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Cornelia Müller sichtet die "Ernteschäden" der letzten Nacht

Cornelia Müller sichtet die "Ernteschäden" der letzten Nacht
© Martin Lauber

Thönse

Hortensiendiebe lassen sich nicht abschrecken

Seit Jahren wird der Hof Müller in Thönse immer wieder von Gartenhortensien-Dieben heimgesucht. Die Unbekannten haben es auf die vermeintlich berauschende Wirkung der Pflanzen abgesehen.

Thönse.  In Thönse sind wieder mal die Strauchdiebe unterwegs. Illegal „geerntet“ haben sie in der Nacht zum Dienstag im größeren Stil Gartenhortensien, die im zweifelhaften Ruf stehen, berauschende Wirkung zu entfalten. 

Als am Sonntag an der Langen Reihe Thönses Weihnachtsmarkt gefeiert wurde, da standen die Sträucher noch als Blickfang vor der Scheune auf dem Hof Müller in voller weißer Blüte.  Am Dienstagmorgen bot sich den Hausherren dann aber ein ihnen allzu vertrautes Bild: Ihre sorgfältig gehegten Hortensien waren dezimiert, insgesamt wurden Hunderte Stängel abgeschnitten - „fachmännisch von unten nach oben“, wie Cornelia Müller meint. So gehe das alljährlich, schon seit etwa 2011 – allen Abschreckungsmaßnahmen zum Trotz.

Auch Warnschilder und Farbspray haben die Müllers schon eingesetzt, um Diebe abzuschrecken

Auch Warnschilder und Farbspray haben die Müllers schon eingesetzt, um Diebe abzuschrecken.

Quelle: Martin Lauber

 „Wolllausbefall! Warnung! Gespritzt mit E 605!“ Die Schilder mit den drei dicken Ausrufezeichen hinter  der nur behaupteten Giftgefahr haben die Müllers nicht weggeworfen, obwohl die Totenkopf-Tafeln in den Jahren 2015 und 2016 den Hortensien-Klau doch nicht hatten verhindern können. Auch mit Öko-Farbspray, wie es Forstleute normalerweise zur Markierung von Bäumen benutzten, hat Cornelia Müller ihre geliebten Ziersträucher schon koloriert, um sie vor Diebstahl zu schützen. Meistens vergebens. Vor Jahren war auch schon mal die Polizei auf dem Hof – aber Spuren der nächtlichen Täter, die man des Diebstahls und Hausfriedensbruchs hätte beschuldigen können, die gab es damals nicht.

LKA: Statt Rausch droht Blausäure-Vergiftung

Die Hortensien-Diebe von Thönse sind vermutlich auf der Suche nach billigem Drogenersatz, da den Trieben, Blättern und Blüten der Pflanze eine berauschende Wirkung nachgesagt wird. Zu Unrecht, so eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) am Dienstag auf Anfrage: Für psychoaktive Stoffe in den hier beheimateten Gartenhortensien gebe es keinen wissenschaftlichen Nachweis.

Aus diesem Grund kann auch der Handel mit Blüten und Blättern nicht strafrechtlich verfolgt werden. Ermittelt wird deshalb ausschließlich wegen Diebstahls und Hausfriedensbruch. Das LKA warnt dennoch eindringlich davor, Pflanzenbestandteile zu trocknen und als Cannabis-Ersatz zu rauchen. Die Pflanzen enthielten unter anderem den Stoff Iso-Cumarin-Hydragenol, der Kontaktallergien auslösen kann, sowie hochgiftige Blausäureverbindungen. Blausäure kann zu Vergiftungen, zur Blockade der Atemwege sowie zur Zerstörung des zentralen Nervensystems führen.

Nach Aussage des Landeskriminalamtes Niedersachsen taucht das Delikt immer mal wieder gehäuft auf. In der Region Hannover liefert der Hortensien-Klau seit Jahren Schlagzeilebn: 2016 in Seelze, 2015 in Ronnenberg, 2012 in Burgdorf, 2011 in Neustadt. Im selben Jahr zeigten sogar 60 Wedemärker bei der Polizei den Diebstahl von Hortensien aus ihren Gärten an.

Funktioniert die Abschreckung diesmal

Funktioniert die Abschreckung diesmal? Ihre verbliebenen Gartenhortensien sprüht Cornelia Müller am Dienstag mit Öko-Farbspray ein.

Quelle: Martin Lauber

Cornelia Müller zufolge sind die Diebe genau in diesem Zeitraum auch in Thönse und Umgebung immer wieder aktiv: Freunde und Nachbarn seien betroffen, sogar auf dem Dorffriedhof seien schon Hortensien zerstört worden. Heinrich Müller stört dabei nicht allein, dass die Sträucher im nächsten Jahr wohl nicht voll erblühen werden. Beunruhigend findet das Thönser Ehepaar vor allem, dass trotz Bewegungsmeldern die unbekannten Täter immer wieder nachts um ihr Haus streichen. Das letzte Mal „geerntet“ hatten sie erst im November am Rand des großen Hofgrundstücks.

Von Martin Lauber 


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