Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Sekundenschlaf: Unfallopfer leidet noch heute
Region Burgwedel Nachrichten Sekundenschlaf: Unfallopfer leidet noch heute
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 14.12.2017
Bei Unfällen auf der Autobahn sind die Folgen oft dramatisch – das war beim nun vor dem Amtsgericht verhandelten Unfall nahe Großburgwedel nicht anders. Quelle: Symbolbild
Anzeige
Großburgwedel

 Welch drastische Folgen ein Sekundenschlaf auf der Autobahn haben kann, hat jetzt ein Prozess vor dem Amtsgericht Burgwedel gezeigt – das Opfer leidet bis heute unter den Folgen des Unfalls. Für den Verursacher stand am Ende eine Verurteilung zu einer milden Geldstrafe und einem Fahrverbot.

Ein mit vier jungen Dachdecker-Auszubildenden besetzter Reault Clio, unterwegs in Richtung Norden, hatte am 17. März auf der Autobahn 7 einen Mercedes gerammt, der gerade erst an der Anschlussstelle Großburgwedel aufgefahren war. Der Mercedes kam von der Fahrbahn ab, geriet in einen Graben und überschlug sich. Die 52 Jahre alte Fahrerin, eine Schulsekretärin aus Hannover, erlitt unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma und zahlreiche Hämatome. „Das Gesicht und der Hals waren grün und blau. Ich hätte tot sein können“, sagte die Frau, der ihre Aussage sichtlich schwer fiel. Eine Woche hatte sie damals im Krankenhaus verbracht, war acht Wochen lang krankgeschrieben. Sie litt unter Schwindel und verspürt auch heute noch Schmerzen. Hinzu kamen die psychischen Belastungen: Es habe lange gedauert, bis sie wieder habe Auto fahren können, die Angst sei immer noch dabei. „Und dann der Gedanke, dass meine Tochter sieht, wie ich sterbe ...“

Die Tochter war ihrer Mutter vorausgefahren: „Im Rückspiegel sah ich ihren Wagen durch die Luft fliegen“, gab die 27-Jährige zu Protokoll, die bei ihrer Aussage in Tränen ausbrach. „Im Krankenhaus ging es ihr sehr schlecht.“

Der Unfallverursacher, ein 22-Jähriger, hatte am Unfallort laut der Mercedes-Fahrerin und ihrer Tochter eingestanden, dass er kurz eingenickt war. Der Mann räumte das vor Gericht ein, dies müsse aber aus dem Schock heraus gefallen sein. „Ich bin mir heute 100-prozentig sicher, dass ich nicht am Steuer eingeschlafen bin.“ Er sei am Abend zuvor früh zu Bett gegangen, habe dann nur bis mittags die letzten Stunden des zweiwöchigen Dachdecker-Lehrgang absolviert und zudem vor dem Unfall noch eine Pause eingelegt.

Doch warum hatten dann zwei seiner drei Mitfahrer – ebenfalls junge Dachdecker – am frühen Nachmittag im Wagen geschlafen? Hatte man am letzten Lehrgangsabend doch gefeiert und nur wenig geschlafen? Hatte der 22-Jährige sich ans Steuer gesetzt, obwohl er das übermüdet gar nicht gedurft hätte, und so den folgenreichen Unfall herbeigeführt? Die Aussagen der Mitfahrer brachten wenig Erhellendes. Einer sagte aus, dass er überall und jederzeit schlafen könne, die anderen halfen auch nicht bei der Wahrheitsfindung.

Letztlich verurteilte Richter Michael Siebrecht den 22-Jährigen nur wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 25 Euro sowie einem zweimonatigen Fahrverbot. Er sei zwar überzeugt vom Sekundenschlaf als Unfallursache. Doch für eine Verurteilung wegen Straßenverkehrsgefährdung – dann wäre dem Angeklagten die Fahrerlaubnis entzogen worde, und er hätte lange keine neue Fahrprüfung machen dürfen – reiche es nicht, so Siebrecht. Dazu hätte man ihm nachweisen müssen, dass er gewusst hatte, dass der Sekundenschlaf naht – und das sei kaum jemals möglich.

Von Frank Walter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Seniorenbegegnungsstätte (SBS) Großburgwedel hat einen neuen Prozess angeschoben: Wie es künftig in der Einrichtung an der Gartenstraße weiter gehen soll, verriet SBS-Leiterin Elke Coordes jetzt dem Sozialausschuss und trug dabei die Ergebnisse einer Ideenbörse vor.

14.12.2017

Einen Zeitwert von 2600 Euro gibt die Polizei für die drei Fahrräder an, die aus einem unverschlossenen Schuppen an der Straße Hornteichwiesen in Großburgwedel gestohlen wurden.

14.12.2017

Als „ungemein publikumswirksam“ bezeichnete der Dirigent am Sonntag im Isernhagenhof Händels „Messiah“. Damit hatte er nicht zuviel versprochen: Die Zuhörer des Konzertes der Musikschule zeigten sich begeistert.

14.12.2017
Anzeige