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Nachrichten Kopfnuss beim Einkauf ausgeteilt
Region Burgdorf Nachrichten Kopfnuss beim Einkauf ausgeteilt
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00:16 10.11.2017
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Burgdorf

 Strafrichterin Stephanie Rohe nahm es ganz genau. Sie widmete der Wahrheitsfindung rund um einen im Juni in einem Supermarkt ausgeteilten Kopfstoß am Montagvormittag geschlagene eineinhalb Stunden. Am Ende stand fest: Eine Körperverletzung, wie die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zur Last gelegt hatte, ließ sich in der Hauptverhandlung im altehrwürdigen Gerichtssaal 25 nicht zweifelsfrei nachweisen. Für einen Freispruch reichte es aber ebenso wenig, weil der Angeklagte nach Auffassung des Gerichts „über das Ziel hinausgeschossen“ sei, als er einen  Angriff seines vermeintlichen Opfers hatte abwehren wollen.

Auf der Anklagebank saß ein 40 Jahre alter Kurierfahrer, Vater von fünf Kindern. Der hatte einem 54-jährigen Frührentner und nach Zeugenaussagen stadtbekannten Alkoholiker im Eingangsbereich eines Supermarkts an der Straße Vor dem Celler Tor mithilfe des eigenen Oberstübchens eine Kopfnuss verpasst. Mit dem Ergebnis, dass der Kontrahent überm linken Auge eine blutende Wunde davontrug, sich anschließend zur Polizeiwache begab und Anzeige erstattete.

Der Angeklagte, der mit einem Bekannten eigentlich Grillfleisch einkaufen wollte, machte gar nicht erst den Versuch, die Kopfnuss abzustreiten. Er führte allerdings ins Feld, dass das vermeintliche Opfer sich äußerst aggressiv gebärdet habe, dazuhin laut geworden sei und schließlich ihm in der Manier eines Ku-Fu-Kämpfers bedrohlich nahe gekommen sei. Da habe er sich dann reflexartig mit dem Kopfstoß zur Wehr gesetzt, „bevor der mir eine knallt“.

Zwei Zeugen, und zwar der Begleiter des Angeklagten sowie ein Supermarkt-Mitarbeiter an der Kasse, bestätigten die Angaben. Der angeblich stark angetrunkene Mann, der dem Begleiter des Angeklagten Geld geliehen haben wollte und es an jenem Tag lautstark zurückforderte, habe seine Wut schließlich gegen den Angeklagten gerichtet, als der zu der Auseinandersetzung um alte Schulden hinzugestoßen sei und gefragt habe, was denn los sei. Dazu passte freilich nicht, dass der spätere Anzeigeerstatter nach Darstellung der Polizei mit 0,4 Promitte keineswegs stark alkoholisiert war an dem fraglich Tag. Das hatte ein Atemalkoholtest auf dem Revier ergeben.

Genauer ließ sich das Geschehen im Nachhinein nicht mehr erhellen. Auch nicht, als die Richterin den als Zeugen geladenen Frührentner von der Polizei vorführen ließ, weil der dem Prozess einfach ferngeblieben war. Im Gegenteil, der Mann hinterließ im Zeugenstand einen reichlich unsortierten und eher unglaubwürdigen Eindruck. Er ließ zudem eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen erkennen.

Strafrichterin Rohe konnte sich zu einer Verurteilung des Angeklagten dann nicht durchringen. Sie wollte die Sache aber auch nicht auf sich beruhen lassen. So stellte sie das Strafverfahren in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 150 Euro an die Landeskasse ein.

Von Joachim Dege

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