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Das Zwei-Klassen-System bei der Bezahlung der Lehrkräfte gefällt Musikschul-Direktor Andreas Fingberg-Strothmann „natürlich nicht“.

Das Zwei-Klassen-System bei der Bezahlung der Lehrkräfte gefällt Musikschul-Direktor Andreas Fingberg-Strothmann „natürlich nicht“.
© Jarolim-Vormeier

Isernhagen/Burgwedel

Mehr Arbeit für Musikschuldozenten? Ja bitte!

Nach Tarif wird bei der Musikschule Isernhagen & Burgwedel nur knapp die Hälfte der Lehrkräfte bezahlt – Tendenz abnehmend.

Isernhagen/Burgwedel. Drei Lehrkräfte, die aus Altersgründen ausgeschieden sind, hat die Musikschule Isernhagen & Burgwedel im Jahr 2017 nicht durch neue ersetzt. Ihr Stundenkontingent wurde auf Kolleginnen und Kollegen verteilt. Unerwünschte Mehrarbeit? Im Gegenteil! 

Die bisweilen prekären Einkommensverhältnisse von Instrumental- und Vokallehrkräften sind bundesweit ein großes Thema. Das Gros der aktuell 37 Lehrkräfte der im Isernhagenhof beheimateten Musikschule – allesamt studierte Musiker oder Musikpädagogen – ist dort nur mit durchschnittlich 10 bis 11 sogenannten Jahreswochenstunden beschäftigt. Das Spektrum reicht von 3 oder 4 bis zu maximal 22, 23. Ein Dozent, der nicht nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes (TVöD) bezahlt wird – und das ist inzwischen die knappe Mehrheit - geht mit circa 24 Euro brutto pro erteilter Unterrichtsstunde nach Hause – als festes Monatsgehalt, das 12-mal im Jahr ausgezahlt wird. 

Tarifkräfte werden immer weniger

 Tarifkräfte, die rund doppelt so teuer sind, können sich die Musikschulen landauf, landab immer seltener leisten. An der Musikschule Isernhagen & Burgwedel sind es etwa knapp die Hälfte der Mitarbeiter: überwiegend Langjährige, die den TVöD als Besitzstand haben. Viele von diesen versehen indes auch besondere Aufgaben - etwa als Fachgruppenleiter für bestimmte Instrumente, sie nehmen an Konferenzen teil, organisieren Vorspiele und Konzerte, wirken in Arbeitsgruppen mit. Ohne solche Mitarbeiter, die er zu Zusammenhangstätigkeiten verpflichten könne, sagt Direktor Andreas Fingberg-Strothmann, sei eine Schule mit rund 1.000 Lernenden und einem Jahresbudget von rund einer Million Euro nicht zu leiten. 

Direktor will Dozenten an die Schule binden 

Trotzdem gefällt Fingberg-Strothmann das Zwei-Klassen-System „natürlich nicht“. „Natürlich habe ich Interesse daran, dass unsere Lehrkräfte so viel verdienen, dass sie nicht noch an zwei, drei, vier weiteren Musikschulen arbeiten müssen“ - was allerdings bei vielen der Fall sei. Gerade auch die „jungen Kräfte, die voller Energie stecken“, würde er gerne an seine Schule binden. Fingberg-Strothmann selbst ist seit 35 Jahren an der Musikschule tätig, davon zwölf als Leiter. Als Arbeitgeber kann er gegenüber manchem privaten Konkurrenzinstitut, an dem es im Krankheitsfall keinen Cent gibt, mit sozialversicherten Stellen punkten, für die bei Krankheit wie auch während der Ferienzeiten weiterbezahlt wird. Gleichwohl werde es schwieriger, qualifizierte Leute zu finden, ganz besonders im Elementarbereich für Ein- bis Sechsjährige, wenn keine Tarifstunden angeboten werden können. „Das ist echte Knochenarbeit, und die Kräfte müssen sich ständig vielschichtig fortbilden“, sagt der Direktor. 

Burgwedel und Isernhagen teilen sich Zuschüsse 

Mit der Stadt Burgwedel und der Gemeinde Isernhagen hat die Musikschule zwei Kostenträger, die nach Aussage von Fingberg-Strothmann voll und ganz hinter der Musikschule stehen. In einem Vertrag mit fünf Jahren Laufzeit hatten die Räte beider Kommunen Ende 2015 einmütig die Zuschüsse um insgesamt 72.000 Euro in fünf Jahren angehoben. Ende 2020 teilen sich die Nachbarn dann jährlich 400.000 Euro fifty/fifty.

„Das war ganz dringend“, blickt Fingberg-Strothmann zurück. Endlich konnten die Bezahlung der Dozenten ohne Tarifvertrag angehoben werden und die aus Geldmangel eingeführten Stundenschnitte wieder abgeschafft werden. Diejenigen Dozenten, die rechnerisch weniger als 2,5 Schüler in einer Unterrichtsstunde hatten, hatten weniger Gehalt erhalten. Auch die Spitzenförderung  konnte wieder Berücksichtigung finden, indem wieder etwas mehr Einzelunterricht möglich wurde. 

Von Martin Lauber


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Burgwedel ist ...

  • ... eine Stadt im Nordosten von Hannover, die aus sieben Stadtteilen besteht und mehr als 20.000 Einwohner hat
  • ... schuldenfrei (!)
  • ... die Heimat von Martin Kind, Präsident von Hannover 96
  • ... Sitz der Drogeriemarktkette Rossmann
  • ... Geburtsort von Schauspielerin Bettina Zimmermann
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