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"Wir feiern erst, wenn der Bagger rollt": Franz Groth und Sabine Obermann vom Freundeskreis Badepark.

"Wir feiern erst, wenn der Bagger rollt": Franz Groth und Sabine Obermann vom Freundeskreis Badepark.
© Linda Tonn

Garbsen

„Wir feiern erst, wenn der Bagger rollt“

Immer wieder haben die Mitglieder des Freundeskreises Badepark lautstark für den Erhalt des Badeparks Berenbostel gekämpft. Der Rat hat den Neubau beschlossen, jetzt geht es um die Details. Für die Bürger ist das noch kein Grund zum Feiern. Ein Ortsspaziergang.

Berenbostel.  Eine Eintrittskarte wird man im Eingangsbereich des Badeparks nicht mehr lösen können: Der Kassenautomat ist aufgebrochen, die Fenster eingeschlagen, die Drehkreuze demoliert. „Ich finde, was über 40 Jahre gewachsen ist, darf man nicht einfach kaputt machen“, sagt Sabine Obermann, die Vorsitzende des Freundeskreises Badepark, während sie auf die mutwillige Zerstörung blickt. Obermann meint nicht nur den orangefarbenen Kassenautomaten – sie spricht über die gesamte Anlage. 

„Das Bad wird kommen“

Dass das Freibad in Berenbostel abgerissen wird, ist eigentlich längst vom Tisch. Der Rat hat im Februar den Neubau beschlossen. Nun geht es um die Umsetzung. Wie teuer kann es werden? Hat das Becken fünf oder sechs Bahnen? Muss ein anderes Bad dafür weichen? Wann kann es losgehen? Es sind Fragen, die die Gemüter erhitzen.  „Das Bad wird kommen“, versicherte Bürgermeister Christian Grahl bei einer Versammlung in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. So ganz trauen wollen die Mitglieder des Freundeskreises dieser Aussage allerdings nicht.  

Schwimmen ist ein Grundbedürfnis

Bei einem gemeinsamen Rundgang um das verlassene Schwimmbadgelände wird deutlich, warum der Freundeskreis so lautstark und hartnäckig für den Erhalt der Becken, Grünflächen und Rutschen protestiert. Einige der Gründe sind simpel:  „Schwimmen ist ein Grundbedürfnis“, sagt Obermann, die im Sommer selbst tagelang im Freibad liegt. „Junge Familien ziehen extra wegen des Freibades hier her.“ Auch wenn Garbsen eine Studentenstadt werden wolle, müsse man das Freizeitangebot so gestalten, dass die Leute bleiben. Außerdem sei die Anlage schützenswert.

Nicht zu viel wegnehmen

Lange habe man diese Anliegen der Bürger nicht für voll genommen, sagt Frank Groth. Der 68-Jährige wird ungehalten, wenn er über die Anfänge seines Engagements für den Badepark spricht. „ 2011 haben alle Parteien in Garbsen einstimmig gesagt, dass sie alle Bäder erhalten wollen. Und was passiert jetzt?“ Als „link“ bezeichnet er das Verhalten der Politiker, die Bürger immer wieder vor vollendete Tatsachen zu stellen: „Man darf uns nicht zu viel wegnehmen.“ 

Wie es aussieht, wird das auch vorerst nicht passieren. Auf dem Gelände entsteht ein neues Bad. „Ich finde die Idee mit den sechs Bahnen am besten“, sagt Groth. Im Gespräch über die Versäumnisse der Politik, über Nichtschwimmerbecken, Sprungtürme und kaputte Fahrradständer ist neben Ärger und Frustration auch immer wieder auch Stolz zwischen den Zeilen zu hören: „Wir können uns auf die Fahnen schreiben, das wir drangeblieben sind“, sagt Obermann und erinnert sich an das Gründungstreffen des Freundeskreises, als mehr als 100 Berenbostler im Januar 2016 im Gasthaus Reddert zusammenkamen. „Es wurden immer mehr und ich war ein wenig überfodert, vor so vielen Menschen zu sprechen.“ 

Keine „Schreihals-Lobby“

Lautstark haben sich die Bürger für ihr Schwimmbad ins Zeug gelegt, Bürgerbegehren und Petionen angekündigt – doch als „Schreihals-Lobby“ will sich der Freundeskreis nicht beschimpfen lassen. „Natürlich haben wir kein Blatt vor den Mund genommen. Natürlich muss der Bürgermeister bei dem Projekt auch an diejenigen denken, die das Bad nicht nutzen. Es geht auch um die Qualität unserer Stadt“, sagt Obermann. „Die Menschen sollten öfter mal vom Sofa aufstehen.“ Sie selbst sei durch ihre Arbeit beim Freundeskreis skeptischer und zynischer geworden, sagt Obermann. An das Gute in der Politik kann sie nicht mehr glauben.

 Kann man beim Freundeskreis nicht endlich aufatmen angesichts von ausgearbeiteten Architektenplänen und Diskussionen über die Anzahl der Bahnen in den Becken in Berenbostel? Immerhin will der Rat in seiner nächsten Sitzung über Details beraten und entscheiden, welcher der Entwürfe nun umgesetzt werden soll. „Wir sind positiver gestimmt“, sagt Obermann. „Gefeiert wird aber erst, wenn die Bagger rollen.“

Im Rat soll die Entscheidung fallen

In den vergangenen Wochen hat die politische Diskussion um den Neubau des Badeparks Berenbostel mehrere Wendungen genommen. Zunächst schlug Architekt Ulrich Zech vor, die Planungen neu zu beginnen. Danach sollte der Badepark in einer abgespeckten Version gebaut werden – allerdings mit sechs statt fünf Bahnen.

Das hätte der Stadt die Möglichkeit eröffnet, das Hallenbad Auf der Horst in Zukunft eventuell zu schließen. Dessen Technik ist marode. Zuvor war Zech von der Stadt beauftragt worden, nach Einsparmöglichkeiten beim Badepark zu suchen. Seinem Vorschlag stimmte zunächst die Arbeitsgruppe Bäder zu. Auch in den Ortsräten wurde er mit großer Mehrheit angenommen.

Nach Gesprächen zwischen Bürgermeister Christian Grahl und den Fraktionen der im Rat vertretenen Parteien wendete sich das Blatt jedoch erneut. Nun sind sich CDU und SPD einig, dass eine Neuplanung zu lange dauern und zu teuer würde. Das – vermutlich – letzte Wort hat am Montag, 11. Dezember, der Rat der Stadt Garbsen. Dessen Sitzung beginnt um 18.15 Uhr im Ratssaal des Rathauses. kon

Von Linda Tonn


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