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Nachrichten Bundesverdienstkreuz für Thomas Och
Region Garbsen Nachrichten Bundesverdienstkreuz für Thomas Och
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18:48 22.03.2019
Regionspräsident Hauke Jagau verleiht das Bundesverdienstkreuz an Thomas Och. Quelle: Markus Holz
Garbsen/Seelze/Hannover

Hoffentlich nicht. Thomas Och tigert im Sitzungssaal im Haus der Region durch die Reihen seiner 50 Gäste, begrüßt jeden, blickt angespannt auf die Uhr. „Hoffentlich wird das hier nicht wie auf meiner Beerdigung“, denkt er. Lobeshymnen, die wie Nachrufe klingen mit allen Stationen seines ehrenamtlichen Lebens beim DRK will er jetzt nicht hören, wenn ihm Regionspräsident Hauke Jagau gleich das Bundesverdienstkreuz aushändigt. „Ich freue mich drauf, aber ich mag solche Veranstaltungen nicht. Mir ist es lieber, es geht um die Sache, als um mich.“

Seit 37 Jahren im Rettungsdienst

Jagau eilt in den Saal. Händeschütteln. Orden und Urkunde zurechtlegen. Jagau ist der erste, der Och die Angst vor einer „Beerdigung“ nimmt. Dem feierlichen Anlass angemessen, aber gelöst, erzählt Jagau, wie er Och erlebt. Och steht mit an der Spitze der Technischen Einsatzleitung der Region. Wo auch immer Hilfe gebraucht wird: Och sorgt bei Katastrophen wie in Eschede, bei den Hochwassern in Magdeburg, bei Bombenräumungen oder bei der Ankunft Hunderter Flüchtlinge am Messebahnhof Laatzen mit dafür, dass am Ende alles gut ausgeht. Och, im Hauptberuf Oberkirchenrat bei der Landeskirche, ist in vielfältigen Positionen seit 37 Jahren im Rettungsdienst und Katastrophenschutz engagiert.

Es ist eine Verneigung

„Was bedeutet dieses Verdienstkreuz?“, fragt Jagau. Die ehrenamtliche Zeit sei damit nicht aufzurechnen, der Aufwand sei damit nicht bezahlt. „Es ist eine Verneigung vor ihnen von höchster Stelle. Es ist der Dank der Bundesrepublik an Menschen wie sie.“ Och sei bei allen Großeinsätzen der letzten drei Jahrzehnte verantwortlich dabei gewesen. „Ich kann ruhig schlafen, wenn ich weiß, dass Menschen wie sie im Notfall bereitstehen und Großeinsätze managen können“, sagte Jagau.

Führen, koordinieren, überwachen

Thomas Och trat 1982 dem Roten Kreuz in Garbsen bei und verpflichtete sich im Katastrophenschutz, weil er nicht als Wehrdienstleistender einrücken wollte. Er ist Führer der Schnell-Einsatz-Gruppe, stellvertretender Regionsbereitschaftsleiter, Vorstandmitglied des DRK Garbsen, Fachberater Katastrophenschutz, Zugführer sowie der Abschnittsleiter der DRK-Bereitschaften im Bereich Nord-West mit Standort in Garbsen und Neustadt. Er hat zu führen, zu koordinieren und zu überwachen. 149 Helfer gehören zu seiner Einheit. Der 54-Jährige ist mehrfach für seine Dienste ausgezeichnet worden. „Menschen wie dich sollten wir unter Artenschutz stellen, es gibt davon immer weniger“, sagte Garbsens DRK-Chef Rolf Posor.

Och lebt mit seiner Frau Beate und den beiden erwachsenen Söhnen Jan-Hendrik und Nils in Letter, ist dort Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Seelze. Aus Seelze überbrachte darum der stellvertretende Bürgermeister Wilfried Nickel anerkennende Glückwünsche, ebenso Ochs Vorgesetzter als Leiter der Technischen Einsatzleitung der Region, Alfred Blume aus Seelze. Allen Rednern war der Dank, der Stolz, das Mitfreuen über die Auszeichnung und die Anerkennung anzumerken – keine Spur von Nachruf und Beerdigung.

„Danke“, sagte Och vor seiner Familie, vor Gästen aus Berlin, Hamburg, der Region und dem Ruhrgebiet. „Ich möchte keine Stunde mit euch missen, auch wenn es manchmal anstrengend war. Am Ende geht es ums gute Ergebnis, nicht um einzelne Personen. Danke für euer Vertrauen.“

DRK mit der Muttermilch

Hätte sich dieser Mann überhaupt seinem Drang zu ehrenamtlichem Engagement erwehren können? „Wohl kaum“, sagt Ochs Mutter und streicht ihrem Sohn stolz über die Wange. Sie selbst ist seit 62 Jahren im DRK, Ochs Großmutter war ebenso lange engagiert im Roten Kreuz. „Das hat er mit der Muttermilch aufgesogen“, sagt die Mutter. Nur die Söhne Nils und Jan-Hendrik scheinen diese Station zu überspringen. „Vielleicht bin ich selber auch ein bisschen Schuld daran“, sagt Och. Ehrenamt, so wie Och es lebt, geht auf Kosten der Familienzeit. „Aber ich kritisiere zu Hause an dieser jungen Generation auch, dass sie sich nicht mehr so selbstverständlich und langfristig wie wir für andere einsetzt“, sagt Och.

Dass er große Verantwortung trägt, dass er Bilder von Tod, Verletzung, Elend und Not im Kopf hat, ist Och bewusst. „Ich versuche, die Bilder der Einsätze nicht so nah an mich heranzulassen. Das gelingt, wenn man gute Kameraden zum Reden hat und wenn ich bei der Familie in meiner privaten Welt sein kann. Dieser Ausgleich muss sein, sonst geht es nicht.“

Von Markus Holz

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