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Diesen Indianer haben Unbekannte jetzt von einem Grab gestohlen.

Diesen Indianer haben Unbekannte jetzt von einem Grab gestohlen.© privat

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Burgdorf

Diebstahl vom Grab belastet Witwe

Wut, Trauer, Fassungslosigkeit: Die Emotionen wechseln bei einer Witwe aus Burgdorf, nachdem Unbekannte in der vergangenen Woche das Grab ihres Mannes geplündert hatten - sie entwendeten einen Indianer, der einen hohen emotionalen Wert für die Familie und Freunde besitzt.

Burgdorf. Vor sechs Jahren starb der Burgdorfer, der sich stets für das Leben der Indianer interessiert hatte. "Natürlich haben wir Filme wie Winnetou gesehen", sagt die Burgdorferin. Aber das Interesse ihres Mannes reichte viel weiter: "Er las ungezählte Bücher über die Geschichte und die Schicksale der Indianer, es gab einfach eine enge Verbundenheit."

Ein beruflicher Aufenthalt in Kanada förderte das Interesse noch mehr, und deshalb suchte der Schwager des Burgdorfers, nachdem dieser verstorben war, einen Indianer für das Grab. "Mein Bruder hat lange recherchiert, bis er die Figur gefunden hatte", sagt die Witwe. Für die Familie habe der Indianer, ein Einzelstück, deshalb einen großen ideellen Wert besessen. "Denn auch mein Neffe, dessen Patenonkel mein Mann war, hatte sich an der Suche nach dem richtigen Indianer für das Grab beteiligt", sagt sie. 

Gut fünf Jahre stand die Figur auf dem Friedhof an der Uetzer Straße. "Die Farben waren etwas verblasst, deshalb habe ich einmal Klarlack aufgetragen, um sie zu schützen", sagt die Witwe. Erst Mitte Oktober hatte sie mit ihrem Bruder darüber gesprochen, welche Bedeutung der Indianer für sie und die beiden Söhne sowie Angehörige und Freunde haben und wie gut es sei, dass jener so lange schon auf dem Grab stand. Ende Oktober wollte sie ihn, wie jeden Winter, mit nach Hause nehmen und ihn vor dem Winter schützen.

"Zwei Tage später war der Indianer verschwunden", sagt die Frau. Zunächst herrschte Fassungslosigkeit: "Ich habe erst das Grab abgesucht", sagt sie. Dann kam die Wut: "Danach bin ich über den ganzen Friedhof gegangen und habe nachgeschaut." Sie habe die Friedhofsgärtner gefragt. Ihre Schwester habe die Suche in sozialen Netzwerken gepostet. Ohne Erfolg. "Nun bin ich nur noch tieftraurig", sagt sie. Auch wenn sie viel Zuspruch erfahre und es tröstlich sei zu erfahren, dass viele Menschen ihren Mann nicht vergessen hätten: "Meine Trauer kann mir niemand nehmen." Und immer stelle sie sich die Frage, wer sich den Indianer ins Haus geholt habe - und wer daran noch eine Freude haben könne. Jeden Tag gehe sie nun zum Friedhof in der Hoffnung, dass der Dieb den Indianer zurückgebracht haben könnte. 

Auf die Such-Frage der Schwester meldeten sich etliche Burgdorfer, die ebenfalls von Diebstählen berichteten. Auch Elisabeth Zywiolek von der Friedhofsverwaltung kennt das Problem: "Wir bitten deshalb die Hinterbliebenen, die Vorfälle uns und der Polizei zu melden", sagt sie und verweist auf einen entsprechenden Aufruf im Schaukasten. Denn manche legten an einem Tag ihre Blumen oder Gestecke auf die Gräber, am nächsten Tag seien sie verschwunden. "Die Menschen sind traurig und verzweifelt", weiß sie aus Erfahrung. Und: Die Diebe kämen nicht nach Einbruch der Dunkelheit, sondern meist während des Tages. 


Burgdorf ist ...

  • ... eine Stadt im Osten der Region Hannover mit neun Ortsteilen und rund 30.000 Einwohnern.
  • ... bekannt für Spargelanbau und  Hannoveraner-Zucht.
  • ... die Heimat des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf.
  • ... mit seiner historischen Innenstadt das ideale Ziel für einen Tagesausflug.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Burgdorf der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.