Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Ramlingen geht am Weinstock
Region Burgdorf Nachrichten Ramlingen geht am Weinstock
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:38 28.05.2018
Am Allerberg nödlich von Ramlingen entsteht direkt neben dem Wald ein Weinberg. Quelle: Dege
Burgdorf

Darf’s ein spritziger Weißwein aus Ramlingen sein? Oder doch lieber ein süffiger, im Barrique ausgebauter Roter vom Allerberg im Norden des Dorfes? – Kein Witz! In drei Jahren wollen Kartoffelbauer Gerald Meller und der Energievertriebsleiter Matthias Färber ihren ersten Wein keltern und in Flaschen abfüllen. In diesen Tagen legen sie gerade ihren Weinberg an.

Meller und Färber sind gute Jagdfreunde. Auf der gemeinsamen Pirsch vor zwei Jahren keimte die Idee, es mit dem Öko-Weinbau zu versuchen. Inzwischen ist aus der Idee ein Projekt geworden. Die beiden Männer gründeten die Meller & Färber Gesellschaft bürgerlichen Rechts und stellten Anträge auf eine Weinanbau-Lizenz. Als sie die in der Tasche hatten, machten sie sich ans Werk.

Meller und Färber bringen das erforderliche Knowhow mit. Biolandwirt Meller aus Ramlingen ist der Fachmann für den Bioanbau, Färber wohnt in Engensen und ist gelernter Winzer. Meller holte sich zusätzlich Wissen in einem Seminar des Bundesverbands für Ökologischen Weinanbau. „Ich war der einzige Nichtwinzer. Es gab natürlich Gelächter, als die erfuhren, dass ich Kartoffelbauer bin.“

Inzwischen ist auch Meller Winzer. Nicht auf dem Papier, aber im wirklichen Leben. Jedenfalls legt er seit Anfang Mai mit Färber und vielen freiwilligen Helfern seinen Weinberg an. Auch Mellers Ehefrau Dorota und Färbers Frau Anna sind mit von der Partie. Der Weinberg kann sich bereits sehen lassen. Die 5500 Quadratmeter große Anbaufläche ist seit Mitte des Monats drei Meter hoch eingezäunt. Auf dem Allerberg, wie das Flurstück von Alters her heißt, ziehen sich 15 blitzsauber gefräste und mit GPS vermessene Pflanzzeilen im Abstand von 2,30 Meter schnurgerade die leichte Anhöhe hinauf. Zwischen den Zeilen gedeiht Kleegras. Die 2000 Reben der drei Sorten Helios, Johanniter und Cabaret Noir sind im Abstand von einem Meter gepflanzt.

Die Fläche, auf der der Wein wachsen soll, ist laut Meller seit 30 Jahren ökologisch bewirtschaftet. Bioland-Wein solle es werden, sagt Meller. So sei es beim entsprechenden Branchenverband angemeldet. Winzer Färber geht davon aus, dass der Weinberg in drei Jahren bereits den halben Ertrag abwirft, in vier Jahren dann den vollen. Ein Hektar bringe im Durchschnitt 2500 bis 3000 Liter in Bioland-Qualität hervor.

Wer den Wein am Ende keltert, ob sie es selbst machen werden oder einen befreundeten Betrieb damit beauftragen, haben Meller und Färber noch nicht entschieden. Das sei auch eine Frage des Geldes. Denn das Keltern erfordere weitere Investitionen in fünfstelliger Höhe, die erst einmal gestemmt sein wollen. 30 000 Euro werden Meller und Färber nach eigenen Angaben allein in den ersten drei Jahren in ihren Weinberg gesteckt haben: für die Akazien-Pflanzstöcke, den 400 Meter langen Maschendrahtzaun um den Rebenacker, die 2000 Rebstöcke sowie die Frostschutz- und Beregnungsanlage, die sie 2019 installieren wollen.

Färber bevorzugt nach eigenem Bekunden bei Weißweinen eher den trockenen Ausbau. Die beiden pilzresistenten Weißwein-Züchtungen Helios und Johanniter will er zu einer Cuvée verschmelzen. Den roten Cabaret Noir will er reinsortig im Holzfass ausbauen. Weil der Rote mehr Sonne braucht, steht er im Westen des Weinbergs.

Nun muss freilich noch das Wetter mitspielen als zwingende Voraussetzung dafür, dass es mit dem Öko-Weinanbau nahe des 52. Breitengrades klappt: Ausreichend viele Sonnentage und genügend Niederschlag braucht es dafür. „Der Weinanbau in Ramlingen hat durch ein gemäßigtes Klima mit verhältnismäßig ausreichend hohen Niederschlägen in den heißen Sommermonaten eine berechtigte Zukunftschance, die wir nutzen wollen“, zeigen sich die beiden Weinbauern optimistisch. In fünf Jahren wollen sie mit ihren Ramlinger Tropfen auch Geld verdienen. – Na dann: Zum Wohle!“

Drei besonders pilzresistente Rebsorten

Sie gehören nicht gerade zu den Rebsorten, die bei Weintrinkern in aller Munde sind: Helios und Johanniter, zwei Weißweinsorten, die besonders pilztolerant sind. Winzer Matthias Färber will beide Sorten zu einer Cuvée verheiraten.

Helios, eine nach dem griechischen Sonnengott benannte Kreuzung aus Müller-Thurgau und Merzling, mundet nach Angaben von Färber eher blumig. Die Weine dieser Rebsorte sind nach Angaben des Staatlichen Weinbauinstitutes Freiburg, welches die Kreuzung züchtete, betont fruchtig und stoffig.

Der Johanniter, eine Kreuzung aus Riesling, Gutedel und Ruländer, ist auch noch besonders frostunempfindlich. Der Wein kommt kräftig und fruchtig daher, besitzt ähnlich wie ein Riesling eine pikante Säure und Noten von Melone und Birne. Er passt daher gut zum Essen und ist lagerfähig.

Cabaret Noir ist die Bio-Variante des Cabernet Sauvignon, darf aber nicht so heißen. Es handelt sich um eine Kreuzungskombination aus Cabernet Sauvignon und Resistenzpartnern, gezüchtet von dem Schweizer Valentin Blattner. Der Wein weist Aromen von dunkler Kirsche, Wacholderbeere und Veilchen auf. Im Geschmack erinnert er an die Würze von Nelken und Pfeffer. Reife Tannine runden das weiche Geschmacksprofil der Sorte ab.

Von Joachim Dege

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Geschicklichkeit, Geschwindigkeit und Taktik sind gefragt beim Leistungsvergleich der Feuerwehren am Sonnabendnachmittag in Ramlingen. Sieben Feuerwehren beteiligen sich.

28.05.2018

Der Seniorenrat schlägt vor, dass die Stadt ein Ehrenamtsbüro einrichtet. Das könne ehrenamtlichen Orgasisationen als Anlaufstelle dienen und Ehrenamtsarbeit noch wirkungsvoller machen.

27.05.2018

Die stummen Zeiten im Tonstudio und den Probenräumen des Jugend- und Kulturhauses JohnnyB. sind vorbei: Helmut Lilbob will die Einrichtung wieder als Anlaufpunkt für junge Musiker etablieren.

27.05.2018