Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Das sind die jungen Rapper aus Garbsen
Region Garbsen Nachrichten Das sind die jungen Rapper aus Garbsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 02.09.2018
"Rap ist unser Ventil": Nondas, Dehan und Hamid posieren vor dem Freizeitheim. Quelle: Gerko Naumann
Auf der Horst

Dehan Celovski lehnt sich in seinem Drehstuhl zurück und blickt stolz auf den Monitor. Im kleinen Tonstudio des Jugendzentrums Freizeitheim läuft das neue Video zu seinem Herzschmerz-Song „Nie wieder wir“. Dehan Celo, so der Künstlername des jungen Rappers aus Garbsen-Mitte, steht mal vor schier endlosen Wiesen und mal nachts vor der beleuchteten Kulisse einer Stadt. „Das Video habe ich im Urlaub in Mazedonien gedreht“, sagt Celvoski, der sein Alter nicht verraten will, nur, dass er die Caroline-Herschel-Realschule im Stadtteil Auf der Horst besucht.

Celovski gehört zu einer Gruppe von jungen Leuten, die sich Ga.Rap.Sen nennt. Die Mitglieder vereint die Liebe zur Rapmusik, also zum deutschsprachigen Sprechgesang. Sie treffen sich regelmäßig im Freizeitheim, um Texte zu schreiben, Videos zu drehen und die nächsten Auftritte zu planen. Aber zumindest für Celovski ist Rap mehr als ein Hobby. „Die Musik ist mein Ventil“, sagt er – und legt direkt nach: „In den Texten verarbeite ich alles, was ich erlebe.“ Es geht um Gefühle, die Menschen in seinem Alter eben beschäftigen: Liebe, Trennungsschmerz, Wut, Trauer, aber natürlich auch mal um Lebensfreude.

Die Gruppe von jungen Rappern nennt sich Ga.Rap.Sen. Quelle: Gerko Naumann

Ideen für seine Texte kommen Celovski fast immer und überall, oft etwa beim beim Bahnfahren. „Wenn mir etwas einfällt, schreibe ich die Worte in mein Smartphone“, sagt er. Am Ende setze er die vielen Notizen zusammen wie ein Puzzle – fertig ist der nächste Text. Fehlt nur noch der passende Beat, also die Musik zum Unterlegen. Doch davon gibt es genug zur Auswahl, schließlich dürfen die Jugendlichen das professionell eingerichtete Tonstudio im Freizeitheim nutzen.

„Nie wieder wir“

So lauten ein paar Zeilen aus dem neuen Lied „Nie wieder wir“ von Dehan Celo:

Wenn dieses Leben so bitter schmeckt,

wie schlimm muss dann die Hölle sein

und dieser Höllenschrei holt dich bald ein,

ich bin nicht mehr dein, du bist nicht mehr mein,

wir sind nicht mehr eins

Du tust so als wär nix, wie kann man nur so kalt sein,

Schattierungen hüllen mich ein und lassen nichts rein

ich zerbrech’ mir nie wieder den Kopf wegen dir,

denn es gibt nie wieder ein wir!

Mit ihrer Erfahrung sind die etwas älteren Rapper wie Dehan Celo Vorbilder für die jüngeren Besucher des Freizeitheims. Der neuste Zugang im Team von Ga.Rap.sen heißt Hamid. Der 15-Jährige hat eine ganz besondere Geschichte hinter sich: Er lebt erst seit einem Jahr in Garbsen, weil er mit seiner Familie aus Syrien flüchten musste.

"Rap ist unser Ventil": Nondas, Dehan und Hamid treffen sich regelmäßig im Tonstudio im Freizeitheim. Quelle: Gerko Naumann

Um so beeindruckender findet Freizeitheim-Leiter Oliver Wekel die Tatsache, dass der 15-Jährige bereits eigene Texte auf Deutsch singt. Die Videos dazu lädt er im Internet auf YouTube hoch und unterlegt sie mit arabischem Text. Damit hat Hamido, so sein Künstlername, großen Erfolg. Mehr als 40.000 Menschen folgen ihm, seine Videos haben noch deutlich mehr Klicks. „Das ist schon eine tolle Leistung nach so kurzer Zeit. Hier zeigt sich, das das gemeinsame Musik machen auch zur Integration beiträgt“, sagt Wekel.

Die nächsten Schritte in seinem Leben hat Schüler Dehan Celovski derweil schon sorgfältig geplant. Und sie kommen überraschend bodenständig daher. „Ich will demnächst eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement beginnen“, sagt er. Bleibt da überhaupt noch Zeit für die Musik? „Auf jeden Fall. Musik wird immer ein Teil meines Lebens sein. Wer weiß, vielleicht schreibe ich ja sogar mal einen Hit“, sagt Celovski selbstbewusst.

Nondas23 (links) und Dehan Celo bei ihrem Auftritt beim Stadtfest in Garbsen. Quelle: Gerko Naumann

Info: Ihren nächsten Auftritt haben die jungen Musiker beim Meinfest im Stadtteil Auf der Horst. Am Sonnabend, 15. September, wird auf dem Hérouville-St.-Clair-Platz eine Bühne aufgebaut, auf der sie ab 18 Uhr auftreten. Die Videos der Jugendlichen von Ga.Rap.Sen sind zudem auf dem gleichnamigen YouTube-Kanal zu sehen.

Oliver Wekel leitet das Freizeitheim im Stadtteil auf der Horst. Quelle: Gerko Naumann

„Rap ist der beliebteste Musikstil bei Jugendlichen“

Nachgefragt bei: Oliver Wekel, Leiter des Freizeitheims im Stadtteil Auf der Horst.

Hallo, Herr Wekel. Was würden Sie schätzen: Wie viele der Jugendlichen in Garbsen hören regelmäßig deutschsprachige Rapmusik?

(Überlegt kurz) Von denen, die regelmäßig ins Freizeitheim kommen, sind es ganz klar 100 Prozent. Jeder. Wenn wir alle Jugendlichen in Garbsen betrachten, müssen wir vielleicht ein paar Prozent abziehen.

Ist das nur ein vorübergehender Trend?

Es war eine langsame, aber stetige Entwicklung. Ich habe in den Neunzigerjahren in der Jugendarbeit angefangen. Damals gab es nur wenige Künstler, die auf Deutsch gerappt haben. Heute dominiert diese Art von Musik die Charts. Jeder Jugendliche kommt damit in Berührung, es ist definitiv derzeit der beliebteste Musikstil in dieser Altersgruppe. Übrigens auch bei Mädchen.

Welche Gefahren sehen Sie darin, vor allem in den expliziten und teils menschenverachtenden Texten?

Wir schauen uns die Texte genau an, die unsere Jugendlichen schreiben. Und wir diskutieren mit ihnen darüber. Ein gewisses Maß an Provokation und härterer Sprache gestehen wir ihnen zu. Aber Beleidigungen gibt es bei uns nicht, das muss allen klar sein.

Also gehört das Schreiben von Texten zur pädagogischen Arbeit?

Das kann man so sagen, ja. Es ist besser, wenn die Jugendlichen über Gewalt schreiben, als sie anzuwenden. Die Jugendlichen beschreiben und verarbeiten in ihren Texten die Dinge, die um sie herum passieren. Und da spielen Gewalt und Kriminalität eine Rolle. Die Welt ist eben nicht immer so bunt und friedlich wie in einem Helene-Fischer-Song.

Von Gerko Naumann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Freitagabend haben die Garbsener die Möglichkeit, im Stadtpark Fledermäuse zu beobachten. Der Naturschutzbund lädt zur 22. Internationalen Batnight. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

30.08.2018

Rund 700 Oldtimer sollen sich zur 13. Schau „Rund um die Lok“ bei Möbel Hesse für Sonntag, 2. September, angesagt haben. Besucher sind ab 10 Uhr willkommen.

29.08.2018

Die Meyenfelder und ihre Gäste feiern am Sonnabend, 1. September, ab 14 Uhr auf dem Dorfplatz das 760-jährige Bestehen ihres Dorfes. Es gibt ein buntes Programm für die ganze Familie sowie eine Party.

01.09.2018