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Region Burgwedel Nachrichten Kulturausschuss erhört Hilferuf der Musikzüge
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00:39 28.05.2018
Jung und Alt spielen in den Musikzügen zusammen – wie hier bei den Feuerwehrmusikerinnen und -musikern in Großburgwedel. Quelle: Martin Lauber (Archiv)
Burgwedel

„Unsere Kultur auf den Dörfern“: Um nicht weniger ging es am Donnerstagabend in einer engagierten Diskussion im Ausschuss für Demographie, Soziales und Kultur. Dabei gab es über die Sicherung der Zukunft der Burgwedeler Musikzüge als Herzstück der Traditionspflege unterschiedliche Meinungen.

Heinrich Neddermeyer: "Wir müssen uns weiter entwickeln, sonst gehen wir unter." Quelle: Martin Lauber

Weil ihr Nachwuchs knapp werde und für die musikalische Ausbildung neue Wege beschritten werden müssten, hatten alle fünf Feuerwehrmusikzüge im Stadtgebiet – Großburgwedel, Fuhrberg, Engensen, Wettmar und Kleinburgwedel – bereits im Dezember 2017 gemeinsam ins sprichwörtliche Horn gestoßen und in einem Brandbrief an die Stadt eine Neuausrichtung der Zuschussrichtlinien gefordert. Statt der bisher auf Kinder und Jugendliche beschränkten Nachwuchsförderung solle der städtische Zuschuss als Ganzes zur Verfügung stehen – aus Sicht der Feuerwehrkapellen eine fällige Anpassung an veränderte Bedingungen. Wurden bisher Unterrichtsstunden nur für Jugendliche unter 20 Jahren und nur durch qualifizierte Ausbilder zur Hälfte bezuschusst, ließen sich heutzutage die zeitlich arg gebeutelten Schüler allenfalls noch in kostspieligen Wochenend-Workshops für intensive Proben gewinnen. Zudem seien die Musikzüge auch auf Quereinsteiger über 20 Jahre angewiesen. Und auf Ausbilder ohne C-Lizenz könnten sie nicht verzichten. Dieses Profil erfüllt in Burgwedel allein Piet Sikkema in Fuhrberg, bei den übrigen Zügen machten Autodidakten den Job auch ganz gut.

Günter Dreblow: "Man kann nicht mehr wie vor 25 Jahren Musik machen." Quelle: Martin Lauber

Das gemeinsame Alarmsignal an die Stadt ist – nach Vertagung im Dezember – jetzt mit einem halben Jahr Verzögerung im Fachausschuss ge- und erhört worden: CDU, FDP und Grüne stimmten zu, jedem der fünf Ensemble 2.000 Euro jährlich (nach Verwendungsnachweis) vorab zu bewilligen. Das ist nicht mehr als die bisherige Höchstsumme, die wegen schwindenden Nachwuchses aber nicht mehr voll abgerufen wurde.

Wie Isa Huelsz (FDP) machte sich Thorsten Rieckenberg (CDU) zum Fürsprecher der neuen Zuschusspraxis. Bei kulturellen Events auf dem Dorf seien die Musikzüge nicht wegzudenken. Bei Veranstaltungen wie Seniorenfeiern, Laternenumzug und Volkstrauertag spielten sie quasi im Auftrag der Ortsräte. In einer Sitzungspause ließ Ausschussvorsitzende Babette Zülke-Thümler (CDU) auch die Betroffenen selbst zu Worte kommen. Günter Dreblow, verantwortlich für die Musikzüge von Kleinburgwedel und Engensen, warnte davor, die (Wieder-)Aufbauarbeit der letzten Jahre zu gefährden und den Antrag der Musikzüge, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, abzulehnen. Fuhrbergs Ortsbürgermeister Heinrich Neddermeyer sprach als Musikzugführer: „Wir müssen uns weiter entwickeln, sonst gehen wir unter.“

Die Ausschussmehrheit setzte sich über die dringende Bitte der Stadtverwaltung hinweg, nicht von der „bewährten Jugendförderung“ abzurücken und in eine institutionelle Förderung einzusteigen. Auch die SPD hatte davor gewarnt: Der Präzedenzfall werde die Tür öffnen für weitere Zuschusswünsche aus dem Erwachsenenbereich, so Karin Beckmann (SPD). Allenfalls zu einer 1000-Euro-Pauschale wäre wäre ihre Fraktion „in Anerkenntnis der Bedeutung der Musikzüge für die Traditionspflege“ bereit gewesen.

Kommentar: Prinzipientreue ist fehl am Platze

Dass Burgwedels Musikzüge Probleme hätten, Nachwuchs zu gewinnen, liege nicht an der Förderung, sagte Götz Gero Moeller. Und so drängte er darauf, alles beim Alten zu belassen, statt einen gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen. Auch wegen der Haushaltsdisziplin, ergänzte die SPD.

Dass die freiere Verfügung über ein 2000-Euro-Jahresbudget die Nachwuchsprobleme nicht lösen kann, da würden die Musikzüge dem Hauptamtsleiter sicher zustimmen. Aber sie brauchen die Flexibilität, um neue Wege auszuprobieren und sich für Dutzende Auftritte jährlich auf einem zeitgemäßen musikalischen Niveau spielfähig zu erhalten. Sie können es sich nicht leisten, aus Rücksicht auf Zuschussprinzipien auf die geforderte Neuausrichtung zu verzichten.

Schön, dass alle im Fachausschuss erkannt und erklärt haben, dass die Musikzüge für das Dorfleben unverzichtbar sind. Das gilt, egal, wie man zu den Traditionen von Maibaum über Volkstrauertag bis Laternenumzug steht. Schade jedoch, dass nicht alle aus dieser Erkenntnis die richtigen Schlüsse gezogen haben. Prinzipien sind für die Menschen da – und nicht umgekehrt.

Von Martin Lauber

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