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Region Burgwedel Nachrichten Hier marschieren die Fuhrberger Schützen beim Festumzug
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17:46 12.05.2013
Die Fuhrberger Schützen marschieren beim traditionellen Festumzug. Quelle: Frank Walter
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Fuhrberg

Für Außenstehende sind Schützenvereine oft ein Buch mit sieben Siegeln. Das muss nicht so sein: Fuhrbergs Schützenchef Karsten Segger (52) erklärt alles Wichtige rund um die grün-weiße Welt.

Seit 2000 sind Sie Vorsitzender der Fuhrberger Schützen. Wie viele Mitglieder zählen Sie?

270. Viele davon sind passive Mitglieder, die nicht schießen.

Fuhrberg feiert Schützenfest (Fotos: Walter)

270? Das klingt ganz schön viel.

Auf den Dörfern wird Tradition halt noch hochgehalten. Da treten die Leute öfter Vereinen bei, um sich im Dorf zu integrieren. Das ist die beste Plattform.

Böse Zungen verbinden ja mit den Schützen meist nur das feuchtfröhliche Feiern...

Ja, wir feiern gern, Geselligkeit gehört dazu. Schade nur, dass viele vergessen, dass bei uns vor allem der Sport im Vordergrund steht. Unsere Mitglieder schießen auf Landesebene, treten sogar bei den Deutschen Meisterschaften an und trainieren viel. Es gibt leider noch mehr Vorurteile über Schützen.

Welches gibt es denn noch?

Die Amokläufe der vergangenen Jahre haben den Schießsport in ein schlechtes Licht gerückt. Man kann die Vereine nicht für solche Taten verantwortlich machen. Bei uns gelten strenge Regeln, die gesetzlichen Vorgaben sind eng, und wir halten uns daran.

Verantwortung wird also groß geschrieben. Der Spaß doch aber sicherlich auch?

Na klar. Das Schützenfest ist der Höhepunkt im Jahr. Und aufgepasst: Es heißt in Fuhrberg Volks- und Schützenfest – in dieser Reihenfolge. Wir wollen nicht unter uns bleiben, sondern ein Fest für alle bieten.

Was ist denn für Sie als Chef der schönste Teil des Festes?

(überlegt) Gute Frage, habe ich mir noch nie gestellt. Freitags der Kommers ist schön. (überlegt) Samstag aber auch. Und wenn Sonntag nach dem Umzug das Festzelt voll ist beim Platzkonzert... ja, das ist dann auch einfach toll. (überlegt) Ich glaube, ich mag einfach alles.

So viel Begeisterung muss ein Schützenchef wohl haben. Sind die Chefs denn immer Männer?

Wir haben eine Arbeitsgemeinschaft mit allen Burgwedeler Schützenvereinen. Da war auch mal eine Frau dabei. Aber momentan sind es nur Männer.

Eine Schützen-AG? Dann kennen Sie sich ja aus: Was macht das Fuhrberger Schützenfest im Vergleich denn so besonders?

Bei uns gibt es zum Beispiel die Gurkenscheibe.

Wie bitte? Gurkenscheibe?

1975 hat eine Truppe beim Aufräumen Gurkenwasser mit Schnaps getrunken, und so entstand die Idee. Die Gurkenscheibe wird nicht ausgeschossen, sondern montags ausgelost unter allen, die das Fest besucht haben. Im Folgejahr wird der Gurkenkönig proklamiert und mit Gurken-T-Shirt dekoriert.

Gibt es sonst noch etwas Skurriles, das ich wissen müsste?

Unser Armbrustkönig hat dieses Jahr aus Versehen einmal die Jalousie statt der Scheibe getroffen – deshalb trägt er jetzt neben seinem Orden ein Stück Jalousie mit einem Pfeil darin um den Hals. Er musste auch schon mal ein Stück Schweineschwarte und eine Schweinenase tragen.

Jetzt sagen Sie nicht, weil er ein Schwein getroffen hat...

Keine Sorge. Auf seiner Scheibe war damals wegen eines Schreibfehlers „Swarte“ zu lesen. An solche Sachen erinnert man sich gern.

Ich merke schon: Schützen sind lustig. Was macht sie sonst aus?

Humor auf jeden Fall. Gemeinschaftssinn. Ein gutes Auge und Ruhe. Die Reihenfolge lege ich nicht fest. Sollte ich noch einmal betonen, dass es uns um den Sport geht? (zwinkert)

Zeit, eine Laien-Frage zu stellen. Warum bekommen die Könige Scheiben statt Kronen?

(lacht) Zugegeben: Diese Tradition müsste ich jetzt auch googeln. Das gilt auch für das Grün.

Stimmt, alles ist grün. Wie nennt man denn Ihre Tracht richtig?

Nein, Trachten trägt der Trachtenverein. Wir tragen eine Uniform. Die Hierarchie zeigen die Schulterstücke an, die Anstecker sind Auszeichnungen.

Und die rote Rose oben links?

Ehrlich? Das ist nur Dekoration, die sieht beim Schützenumzug einfach sehr nett aus.

Beim Festumzug werden die Scheiben aufgehängt. Wie viele haben Sie im Giebel platziert?

Fünf. Zwei habe ich geschossen, zwei meine Tochter und eine meine Frau. Nicht jeder volle Giebel weist auf den ultimativen Schützen hin. Oft sind es ganze Familien, die die Scheiben geschossen haben. Aber darum geht es ja auch nicht. Wir vergleichen uns nicht unter dem Motto „Hey, ich war aber schon fünfmal Schützenkönig“.

Wer sucht denn die Scheiben-Motive aus? Ist das Chefsache?

Ja, das mache ich. Die Bürgerscheibe trägt immer das Fuhrberger Wappen. Der Rest sind zum Beispiel Tiere oder Gebäude. Ich schaue meist im Internet, was mir so gefallen würde.

Als Schütze wird man doch wahrscheinlich geboren, oder?

Es gibt auch Quereinsteiger. Wir freuen uns über jeden, der kommt. Nachwuchssorgen hat jeder Verein: Wir bieten unseren Jugendlichen nicht mehr nur das Schießen an, das wäre für sie zu wenig Action. Es gibt jetzt auch Freizeitangebote drum herum. Unsere Schießsportleiter machen da einen guten Job.

Ich nutze jetzt einfach die Chance: In der NHZ liest man oft in Schützen-Texten von „Teilern“. Können Sie mir das erklären?

Kurz und knapp: Je kleiner der Teiler, desto besser der Schuss. Wer genau in die Mitte trifft, hat den Teiler Null. Wer 1/100 Millimeter daneben liegt, den Teiler eins und so weiter.

Gibt es noch einen Fachbegriff, den ich heute lernen kann?

Wenn ein Schütze zu Ihnen sagt: Gib‘ mir mal ein paar Karten. Dann sollten Sie kein Kartenspiel zücken – die meinen dann die Papp-Zielscheiben. Aber das sagen viele Schützen einfach immer falsch.

Vielen Dank. Zum Abschluss würde ich Ihnen gern in echter Schützenmanier etwas wünschen. Wie sagt der Schütze?

Der Gruß lautet „Gut Schuss“. In Fuhrberg gilt zudem der Leitsatz „Im Auge Klarheit, im Herzen Wahrheit“. Ich persönlich hoffe immer noch auf einen unfallfreien Verlauf ... aber das bekomme ich nicht in einen knackigen Ausruf verpackt.

Die Fragen stellte Carina Bahl.

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