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Region Garbsen Nachrichten Mit 61 Jahren ist Kauroff ein Neuling im Landtag
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00:18 04.12.2017
"Hier ist mein Platz": Rüdiger Kauroff zeigt, wo er künftig im Landtag sitzt. Quelle: Gerko Naumann
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Garbsen/Hannover

 Auf dem Weg in die Kantine im Untergeschoss des neuen Landtags in Hannover fällt die schwere Tür hinter Rüdiger Kauroff ins Schloss. Er rüttelt kurz daran, doch der Weg zurück scheint versperrt. „Kein Problem, ich komme ja jetzt überall hinein“, sagt der 61-jährige Altgarbsener und kramt in seiner Manteltasche. Dort findet er einen unscheinbaren schwarzen Gegenstand, den er vor das Schloss hält. Es piepst, es klackt – und schon ist die Hürde überwunden.

Über solche kleinen Erfolgserlebnisse freut sich Kauroff sichtlich, denn sie zeigen, dass er im Landtag angekommen ist. Vor fünf Jahren hatte er es schon einmal als Kandidat der SPD im Wahlkreis Garbsen und Wedemark versucht, war damals aber knapp an Editha Lorberg (CDU) gescheitert. Doch in diesem Jahr hat er es geschafft, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden – in einem außergewöhnlich kurzen und intensiven Wahlkampf wegen der vorgezogenen Landtagswahlen.

Revanche nach fünf Jahren

Den hat Kauroff hauptsächlich dazu genutzt, um von Haustür zu Haustür zu ziehen. „Ich war drei Wochen lang von morgens bis abends unterwegs, um mit den Leuten zu sprechen“, sagt er. Offenbar ein Erfolgsrezept, wie sich am Wahlabend zeigte. Es muss gegen 20 Uhr gewesen sein, als Kauroff klar wurde, dass er es geschafft hat. „Das war ein super gutes Gefühl. Auch deshalb, weil ich mich für die Niederlage vor Jahren revanchieren konnte.“

Während seine Konkurrentin Lorberg, die es erneut über die Landesliste der CDU ins Parlament geschafft hat, eine erfahrene Abgeordnete ist, muss sich Kauroff mit 61 Jahren plötzlich an viele neue Dinge gewöhnen. „Ich habe 40 Jahre lang bei der Post gearbeitet und bin immer zur gleichen Zeit an den gleichen Arbeitsplatz gefahren“, sagt er. Jetzt ist der Wahlkreis sein Arbeitsplatz – und natürlich der Landtag selbst.

Willy Brandt hängt an der Wand

Dort hat Kauroff schon ein kleines Büro zugeteilt bekommen, in dem vorher Abgeordnete der Grünen saßen. Darin sieht es noch ein wenig kahl aus. „Die ganze Technik kommt in den nächsten Tagen“, sagt Kauroff. Immerhin: An der Wand hängt schon eine Bleistiftzeichnung von Willy Brandt: „Die hat mir ein Garbsener nach der Wahl geschenkt. Eine wirklich nette Geste“, findet Kauroff.

Seinen Platz im Plenarsaal hat der 61-Jährige auch schon gefunden. Der Saal ist gerade für mehr als 58 Millionen Euro umgebaut worden. Mit dem Ergebnis ist Kauroff sehr zufrieden. „Der Raum ist viel heller und moderner eingerichtet als bisher“, sagt der Garbsener. Nur an die neuen Stühle findet er noch etwas gewöhnungsbedürftig. „Sie haben keine Rollen mehr, sondern Schienen“, sagt Kauroff. Auch seine künftigen Sitznachbarn muss er teilweise noch kennenlernen. „Die Leute aus der Region Hannover kenne ich teilweise schon seit Jahren, aber den Kollegen aus anderen Teilen Niedersachsens muss ich mich noch vorstellen“.

An diese Gespräche will Kauroff spätestens Anfang 2018 mit viel Elan herangehen. „Es ist toll, dass ich noch mal so einen neuen Lebensabschnitt erleben darf und dass sich so viele neue Türen öffnen“, sagt er. Das gilt eben nicht nur für den kleinen schwarzen Gegenstand aus der Manteltasche. Selbst der hat übrigens eine Grenze, berichtet Kauroff und lacht. „In den Weinkeller habe ich bislang noch keinen Zutritt.“

Im Einsatz für die Freiwilligen Feuerwehren

Inhaltlich wird sich Kauroff in den nächsten Jahren vor allem mit einem Thema befassen, das ihm schon lange am Herzen liegt. Er gehört dem Fachausschuss für Inneres an und ist Sprecher für die Bereiche Feuerschutz und Katastrophenschutz. Erfahrung bringt der 61-Jährige unter anderem durch seine 18-jährige Amtszeit als Ortsbrandmeister der Feuerwehr Garbsen mit.

Auch deshalb steht die Wertschätzung für die ehrenamtlichen Retter ganz oben auf seiner Agenda. „Ich könnte mir etwa einen Rentenaufschlag für Menschen vorstellen, die sich jahrelang zum Wohl der Allgemeinheit eingesetzt haben“, sagt Kauroff, der außerdem im Petitionsausschuss und im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr eingeteilt ist. In letzterem will er sich dafür einsetzen, dass die Lücke auf der Landstraße 382 zwischen Garbsen und Langenhagen geschlossen wird.  

Und welche Auswirkungen hat das für Kauroffs ehrenamtliches Engagement in der Garbsener Lokalpolitik? „Keine“, sagt der Sozialdemokrat ohne nachzudenken. Er will weiter Ratsmitglied und stellvertretender Bürgermeister bleiben – „auch wenn ich es vielleicht nicht auf die Minute pünktlich zu jeder Sitzung schaffe“. kon

Von Gerko Naumann

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