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Wolfgang Metz ist an Morbus Bechterew erkrankt – neben Schmerzschüben ist sein Rundrücken eine Begleiterscheinung.

Wolfgang Metz ist an Morbus Bechterew erkrankt – neben Schmerzschüben ist sein Rundrücken eine Begleiterscheinung.
© Martin Lauber

Burgwedel/Isernhagen/Wedemark

Morbus Bechterew-Gruppe feiert 25-Jähriges 

Jeden Montag treffen sich rund 15 Männer und Frauen, die an Morbus Bechterew erkrankt sind, in Großburgwedel. Ihr Motto lautet: „Wir reden nicht über Krankheit, wir tun was dagegen!“

Burgwedel.  Cool wirkt er, wie er da in Lederjacke an seinem Oldtimer-Coupé lehnt. Seine Frau, so scherzt Wolfgang Metz,  habe den Bogen raus, wie sich sein Leiden kleidungstechnisch gut kaschieren lässt. Gemeint ist der Rundrücken als erst auf den zweiten Blick sichtbare Folge einer chronischen rheumatischen Krankheit namens Morbus Bechterew, die den 71-Jährigen seit Jahrzehnten plagt und die sich im fortgeschrittenerem Stadium unter anderem in Verkrümmungen und  Versteifungen manifestiert.

Seit der Gründung  gibt es den wöchentlichen Übungsabend

Ohne Schlaf- und Schmerzmittel, ohne seine eiserne Disziplin, zweimal täglich jeweils 20 Minuten Gymnastik zu treiben und sich gesund zu ernähren, wäre für Metz die unheilbare Krankheit kaum  zu ertragen. Aber ebenso unverzichtbar für den Rentner ist die Therapiegruppe Burgwedel der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB), die sich seit ihrer Gründung im Dezember 1992  jeden Montag in der Seniorenbegegnungsstätte (SBS) trifft. Seit 1999 geht der Kirchhorster zur wöchentlichen Übungsstunde dieser Selbsthilfegruppe, seit Jahren  fungiert er als deren Ansprechpartner.

Spezielle Gymnastik effektiver als Krafttraining 

 

Mit einem Sektempfang feiert die Morbus Bechterew- Gruppe Burgwedel, eine von rund 400 in Deutschland, am 1. Dezember ihr 25-jähriges Bestehen in der Seniorenbegegnungsstätte. Dort, an der Gartenstraße 10 in Großburgwedel, bietet die Selbsthilfegruppe jeden Montag  von 19.45 bis 20.30 Uhr in der SBS-Sporthalle eine spezielle Gymnastik sowie an jedem ersten Montag im Monat um 20.30 Uhr einen Infotreff an. Immer ansprechbar für alle Fragen ist die Vorsitzende Gerda Knoche, Telefon (05139)1096. Sie bedauert, dass kaum jüngere Mitglieder in der Therapiegruppe anzutreffen seien. Das liege daran, dass jüngere Betroffene heutzutage Kraft- oder Fitnesstraining bevorzugten. Dabei sei die dem Krankheitsbild entsprechende Gymnastik in der Bechterew-Gruppe weitaus effektiver und könne ein Fortschreiten der Versteifungen weitgehend verhindern.

Richtige Diagnose erst nach mehr als 20 Jahren

Jegliche Coolness fällt ab von dem 71-Jährigen, wenn er über seine Krankheit spricht. „Ein sehr schwerer langer Weg“ sei das gewesen, sagt der Kirchhorster. Und augenblicklich übermannen ihn die Erinnerungen derart, dass er Tränen aus dem Augenwinkel wischen muss. Seit 1970 leidet Metz an Schmerzschüben in der Wirbelsäule, zeitweise lahmen Arme, an Schlafstörungen und kraftlosen Hände nach dem Aufstehen. 35 Jahre lang war er technischer Ausbilder bei Volkswagen – wie oft er sich todmüde und erschlagen zur Arbeit schleppen musste!  

Im Fitness-Studio hatte er anfangs dagegen antrainiert. „Mit 35 hat mir dann ein Orthopäde gesagt, ich sitze mit 50 im Rollstuhl“, erinnert sich Metz. Allein: Die zutreffende Diagnose Morbus Bechterew stellten weder dieser noch weitere  Fachärzte trotz typischer Symptome. Dies tat erst ein anderer Orthopäde in Großburgwedel 18 Jahre später nach einer Kernspin-Untersuchung. „Wäre das früher erkannt worden“, ist Metz sicher, „manches hätte sich durch gezielte Gymnastik und Medikation lindern lassen.“

Jener Orthopäde schickte seinen Patienten anno 1999 auch in die Burgwedeler DVMB-Selbsthilfegruppe. Aus Sicht von Metz war das ein „Sechser im Lotto“. Nicht nur, weil die Übungen von Physiotherapeutin Christiane Krüger seine krankheitsbedingten Symptome lindern und sie ihre „Bechtis“ auch  zur häuslichen Gymnastik anhält. Oder der Verband ihm half, eine 60-prozentige Schwerbehinderung durchzusetzen.

„Erst durch die Selbsthilfegruppe habe ich zu meiner Kraft gefunden“, sagt Metz. „Wenn man unter Gesunden ist, hat man immer das Gefühl: Oh, ich bin ganz schön krumm. In unserer Gruppe sind wir ganz entspannt unter uns. Unser Motto heißt: Wir reden nicht über Krankheit, wir tun was dagegen!“ Mit einem guten Umfeld sei die Krankheit besser zu ertragen. Die  Erfahrung, dass „die Begegnungen in der Gruppe gut sind für die seelische Gesundheit“,  teilt Metz mit 15 weiteren Frauen und Männern aus Burgwedel, Isernhagen und Wedemark. Diese unternehmen denn auch Ausfahrten mit dem Fahrrad und Ausflüge zusammen, grillen außer der Reihe und verzichten nie auf das gemeinsame Weihnachtsessen.

Von Martin Lauber


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Burgwedel ist ...

  • ... eine Stadt im Nordosten von Hannover, die aus sieben Stadtteilen besteht und mehr als 20.000 Einwohner hat
  • ... schuldenfrei (!)
  • ... die Heimat von Martin Kind, Präsident von Hannover 96
  • ... Sitz der Drogeriemarktkette Rossmann
  • ... Geburtsort von Schauspielerin Bettina Zimmermann
  • ... 6x pro Woche Thema in der Nordhannoverschen Zeitung, die als Heimatzeitung in Burgwedel der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.