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Region Garbsen Nachrichten Region lässt Deponie Hohler Weg untersuchen
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00:28 26.05.2018
Beginnen mit den Sondierbohrungen an der Sondermülldeponie Hohler Weg in Stelingen: Jens Bethge (links) und Peter Krömker von der Firma Fugro. Quelle: Jutta Grätz
Stelingen

Die Region Hannover lässt seit Dienstag erneut die Sondermülldeponie Hohler Weg südwestlich von Stelingen untersuchen. In der ehemaligen Sandgrube war 2015 alter Giftmüll entdeckt worden. „Dort wurden in den Sechzigerjahren Schleif- und Betonschlämme, Öle und Lösungsmittel, Faulschlamm sowie Bauschutt entsorgt“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. Die Deponie liegt südlich der Siedlung Hohler Weg und Hinter der Worth an einem Wirtschaftsweg. Bei einer ersten Erkundung der Sonderabfalldeponie (SAD) vor zwei Jahren waren Schadstoffe im Grundwasser festgestellt worden. Die chemischen Verbindungen im Müll reagieren miteinander. Dabei kommt es zur Entstehung unter anderem von chlorierten Kohlenwasserstoffen (LCKW). Diese stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. Die frühere Sandgrube wurde später mit natürlichem Boden abgedeckt, heute wird sie als Pferdekoppel genutzt.

„Weitere Untersuchungen sind notwendig, um die Gefährdung abschätzen zu können“, sagt Abelmann. Analysen des Bodens und des Grundwassers sollen präzise Daten darüber liefern, wie tief der Grundwasserschaden und wie hoch die Schadstoffbelastung ist. „Die Geräte bohren in einer Tiefe von 50 bis 60 Metern“, sagt Geologe Andreas Mignat vom Team Boden- und Grundwasserschutz der Region. Die Bohrungen werden etwa drei Wochen dauern. „Mit Ergebnissen der Untersuchung rechnen wir im Herbst 2018“, teilt Abelmann mit. Die Region plant, die Ergebnisse bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorzustellen.

Am Rand der Deponie Hohler Weg (links) ist die Konzentration einiger Schadstoffe am höchsten. Das Grundwasser trägt die Chemikalien in Richtung Osten. Die Konzentration nimmt nach ersten Untersuchungen schnell ab. Im Bereich der Siedlung nördlich der Schadstofffahne sind Schwermetalle wie Zink, Kupfer und Cadmium nachgewiesen worden, aber keine Kohlenwaserstoff-Verbindungen, Öle oder PCB. Quelle: rafik: HAZ / Quelle: Dr. Pelzer und Partner, Dr. Türk, Hildesheim

Region lässt mehrere Messstellen errichten

In einem zweiten Schritt lässt die Region mehrere Grundwasser-Messstellen errichten, um den Verlauf der Schadstoff-Fahne, ausgehend von der SAD Hohler Weg, zu erfassen. Abhängig von den Ergebnissen der Sondierungen ist vorgesehen, eine Messstelle am südöstlichen Rand der SAD und vier weitere Messstellen oberhalb der SAD an der Stöckener Straße zu errichten. Zudem wird das Grundwasser an mehreren neuen Messpunkten direkt entnommen. Eine Belastung für das künftige Baugebiet „Östlich hinter der Worth“ schließt die Region aus.

Es wird zudem geprüft, wer für die Vergiftung des Bodens verantwortlich ist und für die Sanierung der Deponie Hohler Weg zahlen muss. „Diese Praxis der Müllentsorgung war früher gang und gäbe“, sagt Mignat, „Heute gilt das als Umweltfrevel.“ Der Eigentümer der Fläche könnte auch im Nachhinein zu einer möglichen Sanierung herangezogen werden, sagte Abelmann.

Imke Hesse vom Gutachterbüro Arcadis (zweite von links), Annette Klemm vom Fachbereich Umwelt der Region und Andreas Mignat machen sich zum Auftakt der Sondierungsarbeiten ein Bild von den Messstellen. Quelle: Jutta Grätz

Die Region hatte bereits in einer ersten Informationsveranstaltung im Juli 2016 über erste Untersuchungsergebnisse der beiden Deponien informiert und auch private Brunnen untersuchen lassen. Fazit: Das Grundwasser ist mit Schwermetallen belastet, aber die Situation ist für Menschen nicht gefährlich. Anwohner sind dennoch beunruhigt: „Die Auswirkungen der Grundwasserbelastungen auf Mensch und Natur sind völlig unklar“, sagt eine Anwohnerin der Neisser Straße. „Wir haben Jahrzehnte unser Obst und Gemüse mit dem Brunnenwasser gegossen, unsere Kinder haben darin geplantscht.“ Um die Auswirkungen auf die Gesundheit machen sich viele Stelinger Sorgen: „Bei Eigentümern und Mietern der Stralsunder Straße gab und gibt es auffällig viele Krebserkrankungen“, sagt eine ehemalige Anwohnerin.

Ansprechpartner für Fragen von Anwohnern zur SAD Hohler Weg ist Andreas Mignat unter Telefon (05 11) 61 62 27 87 und per E-Mail an andreas.mignat@region-hannover.de.

Altlasten lassen sich online einsehen

Im Gebiet der Region Hannover sind 708 sogenannte Altablagerungen verzeichnet, davon sind seit den Neunzigerjahren 344 untersucht worden. Die Deponien sind bewertet mit 0 bis 100 Punkten. Müll unmittelbar in oder an Siedlungen, in Wasserschutzgebieten und die großen Sondermüll-Lager haben hohe Punktzahlen und werden vorrangig untersucht. Die SAD Hohler Weg und Sander tragen die Punktzahl 68 und 73. Altablagerungen, Rüstungsaltlasten und Schlammgrubenverdachtsfälle in der Region sind online auf dem Nibis-Kartenserver des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie unter nibis.lbeg.de/ cardomap3 abrufbar.

Von Jutta Grätz

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