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Region Burgwedel Nachrichten Das Interesse der Burgwedeler am Wolf ist riesig
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00:17 20.02.2019
Vieles wußten die Kinder schon über den Wolf, anderes erfuhren sie von Olaf Slaghekke (grünes Hemd). Quelle: Sandra Köhler
Thönse

Der Wolf ist da, ganz nahe bei Burgwedel. „Das ist einfach so, jetzt gilt es, damit umzugehen“, sagte Wald- und Wildnispädagoge Olaf Slaghekke. Um dies zu lernen und mehr zu erfahren über das Wildtier, das seit 1850 in Deutschland so gut wie nicht mehr vorkam, aber seit 2000 wieder heimisch ist, waren rund 30 Eltern und Kinder zu einem Workshop in die Grundschule im Thönse gekommen.

„Eigentlich hatten wir nur für 20 Personen geplant“, sagte der Burgwedeler Umweltkoordinator Malte Schubert. „Aber weil das Interesse so groß war, haben wir mehr zugelassen.“ Volker Wruck war einer der Väter, die die Gelegenheit ergriffen und sich mit dem Nachwuchs auf dem Weg gemacht hatte zum Workshop „Auf den Spuren der Wölfe in Burgwedel“: „Es ist spannend, mehr zu erfahren. Wir sind ohne Wölfe aufgewachsen – für unsere Kinder ist das anders. Die haben die Chance. Ich hoffe, dass wir auch noch rausgehen in den Wald, bisher war es viel Theorie.“ Sein Wunsch wurde erfüllt: Bei schönstem Frühlingswetter machten sich die Teilnehmer auf in das nahe Waldgebiet Raden, um dort nach Spuren von Wölfen Ausschau zu halten. Unwahrscheinlich sei es nicht, solche zu finden, sagte Slaghekke. „Das nächste Rudel hat sein Revier bei Witze. Und die laufen innerhalb ihres Reviers ziemlich viel, 30 bis 50 Kilometer am Tag können das schon sein.“

Auge in Auge mit dem Wolf am Golfplatz

Teilnehmer hatten nicht nur von den überfahrenen Wölfen in der Nähe gehört, sondern teilweise selbst bereits eine Begegnung mit einem Wolf gehabt. „Mein Vater kam abends spät nach Hause und hat einen gesehen“, erzählte ein Junge. Einer Mutter war ein Wolf über den Weg gelaufen, als sie mit den Hund spazieren war. „Er kam vom Golfplatz und ist in Richtung Kieskuhle gelaufen“, erzählte sie. „Ich hatte den Hund an der Leine und hätte nicht gewusst, was tun, wenn der Wolf ihn angegriffen hätte“, sagte sie. Es sei durchaus möglich, antwortete ihr Slaghekke, dass der Wolf einen Hund als Beute oder Konkurrenz ansähe. „Am Besten, sie lassen ihn an der Leine, in Verbindung mit Menschen ist das für einen Wolf noch etwas anderes.“

Unterscheidung zum Hund ist schwierig

Nicht jeder vermeintliche Wolf sei auch einer, machte Slaghekke deutlich. Nur etwa die Hälfte aller gemeldeten Wölfe seien auch welche. „Es gibt Hundearten, wie der Tschechoslowakische Wolfshund, die ihm sehr ähnlich sind. Wenn man die auf größere Entfernung sieht, kann man das nicht deutlich erkennen.“ Auch Spuren, wenn sie denn im Sand bereits verwischt wäre, seinen nicht hunderprozentig zuzuordnen. Grundsätzlich sei der Wolf hochbeiniger als Hunde, die einzelnen Pfotenabdrücke, sogenannte Trittsiegel , etwas langgezogener. Und im Kot fänden sich im Gegensatz zum Hund viele Haare, auch Knochen und Zähne. Die Eigenart von Wildtieren, mit dem Hinterpfoten in die Spuren der Vorderpfoten zu treten, mache die Zuordnung einer Fährte einfacher. „Das machen die, um Energie zu sparen“, wusste Lily auf Anhieb.

Zahlen relativieren die Gefahr

Der Wolf sei nun mal ein Wildtier und als solches nicht ungefährlich, sagte Slaghekke. Doch mithilfe von Zahlen verdeutlichte er, dass Schwarzmalerei und Panik keineswegs angemessen sei. So habe es von 1950 bis 2000 laut einer norwegischen Studie bei 15 000 Wölfe in Europa lediglich 59 Angriffe auf Menschen gegeben, 38 dieser Wölfe hatten Tollwut. Neun Attacken endeten tödlich. „Seit 20 Jahren gibt es Wölfe in Deutschland, in dieser Zeit ist kein Mensch angegriffen worden.“ Von 100 Beutetieren seien maximal ein bis zwei Schafe, die Hälfte der Nahrung bestehe aus Rehen. Von denen reißen die knapp 800 Wölfe in Deutschland jährlich gut 51 500 – allein 90 000 Kitze aber werden von Mähdreschern getötet, 200 000 bei Verkehrsunfällen und rund 1. 200 000 von Jägern geschossen.

Beim Treffen mit Wölfen Ruhe bewahren

Sich groß machen, respektvollen Abstand halten, sich rückwärts langsam zurückziehen um den Jagdreflex nicht auszulösen: Das sei am besten, wenn man auf einen Wolf treffe, riet Slaghekke: „Der schafft 40 bis 50 Stundenkilometer, weglaufen ist also nicht so schlau.“ Etwa mit Stöcken nach einem Wolf zu werfen, sei ebenfalls nicht sinnvoll: „Vielleicht denkt er, das ist ein Spiel.“ Auch sollten Wölfe keinesfalls angelockt oder gar gefüttert werden, da sie dann Menschen grundsätzlich in Verbindung mit Nahrung brächten.

Weitere Infoveranstaltungen sollen folgen

Nach so viel Wissen durften die Kinder an mehreren Stationen auch noch praktisch aktiv werden: Bei Kauen von Karotten und Banane erkundeten sie die Eigenarten des Gebisses von Fleischfressern und Pflanzenfressern. Wer Gipsabdrücke von Wolfstrittsiegeln erstellt, kann sich die Eigenarten noch besser merken. Und zahlreiche Arbeitsblätter wanderten in Mappen und dann mit nach Hause. Für den Umweltsachbearbeiter der Stadt Burgwedel ist das Thema Wolf mit dem Workshop mitnichten abgeschlossen: „Wir sind für vieles offen. Wenn Interesse besteht, kommen wir für Informationsveranstaltungen auch in die Orte. Rein für Erwachsene bedarf es dabei allerdings wohl eines anderen Formates.“

Von Sandra Köhler

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