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HAZ-Redakteur Bernd Haase (2. von links) moderiert das Podium mit Conrad Vinken (von links, Region Hannover), Wolfgang Müller (ADAC),Franz Behrens (Polizeidirektion) und Matthias Peuker (ADFC). 

HAZ-Redakteur Bernd Haase (2. von links) moderiert das Podium mit Conrad Vinken (von links, Region Hannover), Wolfgang Müller (ADAC),Franz Behrens (Polizeidirektion) und Matthias Peuker (ADFC). 
© Martin Lauber

Burgwedel/Isernhagen

Podium: Experten befürworten Fahrradschutzstreifen

In Burgwedel haben sich die Wellen geglättet, in Isernhagen ist der Widerstand gegen Fahrradschutzstreifen ungebrochen.  Ob daran die Informationsveranstaltung im Amtshof etwas geändert hat?

Burgwedel/Isernhagen.  “Hader, Debatten, Ärger“ – vielerorts ist das die Begleitmusik,  wenn Fahrradschutzstreifen neu eingeführt werden sollen. Dabei ist die umstrittene gestrichelte Linie mit Fahrrad-Piktogramm nur die Konsequenz aus einer 20 Jahre zurückliegenden Novellierung der Straßenverkehrsordnung (StVO) und eines höchstinstanzlichen Richterspruchs, demzufolge Radfahrer im Regelfall auf die Straße gehören. Laut verkehrswissenschaftlichen Erkenntnissen sind sie dort sicherer als im kombinierten Verkehr mit Fußgängern.

Diese Basisinformation stellte als Moderator Bernd Haase an den Anfang einer zweistündigen Veranstaltung,  die der umfassenden Aufklärung von Kommunalpolitikern und interessierten Bürgern aus Burgwedel und Isernhagen dienen sollte. Und er stellte klar: „Wir werden uns umgewöhnen müssen.“ 

Obwohl in beiden Kommunen innerorts alle Kreisstraßen sowie ein Teil der Landstraßen mit Fahrradschutzstreifen ausgestattet werden sollen, kamen nur rund 50 Zuhörer in den Großburgwedeler Amtshof. Vom Podium mit Experten von Region, ADAC, ADFC und Polizei  hörten sie zu diesen Plänen ein mehr oder weniger klares Ja.

In den Altdörfern ist der Widerstand groß

Das  Veranstaltungsformat ist neu. Die Region will mit der vielstimmigen Informationsoffensive den weit verbreiteten Vorbehalten gegen die Schutzstreifen begegnen. Dabei hält sich in Burgwedel, wo mit der Sanierung der Ortsdurchfahrten in Engensen, Wettmar, Thönse und Kleinburgwedel nach und nach Schutzstreifen eingeführt werden, der Widerstand in Grenzen - nachdem die Region in Engensen fast alle Wünsche für die Ausgestaltung des Schutzstreifens erfüllt hat. 

Anders verhält es sich in Isernhagen, wo es im Hufeisen der Altdörfer eine Front der Ablehnung gegen die geplanten Schutzstreifen gibt. Thomas Hahn, Ortsratsmitglied in F.B., gab die Stimmung älterer Bürger wieder: „Wenn ich nicht mehr auf dem Gehweg fahren darf, fahre ich gar  nicht mehr Fahrrad!“  Eigentlich wären wegen der hohen Verkehrsbelastung von rund 1000 Fahrzeugen pro Stunde separate Radwege  an der K 113 (F.B., N.B., K.B.) und der L 381 (H.B.) geboten. Aber in der vorgeschriebenen Breite fehle für sie der Platz, so Region und Land als jeweilige Bauträger. 

Van Zadel: „Es wird an vielen Straßen keine Radwege mehr geben“

Nur auf wenigen der Ortsdurchfahrten – wie in Engensen – wird der Platz für beidseitige Fahrradschutzstreifen ausreichen. Wo sie einseitig markiert werden, wird die Region in der Regel auf der Gegenseite  das Radfahren in Fahrtrichtung auf dem Gehweg zumindest  nicht untersagen. Grundsätzlich werde es infolge der StVO-Novelle innerorts „an ganz vielen Straßen keine Radwege mehr geben’“, kündigte Elke van Zadel an, Fachbereichsleiterin Verkehr bei der Region – nur noch an Straßen mit 1000 und mehr Fahrzeugen pro Stunde. Weil in Kirchhorst oder Altwarmbüchen dafür genügend Raum vorhanden ist, sind dort separate Fahrradstreifen mit durchgezogener Linie auf der Fahrbahn oder die Verbreiterung der bestehenden Radwege in Planung. 

25 Zentimeter mehr für den Begegnungsverkehr

Zu wenig Platz für den Begegnungsverkehr wegen der Schutzstreifen? Auf diese Kritik  hat die Region reagiert und plant nun mindestens 4.75 statt bisher 4.50 Meter für Autos ein (der größte SUV sei 2,15 Meter breit). Laut Conrad Vinken hat die Region die Erfahrung gemacht, dass überall, wo Schutzstreifen auf der Fahrbahn sind, das Tempo um rund zehn Stundenkilometer gesunken ist – „obwohl alle die gestrichelte Linie des Schutzstreifens überfahren“.

Mehr Informationen für mehr Rücksichtnahme 

„Ausreichend breit und durchgängig plausibel“, das sind die Minimalanforderungen, die Matthias Peuker vom ADFC an einen Schutzstreifen stellt. Auch Autofahrer-Lobbyist Wolfgang Müller vom ADAC sieht das so. Mit Blick auf den stark zunehmenden Radverkehr hält er die Schutzstreifen für unabdingbar. Zumal: „Die meisten Konflikte entstehen im kombinierten Bereich mit Fußgängern“, war er  einer Meinung mit Heiko Söhnholz. Der Regions-Verkehrsplaner gab Burgwedels ADFC-Chef Steffen Timmann recht, dass beim nächsten Infotermin ein Vertreter der Fußgänger mit aufs Podium gehöre. Informationen sei das A und O, um ein von Rücksichtnahme geprägtes Miteinander von Fahrrädern und Autos auf der Straße zu erreichen, sagte Polizei-Verkehrsdezernent Franz Behrens. 

Von Martin Lauber


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Burgwedel ist ...

  • ... eine Stadt im Nordosten von Hannover, die aus sieben Stadtteilen besteht und mehr als 20.000 Einwohner hat
  • ... schuldenfrei (!)
  • ... die Heimat von Martin Kind, Präsident von Hannover 96
  • ... Sitz der Drogeriemarktkette Rossmann
  • ... Geburtsort von Schauspielerin Bettina Zimmermann
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Burgwedel der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.