Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Für Inklusion fehlen Lehrer im Sekundarbereich I
Region Burgwedel Nachrichten Für Inklusion fehlen Lehrer im Sekundarbereich I
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 08.12.2017
Bekommt das Aus für die Albert-Schweitzer-Schule einen Aufschub? Quelle: Jarolim-Vormeier
Burgwedel

Die Jahr für Jahr schrumpfende Albert-Schweitzer-Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen gilt als Auslaufmodell. Anders als alle anderen Förderschulen läuft dieser Schultyp im Zuge der Inklusion aus. Allerdings stellt der Koalitionsvertrag der neuen rot-schwarzen Landesregierung jetzt eine bis 2028 befristete Weiterführung der Sekundarstufe I ins Ermessen der Schulträger. Und tatsächlich erwägt das Kollegium der Albert-Schweitzer-Schule einen Antrag an die Stadt Burgwedel, wieder Kinder ab Klasse 5 aufnehmen zu dürfen. 

Seit 2013 ist die Schule ein Auslaufmodell

Neueinschulungen in die erste Klasse gibt es schon seit 2013 und von Fünftklässlern seit 2016 nicht mehr. Nicht alle Eltern lernschwächerer Kinder waren begeistert, sich nicht mehr für die behüteten Verhältnisse kleinerer Schulklassen einer „Förderschule L“ entscheiden zu können. Fortan sollten ihre in die allgemeinbildenden Schulen inkludierten Kinder dort von Sonderpädagogen  der zum Förderstützpunkt umgewandelten Förderschule weiter mehrere Stunden pro Woche betreut werden. 

Im Mitte November geschlossenen Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU in Niedersachsen gibt es unter Punkt 18 ein ausführliches Kapitel zum Thema Inklusion. Die beiden Koalitionäre erklären darin, dass „keine weiteren Förderschulformen“ abgeschafft würden, während den Förderschulen Lernen für die Klassen 5 bis 9 eine Art befristetes Moratorium eingeräumt werden soll.

Wörtlich heißt es in dem Vertrag: „Den Förderschulen Lernen im Sekundarbereich I kann auf Antrag des Schulträgers und entsprechend des Bedarfs sowie der Nachfrage für eine Übergangszeit bis spätestens 2028 Bestandsschutz gewährt werden. Letztmalig können damit im Schuljahrgang 2022/2023 Schülerinnen und Schüler im 5. Jahrgang eingeschult werden ...“ 

Doch ganz nach Plan läuft die versprochene Inklusion in der Praxis nicht. Während an der Albert-Schweitzer-Schule selbst noch 17 Kinder mit Förderschwerpunkt Lernen die Klassen 6 bis 9 besuchen, steht ein halbes Dutzend Kinder mit dem selben Unterstützungsbedarf an der IGS und der Oberschule Burgwedel wegen Lehrermangels ganz ohne sonderpädagogische Betreuung da. „Ich habe für sie zurzeit keine Lehrer“, bestätigte die Rektorin der Albert-Schweitzer-Förderschule, Christine Blanke, auf Anfrage. Ihr Kollegium sei weitgehend abgeordnet an Grundschulen sowie an die IGS und die Hauptschule in Altwarmbüchen - die Nachbargemeinde Isernhagen gehört zum Versorgungsbereich. 

Blanke: Ausreichend Platz vorhanden

Blanke vertritt nach zahlreichen Gesprächen mit verunsicherten Müttern und Vätern die Auffassung, dass Eltern lernschwacher Kinder – wieder - die Option haben sollten, sich auch für eine „Förderschule L“ entscheiden zu können. Ob sie aufgrund der neuen Inklusions-Regelungen im Koalitionsvertrag einen entsprechenden Antrag an die Stadt stellen wird, „das wägen wir noch ab“, sagt die Rektorin. Die Räumlichkeiten der Albert-Schweitzer-Schule, die zum Teil längst von der Offenen Ganztagsschule (OGS) mitgenutzt werden, würden dafür auf jeden Fall ausreichen.

Thema für Burgwedels Schulpolitiker

Die Schulpolitiker des Burgwedeler Rates wird das Thema spätestens zu Beginn des nächsten Jahres beschäftigen, kündigte die Erste Stadträtin Christiane Concilio auf Anfrage an. Zuvor müsse sie mit der Förderschulleitung reden und die rechtlichen Konsequenzen der Koalitionsvereinbarung prüfen. Immerhin wird darin auch eine Überprüfung versprochen, „wie die Versorgung der inklusiven Schulen mit Lehrerstunden verbessert werden kann“. 

Grundsätzlich fordert Concilio: „Man muss die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Inklusion gelingen kann.“ Sie verweist auf den Part der Stadt: die hohen Investitionen für die Anpassung aller Schulen an unterschiedliche potenzielle Förderbedarfe, also für Fahrstühle, barrierefreie Toiletten, Akustikdecken, Rückzugsräume für sonderpädagogische Betreuer und so weiter. Die Lehrerversorgung liegt dagegen in der Verantwortung des Landes: „Wie kann Inklusion gelingen, wenn es Förderlehrer nicht gibt?“, fragt Concilio eher rhetorisch. 

 Förderschuler dürfen Schullaufbahn in Ruhe beenden

Unabhängig davon, ob die Albert-Schweitzer-Schule ab Sommer 2018 wieder Fünftklässler aufnehmen darf: Sie hat die Zusage der Stadt, dass die verbliebenen Kinder ihre Schullaufbahn in Ruhe beenden dürfen. Die Raumfrage lässt Concilio dabei allerdings offen: Man müsse schauen, „ab welcher Größe eine Schule für ein Kind noch eine Schule ist“. 

 

Vertrauensbruch

Förderschüler an allgemeinbildenden Schulen ohne sonderpädagogische Förderung? Was hat das mit der Inklusion zu tun, auf die sich betroffene Eltern verlassen mussten, als ihnen die Wahlfreiheit genommen wurde? Nichts, das ist Vertrauensbruch. 

Aber soll die Stadt Burgwedel deshalb nun vor Ort eigene Schulpolitik machen und der schon abgehakt geglaubten Förderschule fünf Jahre Nachschlag gewähren? Oder soll sie darauf vertrauen, dass die 150 Stellen pro Jahr, mit denen die neue Koalition im Leineschloss die inklusiven Schulen verstärken will, die Probleme schon lösen werden? 

Für ihre Antwort hat die Stadt nicht allzu viel Zeit. Wenn schon eine nur auf fünf Jahre befristete Fortführung der Albert-Schweitzer-Schule, dann sollten betroffene Eltern auch ab dem nächsten Schuljahr wieder frei wählen können, welche Schulform aus ihrer Sicht besser zu ihren Kindern passt. Der Aufwand wäre überschaubar für ein kommunales Moratorium für die Inklusion, bis diese den Namen wirklich verdient.

Von Martin Lauber

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach einem Unfall vor dem Oldhorster Kreisel sucht die Polizei Zeugen: Wer steuerte den Mercedes, der nicht mehr fahrbereit am Straßenrand zurück gelassen wurde?

04.12.2017

Stimmungsvoll geht es ab Freitag, 8. Dezember,  für drei Tage unter den Bäumen des alten Marktes beim IGK-Weihnachtsmarkt zu. Vereine, karitative Verbände und Kunsthandwerker mischen kräftig mit.

04.12.2017

Großer Aufwand für ein kleines Handy: Eine Mutter ortet das gestohlene Smartphone  ihrer Tochter im C-Trakt des Gymnasiums, vier Klassen werden abgesperrt, und die Polizei kontrolliert die Taschen der Schüler.  An Ende hat das Mädchen ihr iPhone wieder.

07.12.2017