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Langenhagen

Neue Chancen für Förderschule?

Die Pestalozzi-Schule, eine von der Schließung bedrohte Förderschule Schwerpunkt Lernen, wünscht sich Hilfe von Langenhagens Politikern. Sie könnten die Schule bis 2028 bestehen lassen. 

Langenhagen.  Die neue Landesregierung in Hannover lässt in der Pestalozzi-Schule Hoffnung aufkeimen. Sofern die Stadt als Schulträgerin einen entsprechenden Antrag stellt, könnte die Förderschule Lernen bis 2028 bestehen bleiben. Aktuell ist ihr Ende in vier Jahren beschlossene Sache. In einem Brief an Stadtverwaltung und den gesamten Rat der Stadt hat die kommissarische Leiterin der Pestalozzi-Schule jetzt um Hilfe gerufen. Eine Antwort an Ursula Borkowski ist bislang allerdings ausgeblieben. 

Schule könnte Container nutzen

Die Pestalozzi-Schule könnte die just geräumten Container an der Leibnizstraße vom kommenden Sommer an nutzen. Langenhagens Stadtbaurat Carsten Hettwer kündigte im Technischen Schulbauausschuss am Dienstagabend eine entsprechende Drucksache an. Mit dieser Entscheidung, die offenbar nach internen Gesprächen mit der Leitung der Pestalozzi-Schule und der Stadtverwaltung entwickelt worden ist, kommt die Stadt den Wünschen der Förderschule entgegen. Diese, so ihre kommissarische Leiterin Ursula Borkowski, wäre zwar am liebsten aus dem zu räumenden Gebäude der Gutzmannschule in die daneben leerstehenden Container der Stadt gezogen. Doch für diese läuft der Mietvertrag aus, sie werden im Sommer abgebaut. Die Stadt hatte der Pestalozzi-Schule daraufhin als Alternative auch den Umzug in von der Region bis zum Sommer zu räumende Bereiche der Godshorner Grundschule angeboten. Dies aber, so Borkowski im Gespräch mit dieser Zeitung, hätte alle bestehenden Kooperationen mit der Gutzmannschule an der Konrad-Adenauer-Straße gefährdet. Sie favorisiert deshalb den Umzug an die Leibnizstraße. 

Das Kollegium der Pestalozzischule, schreibt Borkowski in dem Brief, der dieser Zeitung vorliegt, sei einig in der Überzeugung, dass „Inklusion im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention und damit als Menschenrecht gut und richtig und dringend in die Praxis umzusetzen ist“. Einigkeit herrsche auch darin, dass die Einführung der Inklusion in das Schulwesen „suboptimal“ gelaufen ist und „auch jetzt die organisatorischen, sächlichen und personellen Voraussetzungen noch lange nicht ausreichend oder gar zufriedenstellend zu nennen sind“.

Regelschulen noch nicht soweit

Gleichwohl wurden „erste Prozesse in Gang gesetzt und Strukturen geschaffen“ , die Wege aufzeigten, wie in Zukunft sinnvoll inklusiv gearbeitet werden könnte. Vorausgesetzt, es werde organisatorisch, auf Sachebene und personell nachgebessert. Besonders im Blick hat das Kollegium derzeit Schüler mit festgestelltem Unterstützungsbedarf, „die zur Zeit im Rahmen des inklusiven Unterrichts an der Regelschule in keinster Weise angemessen gefördert werden können“. Vor allem jene im 8. und 9. Jahrgang, die eigentlich auf den Übergang in den Beruf vorbereitet werden müssten. Dazu notwendige und in der Pestalozzi-Schule seit Jahren praktizierte Kooperationen sind in den Regelschulen noch nicht implementiert und zum Teil noch nicht einmal Bestandteil der Curricula. Ein Bestandsschutz der Förderschule, schreibt Borkowski, würde zumindest einigen Schüler*innen mit Unterstützungsbedarf gute Konditionen für einen Schulabschluss und den Einstieg in die Berufswelt ermöglichen. Die Pause bis 2028 würde das Kollegium gerne als Chance sehen, intensiv an Konzepten zu arbeiten, die den heranwachsenden Schülern gerecht werden.

Nicht alle Kollegen für Pause

Borkowski macht allerdings keinen Hehl daraus, dass sich sehr wohl auch Lehrkräfte gegen einen erweiterten Fortbestand der Förderschule ausgesprochen hätten. Sie sähen den Bestandsschutz als Rückschritt und fürchteten, die gerade in Gang gekommene Inklusion werde abgebrochen. Mehr noch: Die zart wachsende „inklusive Haltung“ bei Lehrern, Schülern und auch den Eltern werde womöglich ausgebremst. „Offen ist die Frage, wer während dieser Zeit an der Weiterentwicklung der notwendigen Konzepte arbeiten würde?“ Der Markt an Förderschullehrern sei „leergefegt“, zitiert sie die Landesschulbehörde. Die weiterbestehende Förderschule müsste Lehrkräfte aus der inklusiven Arbeit an den Regelschulen zurückrufen, um die neu entstehenden Klassen in der Förderschule zu versorgen. Offen ist auch, welche Eltern ihre Kinder an einer Förderschule anmelden würden, wenn die Möglichkeit des Schulbesuchs an der IGS ebenso möglich ist? Verkommt die Förderschule somit zur „Restschule“?

Da bisher weder aus dem Kultusministerium, noch aus der Landesschulbehörde dringend notwendige Informationen zu diesem Thema vorliegen, hat Borkowski nun den ersten Schritt getan. Sie wünscht sich einen Dialog mit Langenhagens Politikern, um gemeinsam die beste Lösung für Langenhagens Schüler auszuloten.

Von Rebekka Neander


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