiben. „Wenn das der Fall ist, kann durch die Mitarbeit jeder Gruppe und jeder Person viel Input in einen Prozess der Willensbildung und der daraus hervorgehenden Gestaltung einfließen“, sagt Dörffer. Er wünsche sich zudem, dass der Prozess von einem externen Fachmann moderiert und geplant werde. dw

Kritik äußern die Aktivisten an der Verwaltung und an den Politikern. „Wir haben das Gefühl, dass uns bewusst Informationen vorenthalten werden“, meint Annette Wedemeyer. Das sei nicht befriedigend. Laut Weimar gebe es inzwischen einen neuen Planentwurf, den „Wir sind Gehrden“ gar nicht kenne. Für Wedemeyer steht fest: „Politik wird dann glaubwürdig, wenn man sich traut, von Plänen abzurücken, wenn an den Bürger vorbeigeplant wurde.“ Das Gemeinwohl müsse an erster Stelle stehen. Bei vielen Gehrdener Bürgern habe sich inzwischen Frust aufgebaut, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen. „Sie wollen an der Gestaltung solch zentraler Orte wie der Marktplatz beteiligt werden“, weiß Wedemeyer aus zahlreichen Gesprächen. 

Auch juristische Schritte schrecken die Gruppe nicht ab. Sollte der Bebauungsplan verabschiedet werden, will die Bürgerinitiative Einspruch erheben – „und zwar einzeln“, kündigt Weimar an. Die Folge wäre ein riesiger Verwaltunsgaufwand. Auch ein Bürgerbegehren sei eine Option. Dazu bräuchte die Bürgerinitiative die Unterstützung von zehn Prozent der Wahlbeteiligten. Zudem würde dieses Verfahren von der Region begleitet. „Daran kann die Stadt kein Interesse haben“, glaubt Liese. 

Doch darauf anlegen wollen es Weimar, Liese und Wedemeyer nicht. „Wir fühlen uns nicht zahnlos, aber wir suchen in erster Linie nach Verständigung“, sagen sie. Unter anderem schlagen sie die Einberufung eines runden Tisches vor. „Damit wir miteinander ins Gespräch kommen“, so Liese. 

Die Kampfkraft und der Elan werden allerdings so schnell nicht erlahmen. „Ich bin eine Kämpfernatur“, sagt Weimar. Die Bürgerinitiative sei fest entschlossen, von ihrem Ziel nicht abzuweichen. 

Und es gibt noch eine andere Idee. Nämlich, dass die Bürgerinitaitive das Haus selbst kauft. „Das ließe sich durchaus finanzieren“, ist Weimar optimistisch. 

Von Dirk Wirausky


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Gehrden ist ...

  • ... eine Stadt im Calenberger Land mit knapp 15.000 Einwohnern
  • ... die ehemalige Heimat von Tagesschausprecher Marc Bator
  • ... ein Paradies für Spaziergänger
  • ... Ausgrabungsort einer ehemaligen germanischen Siedlung
  • ... 6x pro Woche Thema in der Calenberger Zeitung, die als Heimatzeitung in Gehrden der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.