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Region Burgwedel Nachrichten Eine-Welt-Laden schließt in wenigen Wochen
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15:11 29.11.2018
Die Regale sind fast leer, bald ist Schluss: Heidrun Schümer (von links), Hertha Moosmann, Helmut Neddermeyer und Arnt Müller im Großburgwedeler „Eine-Welt-Laden“. Quelle: Thomas Oberdorfer
Großburgwedel

 Nach über 34 Jahren ist Schluss: In wenigen Wochen öffnet der kleine „Eine-Welt-Laden“ gleich neben der St.-Petri-Kirche zum letzten Mal seine Tür und bietet fair gehandelte Produkte aus der dritten Welt an. Damit schließt eine Burgwedeler Institution endgültig. Der dazugehörige Trägerverein „Arbeitskreis –Eine Welt“ hat sich bereits vor wenigen Wochen aufgelöst. Zeit für einen kleinen Rückblick:

Der Ursprung des kleinen Lädchens und des Vereins liegt in der Friedens- und Umweltbewegung Anfang der 1980er Jahre. Es war die Zeit der großen Demonstrationen gegen Nato-Doppelbeschluss und Atomkraft. Themen, die die Jugendlichen damals bewegten. Auch in Burgwedel. Und die jungen Gemeindemitglieder waren auf der Suche nach einem Treffpunkt. Den fanden sie schließlich im ehemaligen Küsterhaus direkt neben der Kirche. Das stand zum Teil leer. Kurzerhand wurde es besetzt. „Wirklich recht war das vielen in der Gemeinde nicht“, sagt Arnt Müller. Er war viele Jahre im Vereinsvorstand tätig. „Aber man ließ sie gewähren.“

Es dauerte dann einige Jahre, bis aus dem Treffpunkt das kleine Lädchen wurde. „Wir wollten die Lebensbedingungen in der dritten Welt verbessern helfen. Das war unser Ansporn“, sagt Hertha Moosmann. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins und verkauft noch heute Produkte im „Eine-Welt- Laden“. Fair gehandelte Produkte waren damals kaum bekannt. „Die gab es in Burgwedel nur bei uns zu kaufen“, sagt Müller. Vor allem Kaffee war gefragt. „Der schmeckte zwar scheußlich, aber viele wollten ihn dennoch“, erklärt Müller mit einem Lächeln.

Mittlerweile schmeckt der Kaffee und fair gehandelte Produkte gibt es fast überall zu kaufen. „Der faire Handel ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Helmut Neddermeyer, der auch schon seit vielen Jahren im Verein mitarbeitet. „Dazu haben wir mit unserem kleinen Lädchen beigetragen. Das macht uns schon ein wenig stolz“, sagt er und blickt auf die vergangenen fast 35 Jahre zurück.

Und der Laden lief und läuft immer noch gut. Rund 70.000 Euro haben die Vereinsmitglieder erwirtschaftet. Geld, mit denen vorrangig Vorhaben in Afrika und Asien unterstützt wurden und werden. Aktuell beispielsweise ein „Hühnerprojekt“ in Simbabwe. Dort wird eine zwölfköpfige Frauengruppe beim Aufbau einer kleinen Geflügelzucht unterstützt. Mit ihr sollen die Frauen die Möglichkeit erhalten, Geld zu erwirtschaften, um Arztrechnungen oder den Schulbesuch ihrer Kinder bezahlen zu können.

Wenn man sieht, wie man mit seiner Arbeit helfen kann, fällt es dann nicht schwer aufzuhören? „Ein wenig schon“, sagt Heidrun Schümer, um dann gleich anzufügen: „Aber man verspürt auch Genugtuung für das Erreichte. Irgendwann ist halt einmal Schluss.“ Der Verein hat lange nach jüngeren Mitstreitern gesucht, aber keine gefunden. „Die Jugend hat heute andere Interesse. Das muss man akzeptieren“, sagt Müller.

Und ganz Schluss ist ja noch nicht: Das kleine Lädchen neben der Kirche wird noch bis in den Januar hinein die restlichen Waren verkaufen. Geöffnet ist donnerstags und sonnabends in der Zeit von 10.30 bis 12 Uhr. „Wir machen erst zu, wenn wir auch das letzte Pfund Kaffee verkauft haben“, kündigt Müller an. Abschied nehmen heißt es dafür an diesem Wochenende in Isernhagen K.B.. Einmal monatlich wurden in der St.-Marien-Kirche nach dem Gottesdienst Waren aus dem Großburgwedeler Laden verkauft. Das geschieht am Sonntag zum letzten Mal. Dann ist zumindest dort schon einmal Schluss.

Von Thomas Oberdorfer

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