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Region Burgwedel Nachrichten Die Kunst kommt an den See
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00:19 28.09.2018
Frank Nordiek (vorne) und Wolfgang Buntrock stapeln Torfpyramiden. Quelle: Martin Lauber
Großburgwedel

Die leichten braunen Quader erinnern in Form, Farbe und Größe an rustikal gebackene Brotlaibe. So haben die Torfsoden einmal ausgesehen, als sie nordwestlich von Kleinburgwedel in großem Stil von Hand gestochen wurden. Genau so ist der Würmsee dereinst einmal entstanden und ebenfalls die kleinere Kuhle auf der Nordseite des Rundweges. „Man hätte hier ein Schild aufstellen können. Aber das wäre nicht sinnlich erfahrbar“, sagt Frank Nordiek. „Also bringen wir Torf hier rein.“

Es geht los! Im alten Torfstich, der sonst ganzjährig unter Wasser steht, entsteht gerade die erste von insgesamt zehn Stationen des künftigen „Erlebnispfades Würmsee“. Frank Nordiek und Wolfgang Buntrock, die seit 22 Jahren als Atelier LandArt zusammenarbeiten, werden ihn in den nächsten Monaten erschaffen. Möglichst bis Februar wollen sie fertig sein, denn „dann kommt die Rohrweihe“. Zwei 2.50 Meter hohe Torfpyramiden haben die Landschaftskünstler in den letzten Tagen mit Hilfe zweier Flüchtlinge aufgeschichtet. Für alle vier ist die Arbeit mit diesem Naturmaterial, das aus einem Torfwerk in Neustadt/Rübenberge hergeschafft wurde, eine ganz neue Erfahrung. Noch fehlen die Skulpturen aus Eisenrohr und Torfspaten – rote „Torffresser“, die die Installation komplettieren werden. Deren aggressive Farbe wird symbolisieren, dass sie nicht in friedlicher Absicht da sind: Sie wollen das Biotop ausräubern. Aber ist nicht seit den alten Torfstecher-Zeiten, an die sie erinnern sollen, längst ein neues Biotop entstanden?

Wechselvolle Geschichte als Inspiration

Es ist genau diese wechselvolle Geschichte des Würmsee-Gebietes – als Rohstofflager, Tourismusmagnet, als neue Heimat nach dem Zweiten Weltkrieg und als Ort der Naherholung – der das Atelier LandArt zu seinen Gestaltungsideen inspiriert hat. Ein Steg wird ins Wasser führen und über Trittsteine geht es in ein metallenes Boot. Eine karge Behausung aus Stahlrohr zwischen Kiefern soll Besucher die Anfänge nach der Stunde Null nachempfinden lassen. In der hannoverschen Berufsbildenden Schule Metalltechnik an der Lavesallee werden von Schülern die Schilde von Torfspaten geschweißt – sie werden als Unterlage für erläuternde Texte dienen.

Der beziehungsreiche Erlebnispfad ist ein komplexes Projekt – selbst für Buntrock und Nordiek, die international arbeiten. Den geologischen Lehrpfad „Bewegte Steine“ in der Wedemark hatten sie über Jahre realisiert, am Würmsee bleiben ihnen nur wenige Monate. Das Baumaterial für die nächste Station liegt auch schon am Seeufer bereit: ein ganzer Berg aus Kiefernästen aus einem nahen Waldstück und Eichenstangen aus dem Grinderwald bei Nienburg. Nordiek und Buntrock werden sie wahrscheinlich schon nächste Woche zu – vergänglichen –„Behausungen“ verflechten und diese wie Vogelnester in den Birken auf der Insel in der Südspitze des Würmsees aufhängen. Nicht weit davon wird die „Dialog“-Bank stehen, die sich Spaziergänger allerdings mit Fuchs, Hase, Kranich, Erdkröte und Eisvögel werden teilen müssen. Für die LandArt-Künstler ist sie so etwas wie der Höhepunkt zum Reflektieren am Ende des Erlebnispfades. Was brauche ich zum Leben?, wird auf der Rückenlehne der Bank stehen.

Stadt hofft auf Zuschuss von der Region

Knapp 200.000 Euro wird der Erlebnispfad kosten. Der Umwelt- und Planungsausschuss des Burgwedeler Rates hatte dafür Ende Mai grünes Licht gegeben. Zwischenzeitlich hat die Stadtverwaltung einen Zuschussantrag an die Region Hannover gestellt. Deren Ausschuss für Naherholung war vergangenen Donnerstag am Würmsee, um sich vor Ort von Burgwedels Umweltkoordinator Malte Schubert das Projekt erklären zu lassen. Am 30. Oktober berät der Fachausschuss dann darüber, ob Burgwedel eine 40-Prozent-Förderung bekommen soll.

Für den Bagger bleibt der See trocken

Oh Schreck, bis auf einige letzte Lachen ist alles trocken! Stimmt: Seit vergangenem Donnerstag lässt die Stadt die Pumpen, die dem Würmsee den Sommer über täglich 1400 Kubikmeter Wasser zugeführt haben, ruhen, damit vor dem Nordost-Ufer gebaggert werden kann. Auf einer Fläche von 6000 bis 7000 Quadratmetern werden 20 Zentimeter des Bodens abgetragen. Damit verfolgt Umweltkoordinator Malte Schubert zwei Ziele: Je weniger organische Substanz um Seegrund, desto mehr Sauerstoff bleibt den Lebewesen. Außerdem hofft er, dass dieser Bereich, der immer als erster austrocknet, bei normalen Witterungsverhältnissen länger Wasser behält.

Von Martin Lauber

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