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Die St.-Petri-Kantorei unter Leitung von Christian Conradi applaudiert den Musikern des renommierten Ensembles Capella de la Torre.

Die St.-Petri-Kantorei unter Leitung von Christian Conradi applaudiert den Musikern des renommierten Ensembles Capella de la Torre.
© Jürgen Zimmer

Großburgwedel

Ein „Fest für Luther“ in exklusiver Qualität

Der evangelischen Landeskirche verdanken Musikfreunde in Burgwedel die exklusive Konzert-Co-Produktion der Capella de la Torre mit der St.-Petri-Kantorei.

Großburgwedel.  Wenn Schalmeien, Pommern, Posaunen und Dulziane erklingen und es steckt die „Capella de la Torre“ dahinter, darf man sich auf ein besonderes Musikerlebnis freuen. Das mit zwei „Echo Klassik“ hochdekorierte Ensemble unter der Leitung von Katharina Bäuml gehört in Deutschland zu den führenden Ensembles für Musik aus der Renaissancezeit. Und das war die Zeit Martin Luthers (1483-1546), der vor 500 Jahren seine 95 Thesen gegen die Finanz- und Ablasspraxis des Papstes ans Portal der Schlosskirche zu Wittenberg gehämmert haben soll. Musikalisch gefeiert wurde das am Freitagabend in der St.-Petri-Kirche in Großburgwedel mit einem “Fest für Martin Luther“ – so heißt eine von der Landeskirche initiierte  Konzertreihe mit „Capella de la Torre“ und örtlichen Kirchenchören.

Zu Luthers Zeiten war neben Chor- und Gemeindegesang mit Orgelbegleitung durchaus Instrumentalmusik zum Gottesdienst üblich. Lautenspieler Luther war ein begabter „Musicus“, die von ihm gedichteten und komponierten Strophen schmetterten die frühen Protestanten als Protestlieder, eine scharfe Waffe der Reformer. Die „Musica“ pries der Meister als ein „herrlich und göttlich Geschenck und Gabe“ und führte den deutschsprachigen Gemeindegesang zunächst in Wittenberg ein. Dies alles atmosphärisch in Form eines fiktiven Festes weiterzugeben, war das Anliegen des moderierten Konzertes in St. Petri: Beschwingte Musik zu Beginn leitet zur liturgischen im Gottesdienst über und klingt mit schwungvoller Tanzmusik aus. 

Bäuml und ihr Ensemble boten zusammen mit der von Christian Conradi vorzüglich eingestimmten Kantorei selten zu hörende Musik in bewundernswerter Qualität. Frühe Komponisten, teils anonym oder aus Italien, Frankreich, Flandern und Deutschland, bestückten das Konzert mit überwiegend heiter klingender Musik. „Ein feste Burg ist unser Gott“, laut Friedrich Engels die „Marseillaise der Reformation“, wurde von einem langen Posaunensolo eingeleitet, dann übernahm der Chor vierstimmig, begleitet von den Instrumenten.

Ein Gänsehaut erzeugender Schluss des (fiktiven) Gottesdienstes, bevor das Tanzbein geschwungen wurde - zu Luthers Zeit jedenfalls. In St. Petri wurde nichts geschwungen, außer die Hände zum Klatschen, und das ausgiebig und lautstark. 

Von Jürgen Zimmer 


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