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Region Garbsen Nachrichten Vermummte verüben Anschlag auf zwei türkische Geschäfte in Garbsen
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00:19 16.03.2018
Auf zwei türkische Geschäfte an der Sandstraße in Garbsen ist in der Nacht zu Dienstag offenbar ein Brandanschlag verübt worden.  Quelle: Markus Holz
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Auf der Horst

  In der Nacht zu Dienstag haben vier Vermummte offenbar einen Anschlag auf zwei von türkischen Familien betriebene Geschäfte an der Sandstraße in Garbsen verübt. Gegen 2.30 Uhr versuchten die Täter offensichtlich, Scheiben mit Steinen einzuschlagen, um Brandsätze in die Geschäfte werfen zu können. Ein Taxifahrer hatte den Anschlag beobachtet. Die Täter ergriffen die Flucht. Der Staatsschutz ermittelt. 

Dafür, dass es sich um einen gezielten Angriff gehandelt, sprechen nach Ansicht der Ladenbetreiber mehrere Gründe: Kurdische Aktivisten sollen europaweit Anschläge für den 13. März auf türkische Einrichtungen angekündigt haben. Gezielte Hinweise auf Angriffe auf diese beiden Läden soll es aber nicht gegeben haben. Zweites Indiz: Zwischen den beiden türkischen Geschäften, einem Mobilfunkladen und einem Kiosk, liegt ein überwiegend von Kurden besuchtes Backwarengeschäft. Der Laden wurde verschont. Drittes Indiz könnte nach Ansicht von einem der Geschäftsleute die Tatsache sein, dass auf der Rückseite der Ladenzeile die türkische Moschee liegt.

Nach Aussagen der Geschäftsleute kamen die Täter gegen 2.30 Uhr mit einem Auto vorgefahren. Sie versuchten, die dreifach verglasten Ladenscheiben mit Steinen einzuwerfen und sollen mehrere Brandsätze dabei gehabt haben. Die Scheiben hielten stand. Trotzdem zündeten die Täter die Brandsätze, warfen sie gegen die Fassade und auf das Vordach. Ein Taxifahrer von einem Unternehmen an der Konrad-Adenauer-Straße um die Ecke soll beobachtet haben, wie die Männer die Brandsätze warfen. „Er hat laut gehupt und angehalten. Danach sind  die Männer geflüchtet“, erzählt der Betreiber des Mobilfunk-Shops. Der Taxifahrer habe die Zentrale verständigt. Mehrere Kollegen seien zu Hilfe geeilt und hätten versucht, die Feuer zu löschen. Kurz danach rückte die Ortsfeuerwehr Garbsen an. „Wenn die nicht gestört worden wären, wären sie vermutlich noch auf die Rückseite zur Moschee gegangen“, sagt der Handyshop-Betreiber. 

Es soll Videoaufnahmen vom Angriff geben. Die Polizei wertet derzeit alle Spuren aus, eine Stellungnahme der Ermittlungsbehörden wird für den Nachmittag erwartet. Sachverständige, Krimininalpolizei, Staatsschutz und Mitarbeiter weiterer Einheiten sollen in der Nacht bis 7 Uhr mit zeitweise mehr als zehn Fahrzeugen vor Ort gewesen sein. 

Für den Handyshop-Betreiber, der seinen Namen nicht nennen will, ist der Angriff unfassbar. Er lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Garbsen, hat hier die Schule besucht, seine Ausbildung gemacht und Kinder aufgezogen. Er gehört zum Vorstand der Moscheegemeinde an der Bachstraße und hatte im Februar eine Demonstration für ein friedliches Miteinander von Türken und Kurden organisiert. „Ich kenne hier so viele Leute und so viele Kinder aus kurdischen Familien“, sagt er. „Wir haben hier in Garbsen keine Probleme miteinander. Damit das so bleibt, haben wir mit rund 900 Leuten demonstriert. Keine Gewalt auf unseren Straßen – das war unser Motto. Und dann das.“ Er ist sich sicher, dass der  Anschlag nicht nur seinem Geschäft, sondern ihm persönlich galt.

„Das Geschäft“, sagt er, „ist egal. Ich habe zuerst an die Mieter über den Geschäften gedacht. Einer von ihnen ist schwer krank. Wenn die Brandätze auf dem Dach gezündet hätten, hätte es vielleicht unschuldige Menschenleben gekostet“, sagt er. Nach seiner Einschätzung aus vielen Jahren in Garbsen und aufgrund seiner Kontakte hält er es für unwahrscheinlich, dass die Täter aus der Stadt kommen. „Solche Form von Gewalt kenne ich hier nicht.  

Der junge Türke im Coffeeshop, Cousin des Inhabers, wirkt eher enttäuscht, als wütend. „Wir haben mit Kurden überhaupt kein Problem, es sind unsere Brüder. Wir haben etwas gegen den Terror“, sagt er. „Wenn wir die Männer kennen würden, würden wir sie an den türkischen Staat verpfeifen, damit gar nicht erst einreisen können.“  

Von Markus Holz

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