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Nachrichten Stadtarchiv lässt Papier konservieren
Region Garbsen Nachrichten Stadtarchiv lässt Papier konservieren
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11:52 09.09.2018
Großes Interesse: Bei der Ausstellungseröffnung zeigen die Mitarbeiter des Stadtarchivs vom Zerfall bedrohtes und konserviertes Papier. Quelle: Jutta Grätz
Garbsen-Mitte

Schimmelbefall, Tintenfraß, Würmer, Verschmutzungen: Weltweit drohen mehr als 90 Prozent und damit Millionen Seiten Papier aus den vergangenen zwei Jahrhunderten zu zerfallen. Eine Technik bewahrt die Schätze, die in Archivalien untergebracht sind, vor der Zerstörung. Auch das Garbsener Stadtarchiv bemüht sich darum, alte Dokumente zu konservieren und lässt diese regelmäßig entsäuern. Der Erhalt von schriftlichem Kulturgut steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Papier ist nicht geduldig“, die das Stadtarchiv und der Stadtarchiv-Verein bis zum 28. September im Rathaus präsentieren. Bei der Eröffnung sprach Oliver Zinn, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Sicherung von schriftlichem Kulturgut (GSK) zum Thema „Vom Hadernpapier bis zum Bitstream“. In seinem Vortrag informierte er, wie sich schriftliches Kulturgut in der heutigen Zeit erhalten, sichern und entschlüsseln lässt.

Schimmel und Schmutz zerstören Papier

Die große, rechteckige Karte vom Rittergut Heitlingen aus dem Jahr 1867 zeigt am Rand dunkle Flecken und kleine Risse. „Wir haben die Karte vor Kurzem aus dem Nachlass eines ehemaligen Gutsverwalters erhalten“, sagt Stadtarchivarin Rose Scholl. „Der Hinweis kam aus München.“ Die Besucher der Ausstellung drängen sich um den Tisch mit Archivalien, die Scholl und ihre Kollegin Daniela Nowak zusammengestellt haben. Die Heitlinger Karte war wohl unter Glas gerahmt, zwischen Papier und Glas hat sich Schimmel gebildet, Leim hat ebenfalls Spuren hinterlassen.

Die Karte ist ebenso ein Fall für die sogenannte Entsäuerung wie die sogenannte Mutterrolle, ein Dokument aus der Grundsteuerverwaltung. Die zeigt an den Rändern Spuren des Zerfalls, ebenso die Protokolle aus dem Jahr 1946 an den damaligen Frielinger Bürgermeister Wehrmann, die vom Rost einer Büroklammer beschädigt sind. „Die Garbsener Stadtgeschichte ist mit gerade 50 Jahren sehr kurz“, betonte Heinz Landers, Vorsitzender des Stadtarchivvereins bei der Eröffnung. „Diese Dokumente sind das Gedächtnis unserer 13 Stadtteile – der Erhalt für die Nachwelt ist wichtig.“

Papierfraß durch Schwefelsäure

Die größten Feinde des Papiers sind nicht Feuer und Wasser, sondern der Papierfraß durch Schwefelsäure. „Wir können ihn nicht stoppen, aber hinauszögern“, berichtete Oliver Zinn. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Papierproduktion mühsame Handarbeit. Neue Rohstoffe wie Holzschliff brachten ab 1850 Säure ins Papier, die den langsamen Zerfall verursacht. Säurefreies Papier wird in Europa erst seit rund 30 Jahren hergestellt. Und so zeigt das Buch über Ciceros Reden im Miniformat, das Besucher Peter Paul Reinert zur Eröffnung mitgebracht hat, kaum Zerfallsspuren: Es stammt aus dem Jahr 1667 und ist säurefrei.

Lebensdauer des Papiers vervielfacht sich

Die GSK ist seit rund zehn Jahren Partner des Garbsener Stadtarchivs, jährlich lassen Scholl und ihr Team rund 30 Kilogramm Papier entsäuern. Das Unternehmen in Pulheim bei Köln nutzt das sogenannte Bückeburger Verfahren. Die Schriftstücke werden in raumgroßen Anlagen in Behandlungskammern geschoben, die wie überdimensionale Waschmaschinen aussehen. Die Blätter bekommen nach einer Reinigung und einer Behandlung mit Wasser, Magnesium und Kalzium ihre Stabilität zurück, ein Blatt in siebeneinhalb Minuten, ganze Papierblöcke in vier Stunden. „Die Lebensdauer der behandelten Papiere ist dann vier bis fünf Mal höher als vorher“, sagt Zinn. „Wäre ein Dokument nach einem halben Jahrhundert zerbröselt, hält es nun mehr als 200 Jahre.“ Die GSK gehört zu den weltweit fünf Unternehmen, die sie auf diese Verfahren spezialisiert haben und hat bereits 120 Millionen Blatt Papier entsäuert. „Dass das Garbsener Stadtarchiv so kontinuierlich Papiere konservieren lässt, ist ungewöhnlich für Einrichtungen dieser Größe“, lobte Zinn. „Das machen sonst nur Landes- und Staatsarchive.“

Von Jutta Grätz

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