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Heilpraktikerin Janine Bischoff beginnt bei HAZ-Redakteur Joachim Dege mit der Hypnose.

Heilpraktikerin Janine Bischoff beginnt bei HAZ-Redakteur Joachim Dege mit der Hypnose.© Stefan Heinze

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Burgdorf

Mit Hypnose tiefenentspannt abnehmen

Abnehmen ist hartes Brot. Dazu braucht es eine Menge Disziplin. Das sagt jeder. Aber stimmt das überhaupt? Gibt es vielleicht eine weniger selbstkasteiende Methode, überflüssige Pfunde abzuschmelzen? Ich habe es mit Hypnose versucht – ein Selbstversuch.

Ehlershausen. Die Sache ist die: Ich habe locker 25 Kilogramm zu viel auf den Rippen und will sie loswerden. Nicht in kürzester Zeit. Aber im Laufe eines Jahres wäre schon schön – so mein Vorsatz für das neue Jahr. Mein Problem ist, dass es mir schmeckt. Und zwar alles. Tagsüber kann ich an mich halten. Bin allenfalls anfällig für den süßen Snack zwischendurch. Abends freilich übt der Kühlschrank eine übermächtige Anziehungskraft auf mich aus. Auch dann, wenn mein Hunger längst gestillt ist. Und dann wäre da noch meine Schwäche für einen edlen Tropfen Rebensaft.

Janine Bischoff ist Heilpraktikerin für Psychotherapie. In ihrer Praxis an der Ramlinger Straße 8 in Ehlershausen bietet sie verschiedene Behandlungsformen an: Gesprächstherapie und Schreibtherapie etwa. Und Hypnose. Unter anderem zur Gewichtsreduzierung. Sie sagt, sie könne mir helfen.

Der Patient nimmt alles wahr

Schon meldet sich das Kopfkino. Hypnose: Was macht das wohl mit mir? Bischoff beruhigt mich, indem sie aufräumt mit einem weit verbreiteten Vorurteil, wonach der Patient – ist er erst einmal in Trance versetzt – dem Hypnotiseur ausgeliefert sei. Der Patient nehme alles sehr genau wahr, versichert die Heilpraktikerin. An alles, was während der Hypnose geschieht, könne er sich anschließend erinnern. Eine Kollegin von mir bestätigt das. Sie hat sich vor Jahren mit Hypnose das Raumen erfolgreich abgewöhnt. So lasse auch ich mich darauf ein.

Bischoffs Praxisräume verströmen eine Wohlfühlatmosphäre. Sie sind licht gestaltet. Es duftet dort nach Zitrone. Grünpflanzen sind unaufdringlich drapiert in dem großen Raum, in dessen Mitte zwei beige Sessel und ein kleiner Tisch fürs Anamnese-Gespräch bereitstehen. Bischoff und ich sitzen uns dort gegenüber. Sie erkundigt sich nach meinen Essgewohnheiten, die ich willig preisgebe in der Zuversicht, dass sich schon bald spürbare Veränderungen einstellen werden. Sie macht sich viele Notizen.

Hypnose, das sei das zeitweise Aufheben der Grenze zwischen dem strukturierten Bewusstsein und dem Unterbewusstsein, in dem sich alles Erlebte ungeordnet sammle, klärt mich Bischoff auf. Sie will meinem Unterbewusstsein sogenannte Suggestionen beimengen. Diese sollen mein Essverhalten beeinflussen. Ich nehme in einer mit Paravent geschützten Sitzecke in einem bequemen Sessel Platz, lege meine Füße hoch und bekomme eine Wolldecke über die Beine gelegt.

Die Hypnose kann beginnen. Bischoff lenkt den Blick meiner Augen nach oben auf ihre Hand vor meiner Stirn, wischt dann schnell nach unten. Meine Augen fallen zu. Nun spricht sie mit ruhiger, eindringlicher Stimme auf mich ein, beschreibt ähnlich wie beim Meditieren, wie sich meine Körperteile nacheinander entspannen. Bis ich schließlich in einen tiefen Entspannungszustand eintauche.

Ich höre nur noch die Stimme der Heilpraktikerin, blende alles andere aus. Bischoff gibt mir auf, fortan zwischen den drei Mahlzeiten am Tag nichts mehr zu mir zu nehmen. Außer Wasser und Tee. Der Gang zum Kühlschrank nach dem Abendbrot soll mir nicht einmal mehr in den Sinn kommen. Wenn ich versucht sei, Süßes zu naschen, soll mir schon ein kleines Stück genügen. Das soll ich mir mit höchstem Genuss auf der Zunge zergehen lassen. Wein verbietet sie mir nicht. Ich soll ihn aber in kleinsten Dosen nur mehr nippen und jeden Tropfen genießen. In einem Jahr sei dann das Wunschgewicht von 80 Kilogramm erreicht.

Schneller Erfolg ist nicht so leicht

Das alles nehme ich tiefenentspannt in mir auf. Bis Bischoff mich rückwärtszählend in den Alltag zurückholt. Ich habe das Gefühl, das alles hat höchstens eine Viertelstunde lang gedauert. In Wirklichkeit sind 50 Minuten vergangen.

Noch am gleichen Arbeitstag fällt mir auf, dass ich bis zum Abendessen nicht einmal mehr ans Naschen denke. Am Abend dann die Probe aufs Exempel. Ich schenke mir eine Glas Wein ein. Und schmecke daran: Es mundet. Aber vom halb vollen Glas schaffe ich die Hälfte. Nippend.

Tatsächlich fühle ich mich seither etwas weniger getrieben, was meine kulinarischen Gelüste angeht. Allein, die Pfunde sind noch längst nicht gepurzelt. Nicht einmal andeutungsweise, wie jeder, der mich kennt, sofort sieht. Das könnte am Stoffwechsel liegen, der sich vielleicht erst noch umstellen muss. „Es gibt keine Heilung auf Knopfdruck. Um ein Problem loszuwerden, muss man bereit sein zur Veränderung“, sagt Bischoff.

 Die Heilpraktikerin hatte mich darauf vorbereitet, dass sich der schnelle Erfolg womöglich nicht so leicht einstellen wird, wie ich es mir wünsche. Bei 80 Prozent ihrer Patienten funktioniere die Gewichtsreduzierung mit einer Hypnose-Sitzung. 15 Prozent bräuchten eine weitere. An 5 Prozent beiße sie sich die Zähne aus. Zu welcher Gruppe ich gehöre, das weiß ich noch nicht. Bis zum Erreichen der Wunsch-80 auf der Waage habe ich aber auch noch fast ein ganzes Jahr Zeit.

Schönheitschirurgin für den Kopf

Janine Bischoff (30) stammt aus Röddensen. Sie lebt seit sieben Jahren in Burgdorf. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Lehrte absolvierte sie eine Lehre als Bankkauffrau in einem Geldinstitut in Hannover. Viel lieber hätte sie Medizin studiert. Der hohe Numerus clausus ließ das aber nicht zu.

Nach der Ausbildung zog es Bischoff für ein Jahr in die Schweiz, wo sie ihren Flugschein als Fallschirmspringerin machte. Anschließend heuerte sie in der Flugschule als Mädchen für alles an. 2012 kehrte sie zurück in die Heimat, um bis Dezember 2015 bei ihrem früheren Arbeitgeber in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten. Dort freilich fühlte sie sich nach eigener Aussage wie ein „Pinguin in der Wüste“.
Deshalb wagte sie nach erfolgreicher Heilpraktikerausbildung und mithilfe eines Gründerzuschusses der Agentur für Arbeit schließlich im Frühjahr 2016 den Sprung in die Selbstständigkeit.

In der Kundenberatung der Bank erlernte Kommunikationstechniken helfen Bischoff in ihrer Firma ebenso wie das Verständnis für Zahlen. Ihren Businessplan für den eigenen Praxisbetrieb schrieb sie selbst. Nach Bischoffs Einschätzung gibt es einen Markt für die von ihr angebotene Dienstleistung: „Ich bin Schönheitschirurgin für den Kopf und die Psyche.“ Der Bedarf an Therapeuten sei groß, sagt sie. Vielen allerdings falle es nicht leicht, für ihre Seele gut zu sorgen und dafür auch noch zu bezahlen.

Der Heilpraktiker für Psychotherapie

In Deutschland ist es seit dem Jahr 1993 möglich, eine Zulassung zur Ausübung der Heilkunde als Heilpraktiker eingeschränkt für Psychotherapie, auch Kleiner Heilpraktiker genannt, zu erhalten. An der Schule für Naturheilkunde „Lebensblüte“ in Hannover-Bothfeld, an der Janine Bischoff nebenbei als Dozentin arbeitet, dauert die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie neun Monate. Sie kostet dort 1200 Euro.

Während der Ausbildung erhielten die Schüler Kenntnisse von psychiatrischen und psychologischen Krankheiten sowie deren Befunderhebung, heißt es auf der Internetseite von „Lebensblüte“. Die Kursteilnehmer lernten eine Vielzahl von Krankheitsbildern wie Psychosen, Neurosen und Reaktionsstörungen, Schizophrenie, Psychosomatik und die Erkrankungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie kennen und erkennen.

Die Ausbildungsinhalte orientierten sich am schulmedizinischen Wissen für die psychiatrische Facharztausbildung. Kriseninterventionen, Notfälle und Psychopharmaka in Anwendung und Wirkung würden ebenso besprochen wie Gesetzeskunde und Ethik. Für die Hypnose-Therapie bedarf es der Zusatzausbildung. Die Therapie kommt zum Einsatz bei Angstzuständen, Phobien, posttraumatischen Belastungsstörungen, Schlafstörungen, psychosomatischen Erkrankungen, bei der Raucherentwöhnung, Gewichtsreduzierung und bei Sexualstörungen. Die Abrechnung erfolgt direkt mit dem Patienten.


Burgdorf ist ...

  • ... eine Stadt im Osten der Region Hannover mit neun Ortsteilen und rund 30.000 Einwohnern.
  • ... bekannt für Spargelanbau und  Hannoveraner-Zucht.
  • ... die Heimat des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf.
  • ... mit seiner historischen Innenstadt das ideale Ziel für einen Tagesausflug.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Burgdorf der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.