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Region Garbsen Nachrichten Stadt soll bezahlbaren Wohnraum schaffen
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00:19 31.08.2018
Diskutieren im Rathaus über bezahlbaren Wohnraum: Johannes Baur (von links), Christian Grahl, Karsten Vogel, Rüdiger Kauroff, Olaf Lies und Karl Heinz Range. Quelle: Jutta Grätz
Garbsen-Mitte

Wohnungsnot, steigende Mieten und Grundstückpreise, viel mehr Bewerber als Bauplätze: Auch in Garbsen ist die Situation auf dem Wohnungsmarkt angespannt. Die Stadt gehört – laut einer Studie des Pestel-Instituts – zum gefragten Standort im Speckgürtel Hannovers. Und die Mieten in Garbsen sind zwischen 2012 und 2017 um 36 Prozent pro Quadratmeter gestiegen, so eine Studie des Portals Immowelt. Die Frage, wie sich in Garbsen bezahlbarer Wohnraum schaffen lässt, stand im Mittelpunkt der Diskussionsrunde auf Einladung der Garbsener SPD am Montag. Im Ratssaal diskutierten der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD), Karl Heinz Range, Geschäftsführer der KSG Hannover, Garbsens Bürgermeister Christian Grahl und Johannes Baur, Prokurist der Hahne-Holding aus Garbsen.

„Wir brauchen mehr Wohnungen für Singles und Senioren“

Die Frage nach bezahlbaren Wohnungen offenbare eines der Grundprobleme der vergangenen Jahrzehnte, sagte Lies. Der Staat habe sich lange aus vielen sozialen Verantwortungen herausgezogen. Zudem habe sich der Bedarf an Wohnungen durch die demografische Entwicklung und gestiegene Mobilität der Menschen stark verändert. „Wir brauchen mehr Wohnungen für Singles und Senioren“, sagte Lies. Neben der finanziellen Wohnbauförderung müsse die soziale Struktur der neuen Wohngebiete im Blick behalten werden. Wohnen sei soziale Verantwortung von Politik. „Unser Ziel ist es, 40.000 Wohnungen bis 2030 in Niedersachsen zu schaffen.“ Das seien 4000 jährlich, derzeit sind es 1000.

Auch die KSG wolle in den nächsten Jahren erheblich wachsen, kündigte Geschäftsführer Range an. „Wir können viele Anfragen nicht bedienen.“ 2017 gab es 30.000 Anfragen bei 8000 Wohnungen im Bestand.

SPD beantragt AG „Bezahlbarer Wohnraum“

Die Informationsveranstaltung im Rathaus könne nur der Beginn sein für eine kontinuierliche Diskussion über das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“, betont Karsten Vogel, Fraktionsvorsitzender der Garbsener SPD. Die Sozialdemokraten haben daher die Einrichtung einer Arbeitsgruppe „Bezahlbarer Wohnraum“ beantragt. Ein entscheidender Punkt bei der Diskussion um die aktuelle Situation zu Wohnbebauung und Wohnraum sei es, Wohnraum für Jedermann zu schaffen und nicht nur Angebote im hochpreisigen Bereich. „Dazu gehört es, sich über die Definitionen, Fördermöglichkeiten und Steuerungsansätze für bezahlbaren Wohnraum klar zu werden“, schreibt Vogel. Eine enge Vorbereitung zwischen Politik und Verwaltung sei notwendig, die in einer speziellen Arbeitsgruppe zu leisten sei. jgz

„Wir schaffen nach Jahren des Stillstands ebenfalls neues Bauland in Garbsen“, betonte Grahl. „Mit dem vom Rat beschlossenen Wohnbauprogramm sind wir beim Thema Wohnungsbaupolitik wieder in der Spur.“ Lange sei der Wohnungsbau allein privaten Initiativen überlassen worden. Mit den Baugebieten in Frielingen, Garbsen-Mitte, am Orionhof im Stadtteil Auf der Horst und vor allem Berenbostel-Ost sei die Stadt auf einem guten Weg. In Berenbostel sollen rund 600 Wohnungen entstehen. Ziel sei es weiterhin, dass die Stadt Bauflächen selbst erwerbe und entwickele.

 SPD: Nicht nur hochpreisigen Wohnraum schaffen

„Ist das bezahlbarer Wohnraum für alle Garbsener?“, fragte SPD-Fraktionsvorsitzender Karsten Vogel. 2019 werde der Campus Maschinenbau in Garbsen eröffnet. „Wo sollen all die Studenten wohnen?“ Es sei wichtig, Wohnraum für jeden Bedarf und jeden Geldbeutel zu schaffen, nicht nur im hochpreisigen Segment.

Auch Hartmut Berg, der aus seiner Tätigkeit als Teamleiter des Jobcenters Garbsen und als Koordinator der Jugendberufsagentur berichtete, wies auf die Dringlichkeit des Themas hin. In Garbsen würden 6280 Menschen vom Jobcenter betreut, 7750 bekämen staatliche Transferleistungen wie Arbeitslosengeld II oder Wohngeld. „Das sind 12,3 Prozent aller Garbsener“, sagte Berg. „Dieser Kreis hat keine große Lobby.“ Er erwarte, dass sich der Rat als eindeutige Lobby zur Verfügung stelle und ganz deutlich den politischen Willen für einen sozialen Wohnungsbau formuliere.

Berg berichtete auch von deutlich gestiegenen Mieten im Quartier Berenbostel-Kronsberg. Dort saniert das Wohnungsbauunternehmen Vonovia sukzessive seine 492 Wohnungen. Berg sprach von Mieterhöhungen von bis zu 70 Prozent – begründet mit der energetischen Sanierung. „Das ist für die Mieter eine Katastrophe.“ Auch die SPD hatte dies kritisiert. „Ich nehme ihre Hinweise mit“, sagte Lies. Aber es habe wenig Zweck, an die Moral des Unternehmens zu appellieren.

Grahl kündigte an, dass die Stadt bis 2021 Baurecht für rund 1000 Wohneinheiten in Garbsen schaffen wolle – davon 20 bis 30 Prozent als sozialen Wohnungsbau. „Das ist zu wenig, aber schnelle Lösungen kriegen wir nicht hin.“ Die Stadt wolle keine stark verdichteten Quartiere schaffen, so Grahl. „Wir haben klare Vorstellungen von städtebaulichen und sozialverträglichen Entwürfen.“

Von Jutta Grätz

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