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Die Architektin Maria Pfitzner stellt den Politikern die Kostenschätzungen und Pläne für die künftige  IGS vor.

Die Architektin Maria Pfitzner stellt den Politikern die Kostenschätzungen und Pläne für die künftige  IGS vor.
© Joachim Dege

Burgdorf

IGS-Neubau kostet 51 Millionen

Die Stadt muss mindestens 51 Millionen Euro in die IGS investieren. Mit der Kostenschätzung hat das mit einer Machbarkeitsstudie beauftragte Architekturbüro die Schul- und Baupolitiker   konfrontiert.

Burgdorf.  Die Integrierte Gesamtschule (IGS) kommt die Stadt weit teurer zu stehen als lange gedacht. Will die Kommune der noch im Aufbau befindlichen Integrierten Gesamtschule (IGS) die Räume und Außenanlagen zur Verfügung stellen, die diese braucht, muss sie mindestens 51 Millionen Euro investieren. Das ist das Ergebnis einer jetzt vorgestellten Machbarkeitsstudie. 

Dabei spielt es offenbar keine große Rolle, ob die Stadt auf der grünen Wiese einen Neubau errichtet, oder ob sie die ehemaligen Realschulgebäude umbauen lässt und nur ergänzt um Teilneubauten für einige Jahrgänge neben dem Stadion. Lösungen unter Einbeziehung und Ergänzung der vorhandenen Bausubstanz bergen sogar erhebliche Risiken, und zwar nicht für die Kosten, sondern mehr noch mit Blick auf die Bauzeit. Darauf wies Architektin Maria Pfitzner hin, als sie die Machbarkeitsstudie am Montagabend in einer gemeinsamen Sitzung von Schul- und Bauausschuss des Rates öffentlich vorstellte. Zumal womöglich juristische Auseinandersetzungen drohten, wenn die Stadt in ein Wohngebiet einen großen Schulkomplex implantiere, warnte Bürgermeister Alfred Baxmann.

Die Stadtverwaltung schlägt deshalb in Abstimmung mit der Architektin und der Schule einen Neubau für die IGS mit Sportaußenanlagen und einer Drei-Feld-Sporthalle vor. Bis zur Fertigstellung veranschlagt die Stadt sieben Jahre. Lösungen im Bestand dauern laut Pfitzner mindestens ein Jahr länger. 

Quelle: Joachim Dege

Das passende Grundstück für den Neubau besitzt die Stadt nicht. Sie muss es erst erwerben und einen Bebauungsplan auflegen. Die Verwaltung hat im Haushaltsplanentwurf für das nächste Jahr 2,5 Millionen Euro für den Ankauf vorgesehen.  Im Gespräch ist der Acker zwischen Technischem Hilfswerk und Sorgenser Mühle an der Straße Vor dem Celler Tor. Ein großer Teil der Fläche gehört der St.-Pankratius-Gemeinde, wie das Kirchenkreisamt bestätigte.

Die Kommunalpolitiker verständigten sich darauf, dass sich die Ratsfraktionen mit dem Großprojekt zunächst einmal intern befassen. Der Schulausschuss berät den IGS-Neubau dann am 28. November, der Bauausschuss am 5. Dezember, bevor der Rat am 14. Dezember das letzte Wort hat.

Eltern fordern eine schnelle Entscheidung

„Das ist ein ganz schöner Hammer“, stöhnte der Schulausschussvorsitzende Hartmut Braun (Grüne) nach der Präsentation der mit Spannung erwarteten IGS-Machbarkeitsstudie einschließlich Kostenschätzung für den Neubau. Damit meinte er allem voran die 51 Millionen Euro, die die Stadt eigentlich nicht hat, aber mithilfe von Krediten wird aufbringen müssen, um der IGS zu einem Schulgebäude zu verhelfen. Eine solch’ hohe Summe hatte vor Monaten schon einmal die CDU in den Raum gestellt, ohne zu wissen, ob sie realistisch ist. Bürgermeister Alfred Baxmann hatte das damals noch ins Reich der Fantasie verwiesen.

Nun herrscht Gewissheit. Und die Bauchschmerzen der CDU mit der Höhe der notwendigen Investition in eine Schule, die sie von Anfang an abgelehnt hat, ist größer denn je. Ihr Baufachmann Klaus Köneke mahnte an die finanzpolitische Vernunft des Rates und riet dazu abzuspecken: „Wenn wir einen Sack voll Geld hätten, könnten wir eine zu große Schule bauen.“ Köneke  äußerte Zweifel, dass so viele Schüler zur IGS gehen werden, wie die Schulverwaltung annimmt und deshalb von einer Sechszügigkeit ausgeht. Mit jeweils 64 Quadratmetern seien die Unterrichtsräume  zu groß dimensioniert. Wichtiger als Räume seien gute Lehrer. Drei geplante große Lehrerzimmer seien des Guten zuviel. „Wir sollten da nicht so lax rangehen und sagen: Gern einen Schluck mehr.“

Damit forderte der Christdemokrat Widerspruch heraus. Elternvertreter Günter Eggers entgegnete: „Noch schlimmer, als zu groß zu planen, ist es, zu klein zu planen.“ Das Ergebnis der Machbarkeitstudie stelle eine gute Entscheidungsgrundlage dar, weil Architekten udn Stadtverwaltung alle Eventualitäten abgeprüft hätten. Eggers sprach sich entschieden für einen Neubau aus. Auch die Architektin wehrte sich gegen den in der Raumgrößenkritik versteckten Vorwurf, die IGS habe Luxusansprüche: Inklusion und Ganztagsangebot verursachten einen höheren Flächenbedarf. Und wenn die Stadt schon 51 Millionen Euro ausgeben müsse, sollte das Raumprogramm auch den Bedürfnissen einer modernen Pädagogik Rechnung tragen.

Für die SPD-Ratsfraktion sagte Christiane Gersemann: „Wir haben beim Gymnasium Standards gesetzt. Jetzt ist die IGS dran.“ WGS-Fraktionschef Kurt-Ulrich Schulz bekannte: „Ein IGS-Neubau ist für Burgdorf das Richtige.“ Bürgermeister Alfred Baxmann erinnerte daran, dass Burgdorf „ein Gesamtpaket von Betreuung, Erziehung und Bildung stemmen“ müsse. „Eine sterbende Stadt ist teurer als eine wachsende“, assistierte Gersemann. CDU-Ratsherr Armin Pollehn sprang Köneke bei und schlug vor, auf die IGS-Oberstufe zu verzichten zugunsten eines gemeinsamen Oberstufententrums von Gymnasium, BBS-Fachgymnasien und IGS. IGS-Schulelternratsvorsitzender Jörg Fröhlich schrieb den Kommunalpolitikern ins Stammbuch: „Es ist Zeit, für die IGS etwas zu entscheiden. Entscheiden Sie endlich.“

Von Joachim Dege


Burgdorf ist ...

  • ... eine Stadt im Osten der Region Hannover mit neun Ortsteilen und rund 30.000 Einwohnern.
  • ... bekannt für Spargelanbau und  Hannoveraner-Zucht.
  • ... die Heimat des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf.
  • ... mit seiner historischen Innenstadt das ideale Ziel für einen Tagesausflug.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Burgdorf der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.