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00:17 04.12.2017
Mit dem Ariernachweis ihrer Eltern hat für Gabriele Mauthe die Suche angefangen. Quelle: Linda Tonn
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Garbsen-Mitte

 Mit den vielen unleserlichen Namen auf einem vergilbten Ariernachweis hat alles angefangen. „Meine Eltern haben im Dritten Reich geheiratet“, erzählt Gabriele Mauthe. „Da brauchte man so einen Nachweis.“ Die Namen ihrer Ur- und Urur-Großeltern kann die 65-Jährige nur schwer entziffern. Und sie will mehr wissen: Wo haben die Menschen gelebt, wann sind sie weggezogen? Gab es noch mehr Kinder? „Nach den Vorfahren zu suchen, ist wie eine Droge“, sagt Mauthe. 

Wie ein großes Puzzle

Zusammen mit sechs weiteren Teilnehmern sitzt die Otternhagenerin in einem Seminarraum im Garbsener Rathaus, vor sich ein Computerbildschirm, auf dem sie sich durch alte Kirchenbücher sucht, Stammbäume vervollständigt und Sterberegister durchforstet. Wie aus vereinzelten Daten, Namen und Orten hilfreiche Informationen werden können, erklärt Gabriele Fricke, die Vorsitzende des Niedersächsischen Landesvereins für Familien in dem zweitägigen Kurs „Familienforschung mit PC und Internet“.

Familienforschung wird wichtiger

Dass das Seminar jedes Mal innerhalb kürzester Zeit ausgebucht ist, erklärt sich Rose Scholl, die Leiterin des Stadtarchivs, mit dem „Google-Effekt“, wie sie sagt. „Jeder sucht doch irgendwann einmal seinen Namen im Internet.“ Die Neugier, etwas über sich und seine Wurzeln herauszufinden, würden viele in sich tragen. „Nur noch wenige Menschen haben alle ihre Großeltern – sofern sie denn noch leben – in einem Umkreis von 80 Kilometern“, sagt Fricke. Deshalb zeigt sie den Teilnehmern, wie sie auf Internetseiten an Informationen kommen.

Immer wieder spannende Geschichten

Mauthes Vorfahren stammen aus Ostpreußen. Im Kirchenbuch von Gleiwitz wird sie fündig und findet Namen und Geburtstage ihrer Urur-Großeltern. Die krakelige Schrift, die sich über die Bildschirme zieht, ist schwer zu entziffern. Heißen die schwarzen Linien „getauft im Krankenhause“ oder doch etwas anderes? „Die Sütterlinschrift lesen zu lernen, ist schon eine kleine Herausforderung“, gibt Fricke zu. Doch sie ermutigt die interessierten Teilnehmer, es immer wieder zu probieren. „So stößt man auch schnell auf spannende Geschichten.“

Auf den verschiedenen Internetplattformen und Datenbanken liegen abfotografierte Urkunden und Einträge von Standesämtern und Kirchen. Fricke hilft beim Puzzlen der Informationen, erklärt, welche Einträge wichtig sind und wo die Suche weitergehen kann. „Ich brauche aber mindestens ein Dokument, von dem ich ausgehen kann“, sagt sie. Und in manchen Fällen laufe die Suche dann trotzdem auch ins Leere. 

24.000 Einträge abgeschrieben

Wer nach Familien in Garbsen sucht,  wird womöglich auch direkt vor Ort im Stadtarchiv fündig. „Mehrere ehrenamtliche Mitarbeiter haben mehr als 24.000 Einträge aus Büchern und Urkunden abgeschrieben“, sagt Scholl. Zudem liegen Originale aus. Termin für die beliebten Familienforschungsseminare gibt es auch schon. Sie werden ab dem 5. März 2018 an drei hintereinander folgenden Montagen von 17 bis 19 Uhr oder ab dem 8. März auf drei hintereinander folgenden Donnerstagen von 10 bis 12 Uhr angeboten. 

 Für Montag 5., 12. und 19. März 2018, jeweils von 17 bis 19 Uhr und Donnerstag 8., 15. und 22. März 2018, von 10 bis 12 Uhr können sich Interessierte anmelden.

Nachgefragt bei Gabriele Fricke, der Vorsitzenden des Niedersächsischen Landesvereins für Familienkunde

„Das ist Detektivarbeit, die nie zu Ende geht“

Gabriele Fricke, Vorsitzende des Niedersächsischen  Landesvereins für Familienkunde Quelle: Linda Tonn

Was ist der Reiz daran, in der Vergangenheit etwa nach seinen Ururur-Großeltern zu suchen?

In jeder Familie verbergen sich spannende Geschichten. Wir hinterlassen überall unsere Spuren, und das nicht erst seit heute. Es gibt die Daten alle irgendwo in Büchern und Registern – wir zapfen diese Quellen oft einfach nur nicht an. Der Reiz ist, genau diese unendlichen Quellen aufzufinden, es ist Detektivarbeit, ein Puzzle, das die zu Ende geht.

Nimmt das Interesse an der Familienforschung zu?

Definiv. Die Menschen ziehen um, das heißt die Vorfahren lebten auch nicht mehr alle an einem Ort. Außerdem werden die Geschichten von Familien nicht mehr besprochen und von Generation zu Generation weiter getragen. Plötzlich tauchen Familienmitglieder auf, die man nicht kennt, und spätestens dann fangen die Menschen an zu suchen.

Was sind die größten Herausforderungen?

Wer in der Vergangenheit sucht, braucht ein großes Durchhaltevermögen und muss auch zwei- oder dreimal nachfragen. Man gibt nicht einfach einen Namen in die Suchmaschine ein. Die alte Schrift ist auch nicht ganz einfach zu lesen und zu verstehen. Ich würde auch jedem raten, sich nicht zu viel vorzunehmen, sondern eine konkrete Frage für seine Suche zu formulieren.

Interview: Linda Tonn

Von Linda Tonn

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