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Der Genehmigungsantrag für den Neubau der Munitionsfabrik (rechts) folgt sechs Jahre auf den für den Vorbscheid.

Der Genehmigungsantrag für den Neubau der Munitionsfabrik (rechts) folgt sechs Jahre auf den für den Vorbscheid.
 © Martin Lauber

Oldhorst

Antrag für neue Munitionsfabrik liegt aus

2011 bekam die Langenhagener Brenneke Ammunition GmbH einen positiven Vorbescheid für den Neubau einer Munitionsfabrik bei Oldhorst. Jetzt liegt der Genehmigungsantrag zur Einsicht im Rathaus.

Oldhorst/Langenhagen.   Für den seit 2010 geplanten Neubau einer Munitionsfabrik auf dem bewaldeten Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Munitionsdepots östlich von Oldhorst liegt seit Mittwoch der Genehmigungsantrag im Rathaus in Großburgwedel aus – sechseinhalb (!) Jahre nach einem positiven Vorbescheid für das Vorhaben der Langenhagener Brenneke Ammunition GmbH. „Wir werden  von der überbordenden Bürokratie erschlagen“, sagt Geschäftsführer Peter Mank. „Ein Ende ist noch nicht in Sicht.“

Warum Brenneke investieren will

Der international bekannte Hersteller von Jagdwaffenmunition produziert seit 1971 in Langenhagen–mit steigendem Absatz. Das eigentliche Laden der Patronen, das noch an Zulieferer  vergeben ist, möchte Brenneke in eigenen Fertigungsräumen und in größeren Serien als bisher selbst erledigen. Doch für die erforderliche Ausweitung der Produktion ist der jetzige Standort am Ilmenauweg ungeeignet - unter anderem, weil zum Schutz der  Bevölkerung für  die Verarbeitung von Explosivstoffen höhere Sicherheitsabstände verlangt werden.

Großer Sicherheitsabstand

Solches Konfliktpotenzial birgt der geplante Neubau-Standort nicht. Vom alten Bundeswehr-Depot  bis zum Dorfrand von Oldhorst sind es 780 Meter Luftlinie. Auch der Lieferverkehr, den Brenneke über die B 3 abgewickeln will, müsste weder Oldhorst noch Großburgwedel passieren. Ein weiteres  Plus des 20 Hektar großen Geländes, das Brenneke  erworben hat, sind die 56 mit Erde abgedeckten Bunker aus Bundeswehrzeiten, die künftig zum Teil für das Laden von Patronen, zum anderen zur Lagerung von Explosivstoffen und von fertigen Produkten genutzt werden sollen. 

100 Meter lange Schießbahn geplant

Das eigentliche Neubauvorhaben besteht im wesentlichen aus einem Bürogebäude, einer 1.580 Quadratmeter großen Produktionshalle mit Gieß- und Montageautomaten sowie einer 100 Meter langen, auf ganzer Länge eingehausten Schießbahn aus Stahlbeton, auf der Kunden ihre Waffen mit Brenneke-Munition einschießen und Jäger sowie andere Schützen geschult werden sollen. Die wesentliche Infrastruktur ist vorhanden: Vier bis acht Meter breite Asphaltstraßen erschließen die übers ganze Waldgelände verstreuten Bunker, von denen einige reaktiviert werden sollen. 

Mank: „Uns laufen die Kosten davon“

Um die Aussichten auf eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz abschätzen zu können, hatte die Brenneke Ammunition GmbH 2010 einen Vorbescheid beantragt, der inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung 2011 positiv beschieden wurde. Niemand hatte Einwände erhoben, und trotzdem begann ein Genehmigungsmarathon.

 Unerwartet viel Zeit kostete zum Beispiel „die Klärung unterirdischer Nutzungsrechte“ nach dem Bergrecht. Außerdem gab es „Rechtsänderungen im laufenden Verfahren“, erläutert Thomas Meyer vom Gewerbeaufsichtsamt Hannover, das das Genehmigungsverfahren abwickelt.  So sei zwischenzeitlich eine  EU-Störfall-Richtlinie in deutsches Recht übernommen worden, „die vor sechs Jahren noch nicht so im Fokus stand“.

Menge der Explosionsstoffe halbiert

 Um „erweiterten Pflichten“ aus der Störfallverordnung zu entgehen, plante Brenneke um und halbierte  die Lagermenge explosionsgefährlicher Stoffe von ursprünglich geplanten 84 auf 39 Tonnen. Aber auch eine solche Veränderung – obwohl sie laut Genehmigungsbehörde das „Gefährdungspotenzial deutlich reduziert“ - sei genehmigungspflichtig und müsse erneut öffentlich ausgelegt werden, erklärt Meyer. 

Bis Ende November kann im Großburgwedeler Rathaus im Bauamt nach Anmeldung unter Telefon (05139)8973602 der dicke Ordner mit den Genehmigungsunterlagen eingesehen werden,  ebenso im Gewerbeaufsichtsamt Hannover. Je nachdem, ob und wie substantiiert Einwände vorgetragen würden, so Thoams Meyer, folge noch ein Erörterungstermin. Dafür hat die Behörde vorsorglich das Gasthaus Lahmann in Neuwarmbüchen am Mittwoch, 10. Januar, reserviert. Erst danah erwarte er die noch ausstehenden Stellungnahmen diverser Fachbehörden, sagt Meyer. 

Mank: „Uns laufen die Kosten davon“

Den Antragsteller bringt der nach mehr als sechs Jahren immer noch offene Ausgang des Genehmigungsverfahrens allmählich in Verdrückung. Die erhöhte Nachfrage „versuchen wir mithilfe externer Zulieferer aufzufangen“, sagt Mank. „Gleichzeitig laufen uns aber die Kosten davon“. Der Aufschlag gegenüber der ersten Kalkulation betrage bereits rund 20 Prozent – nicht mitgerechnet potenzielle Auflagen, mit denen im Genehmigungsbescheid noch  zu rechnen sei.

Von Martin Lauber


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