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Am Freitag hat am Landgericht Hannover der Prozess gegen einen mutmaßlichen Brandstifter aus Altgarbsen begonnen.

Am Freitag hat am Landgericht Hannover der Prozess gegen einen mutmaßlichen Brandstifter aus Altgarbsen begonnen.
© Holger Hollemann/dpa (Symbolbild)

Garbsen/Seelze

Mutmaßlicher Brandstifter gesteht vor Gericht

Seit Freitagmorgen muss sich ein 34-Jähriger aus Altgarbsen vor dem Landgericht Hannover verantworten. Er soll mehrere Brände in Garbsen, Seelze und Marienwerder in diesem Jahr gelegt haben.

Hannover/Garbsen.  Im April und Mai dieses Jahres hat eine Serie von Brandstiftungen in Garbsen Polizei und Feuerwehr nächtelang beschäftigt. Mitte April wurde dann ein 34-Jähriger aus Altgarbsen in der Nähe eines Tatortes am Planetenring im Stadtteil auf der Horst festgenommen. Wenig später gestand er, dieses und einige andere Feuer gelegt zu haben.

Dafür muss sich der Mann, der seitdem in Untersuchungshaft sitzt, nun vor dem Landgericht Hannover verantworten. Angeklagt sind fünf sogenannte Sachbeschädigungen durch Feuer. In diesen Fällen soll der Altgarbsener unter anderem in Havelse und Seelze jeweils Mülltonnen oder Papierkörbe angezündet haben. Bei einer sechsten Tat in Marienwerder geht es um eine versuchte schwere Brandstiftung.

Kranz an Haustür angezündet

In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai wich der Täter dabei von seiner üblichen Vorgehensweise ab. Statt eines Müllbehälters zündete er einen Kranz an, der an der Tür eines Hauses hing. Ein als Zeuge geladener Brandermittler sagte, dass es nur auf Glück zurückzuführen sei, dass sich das Feuer nicht auf die Tür ausgebreitet habe. Der Angeklagte räumte ein, dass er den Kranz angezündet hatte. Er bestritt jedoch vehement, dass er dadurch Menschen gefährden wollte. „Meine Absicht war bestimmt nicht, ein Haus anzuzünden. Ich wollte nur den Kranz zerstören.“ 

Frust als Motiv 

Auf Nachfragen des Vorsitzenden Richters Michael Schweigert gab der Angeklagte, den seine gesetzliche Betreuerin begleitete, ein wenig von seinen Motiven preis. Nach dem Abschluss der Sonderschule sei er 17 Jahre lang spielsüchtig gewesen. Beruflich habe er deshalb nie Fuß gefasst. Und so musste er seinen Lebensunterhalt mit dem Sammeln von Pfandflaschen verdienen, dazu war er oft nachts unterwegs. Dabei wurde er nach eigener Aussage regelmäßig von Beamten der Polizeiinspektion Garbsen kontrolliert und fühlte sich ungerecht behandelt. „Deshalb habe ich aus Frust die Mülltonnen angezündet.“ Künftig, das versprach der 34-Jährige, würden solche Taten nicht mehr vorkommen.

Geschädigte nimmt Entschuldigung an

Als Zeugin war außer den ermittelnden Beamten auch eine 87 Jahre alte Dame geladen. Sie lebt in dem Haus, an dessen Tür der Altgarbsener den Türkranz angezündet haben soll. Die rüstige Seniorin berichtete, dass sie die angekokelte Tür abschleifen und neu streichen lassen musste – das habe etwa 1000 Euro gekostet. Von dem Angeklagten wollte die Frau ganz direkt wissen, was „sich der junge Mann bloß dabei gedacht hat“. Das konnte ihr der auch nicht schlüssig erklären, aber immerhin entschuldigte er sich bei der 87-Jährigen. Die nahm an und wünschte dem Angeklagten sogar alles Gute für die Zukunft: „Ich hoffe, dass Gott Sie auf den richtigen Weg führen wird.“

Prozess wird Montag fortgesetzt

Am Montag wird der Prozess ab 9 Uhr fortgesetzt. Dann soll es auch um mehrere Einbrüche ins Johannes-Kepler-Gymnasium gehen, die dem 34-Jährigen ebenfalls zur Last gelegt werden. In der Schule soll er unter anderem Wände mit Hakenkreuzen und polizeifeindlichen Parolen beschmiert, Scheiben zerschlagen und einen Monitor zerstört haben. Der Schaden beträgt mehrere Tausend Euro. Außerdem soll ein psychiatrischer Gutachter aussagen. Davon hängt ab, ob statt einer Haftstrafe auch die Unterbringung in einer Klinik infrage kommt.

Von Gerko Naumann


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