Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Container im Hespe werden deutlich teurer
Region Garbsen Nachrichten Container im Hespe werden deutlich teurer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:57 13.09.2018
„Der Anbieter hat uns hängen lassen": Hans-Jürgen Menzel von der Stadt Garbsen zeigt einen der unfertigen Wohncontainer. Quelle: Gerko Naumann
Berenbostel

 . 

Von der Decke hängen lose Stromkabel herunter, auf dem Boden liegen die noch verpackten Türen für mindestens 20 Räume. Ein kurzer Blick in die Wohncontainer an der Straße Im Hespe reicht aus, um festzustellen, dass hier so bald niemand einziehen wird. Ursprünglich sollten bereits mehrere Flüchtlingsfamilien dort unterkommen, die bereits in Berenbostel leben. Doch das wird sich noch mindestens bis ins Frühjahr verschieben.

Der Zeitverzug ist das Eine. Das zweite Ärgernis ist die exorbitante Kostensteigerung: Die Stadt muss angeblich 780.000 Euro mehr investieren als geplant. Der Grund: Der Unternehmer, der der Stadt die Container verkauft hat, kommt seinen vertraglichen Pflichten nicht nach.

„Das Unternehmen lässt uns einfach hängen“, fasst Hans-Jürgen Menzel die Misere zusammen. Er leitet bei der Stadt Garbsen den Fachbereich Hochbau und Gebäudewirtschaft. Vertraglich habe das Unternehmen der Verwaltung zugesagt, die Wohnanlage „schlüsselfertig zu übergeben“, betont Menzel. Für die 68 Container hatte die Stadt im Dezember 2015 rund 3,15 Millionen Euro bezahlt, um notwendige Unterkünfte für Flüchtlinge bereitstellen zu können.

Fünf Container stehen in Havelse

Fünf davon stehen mittlerweile auf dem Gelände der Grundschule in Havelse und dienen dort als Räume für zwei Hortgruppen. Die übrigen waren zwischenzeitlich eingelagert – während die Stadt und die Politik um den richtigen Standort rangen. Protest gab es auch von Anwohnern, die eine Bürgerinitiative gründeten und sich von einem Anwalt beraten ließen.

In fünf Containern an der Grundschule Havelse sind zwei Hortgruppen eingezogen. Quelle: Gerko Naumann

Trotz aller Widerstände ließ die Stadt die Container vor einigen Wochen auf der ehemaligen Grünfläche aufstellen. Allein für den Transport und den Aufbau musste sie dabei mit rund 825.000 Euro in Vorleistung gehen, weil der Lieferant nicht lieferte. Zudem ist der Innenausbau längst nicht so weit fortgeschritten, wie es vertraglich mit dem Unternehmer abgestimmt war. „Es fehlen unter anderem die Kücheneinrichtung, die Treppen und Laubengänge, und Teile der Dächer“, sagt Menzel und zählt die Mängel auf. Insgesamt summierten sich die Mehrkosten auf mehr als 1,37 Millionen Euro. Die Stadt kann allerdings rund 315.000 Euro abziehen, die sie dem Unternehmen noch nicht überwiesen hat. Außerdem zieht sie anteilig etwa 274.000 Euro ab für die Container, die in Havelse bereits genutzt werden.

Stadt will vor Gericht ziehen

Unter dem Strich bleiben noch rund 780.000 Euro übrig, auf denen die Stadt sitzen bleiben könnte. Das Geld will sich die Verwaltung per Gerichtsentscheid wiederholen: „Die Stadt beabsichtigt, sämtliche Mehrkosten auf dem zivilrechtlichen Weg gegen den Auftragnehmer geltend zu machen“, heißt es in einer Beschlussvorlage an den Rat. Darin steht auch, wie die Kosten finanziert werden sollen – unter anderem aus dem Plus bei der Vergnügungssteuer.

So sehen die Container an der Straße Im Hespe aus, in die demnächst Flüchtlingsfamilien einziehen sollen. Quelle: Gerko Naumann

Der Rat der Stadt Garbsen diskutiert am Montag, 17. September, ab 18.15 Uhr im Rathaus über die Kosten. Sollten die Politiker ihre Zustimmung geben, wird die Stadt anschließend Handwerksfirmen mit dem Innenausbau beauftragen. Ähnlich war die Stadt verfahren beim Wasserschaden an der Kita Regenbogen in Frielingen.

Das sagen die Chefs der Fraktionen

Für Heinrich Dannenbrink (CDU/FDP-Gruppe) ist die Lage „in höchstem Grade ärgerlich“. Die Stadtverwaltung trage an dem Dilemma keine Schuld: „Wir sind da offenbar einfach an einen unseriösen Unternehmer geraten“, sagt er. Seine Fraktion werde den zusätzlichen Ausgaben voraussichtlich zustimmen, um eine weitere Verzögerung des Einzugs der Familien zu vermeiden.

Aus Sicht von Jens Holger Göttner (SPD) war der Standort am Hespe für die Container von Anfang an falsch gewählt. Die zusätzlichen Kosten wären nicht entstanden, wenn ein Ort gewählt worden wäre, der nicht extra hätte erschlossen werden müssen. Dafür sei es nun zu spät. „Jetzt kommen wir aus der Nummer nicht mehr heraus, weil es geltende Verträge gibt“, sagt Göttner.

Aus Sicht von Darius Pilarski (Grüne) wären die zusätzlichen Kosten vermeidbar gewesen. Es seien in der Vergangenheit Fehler gemacht worden, die „klar der Verwaltung zuzuschreiben sind.“ Statt die Container gleich nach dem Kauf 2016 aufzustellen, sei viel zu lange nach einem passenden Standort gesucht worden. Der mangelnde Mut müsse „nun teuer bezahlt werden“.

Für den Garbsener AfD-Chef Manfred Kammler liegt der Ursache der Probleme in Garbsen bei der Bundespolitik im Jahr 2015. „Die massenhafte illegale Einwanderung fällt uns jetzt auf die Füße“, sagt er. Leidtragende seien zum einen die Anwohner, die die Container nicht wollten und zum anderen die Steuerzahler, die für die zusätzlichen Kosten aufkommen müssen.

Günther Petrak von den Unabhängigen ärgert sich darüber, dass die teuren Container so lange ungenutzt herumstanden. Seiner Ansicht nach hätte die Verwaltung längst über Alternativen nachdenken müssen. „Wir jammern immer, dass es nicht genügend günstigen Wohnraum gibt“, sagt er – und schlägt vor, die Container in der Nähe des Uni-Campus als Wohnungen für Studenten aufzustellen.

Von Gerko Naumann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Nachrichten Unsere Veranstaltungstipps - Das ist am Wochenende in Garbsen los

Meinfest in Auf der Horst, eine Tanzaufführung von Kressler, Mitmachen bei der Fairen Woche, Erntefest, Live-Konzerte und Kinder-Bibel-Nacht. Das und mehr ist am Wochenende in Garbsen los.

14.09.2018

Zum zehnten Mal wird am Sonnabend, 15. September, von 15 bis 20 Uhr das Meinfest auf dem Hérouville-St.-Clair-Platz im Stadtteil Auf der Horst gefeiert. Musik und Aktionen locken Besucher an.

13.09.2018

Klimabeauftragter Eckhard Steinmüller vom Verein JANUN aus Hannover war am Mittwoch in der IGS zu Gast. Er informierte Siebtklässler darüber, was eine Tiefkühlpizza mit unserem Klima zu tun hat.

15.09.2018