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Region Burgwedel Nachrichten Keine Alarmstimmung in Burgwedels Pflegebranche
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00:30 31.05.2018
Selbstbestimmt im Alter leben: Wer in Burgwedel zuhause alt werden möchte, kann mit Unterstützung rechnen. Nach Selbstauskunft verfügen dort die ambulanten Dienste noch über ausreichend Fachkräfte. Quelle: Archiv
Burgwedel

Annahmestopp oder gar Kündigungen? So angespannt wie in manchen Gebieten Niedersachsens ist nach einer Umfrage dieser Zeitung bei ambulanten Pflegediensten in Burgwedel die Personalsituation nicht.

Seit 18 Monaten betreibt Julia Grubitz ihren ambulanten Pflegedienst in Kleinburgwedel. Die 33-Jährige beschäftigt 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ihr noch junges Unternehmen ist personell also gut aufgestellt. Allerdings bemüht sich die junge Frau auch um gute Arbeitsbedingungen. Frauen mit Kindern bietet Grubitz nach eigener Aussage Dienstzeiten nach Wunsch. Sie bildet aus, Pflegehelfer können sich berufsbegleitend zum examinierten Altenpfleger weiterbilden. Sie spendiere Tankgutscheine, Getränke, Eis oder lade ihr Team oft zum Essen ein. berichtet die examinierte Pflegekraft: „Man muss die Mitarbeiter bei Laune halten.“

Nicht überall ist die Lage so entspannt. Nach einer Umfrage der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtgemeinschaft verschärft sich in der ambulanten Pflege der Fachkräftemangel immer mehr. Einzelne Dienste nehmen keine neuen Patienten mehr an oder kündigen bestehende Verträge. Grubitz musste nach eigener Aussage noch niemandem absagen.

Bei der Diakoniestation in Großburgwedel und bei „Ambulante Pflege in Burgwedel“ in Fuhrberg waren am Montag keine Ansprechpartner für eine Stellungnahme zu erreichen. Gut aufgestellt sieht sich der Pflegedienst Brandtstädter, der seit 20 Jahren in dem Metier als Familienbetrieb tätig ist und 21 Mitarbeiter unter Vertrag hat. Brandtstädter konzentriert sich auf medizinische Leistungen. „Gerade haben wir drei neue Fachkräfte gewinnen können“, berichtet Pflegedienstleiterin Anika Beutler. Deshalb könnten auch neue Patienten aufgenommen werden. Seit vier Monaten wirbt der Pflegedienst offensiv mit einem Plakat – eine ältere, lachende Dame auf roten Untergrund – an seinem Stützpunkt in Großburgwedel um Pflegekräfte.

Fachkräfte fehlten nicht, berichtet auch die Chefin eines weiteren ambulanten Pflegedienstes in Großburgwedel mit mehr als 30 Mitarbeitern. Das Unternehmen, das namentlich nicht genannt werden will, bietet sowohl medizinische Versorgung an wie auch Hilfe im Haushalt. Aber speziell für den Bereich Hauswirtschaft stoße man zunehmend an Grenzen, berichtet die Inhaberin. Denn zum Mindestlohn von 8.50 Euro seien Pflegehelfer nicht mehr zu finden. Ohne Arbeitsvertrag würden in Privathaushalten für solche Arbeiten längst zwischen 10 bis 15 Euro gezahlt.

Entwarnung gibt auch ein ambulanter Pflegedienst in Isernhagen, der ebenfalls ungenannt bleiben will: „Uns trifft der Fachkräftemangel nicht.“ Die Inhaberin mit 20-jähriger Berufserfahrung beschäftigt 30 Mitarbeiter. Problematisch seien insbesondere die aus ihrer Sicht zu niedrigen Tarife der Krankenkassen: Fürs Messen des Blutzuckerwertes erhalte ihr Pflegedienst 2,70 Euro, für die Medikamentenausgabe 3,44 Euro, Fahrkosten würden pauschal mit 4 Euro erstattet. „Das macht mich unzufrieden.“

Von Katerina Jarolim-Vormeier

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