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Die Magazne, in denen VVV-Helfer wie Jürgen Mollenhauer und Horst Hübner, das Gedächtnis der Stadt aufbewahren, sind voll.

Die Magazne, in denen VVV-Helfer wie Jürgen Mollenhauer und Horst Hübner, das Gedächtnis der Stadt aufbewahren, sind voll.
© Joachim Lührs

Burgdorf

Gedächtnis der Stadt platzt aus allen Nähten

Der Verkehrs- und Verschönerungs-Verein (VVV) sammelt, was die Stadtgeschichte hergibt. Nun sind seine Magazine randvoll. Das Gedächtnis der Stadt braucht dringend neue Lagerstätten.

Burgdorf.  Langsam wird’s eng: Die Magazine, in denen der Verkehrs- und Verschönerungs-Verein (VVV) sammelt, was die Stadtgeschichte so hergibt, sind randvoll. Das „Gedächtnis der Stadt“, wie VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich die Sammlungen nennt, platzt aus allen Nähten. Neue, dringend benötigte Räume sind nicht in Sicht.

Vergangene Woche erst bekam der VVV von einem Besucher des Museums ein stadtgeschichtlich relevantes Foto aus alten Tagen angeboten. Noch nicht lange ist es her, dass Erben aus dem Kölner Raum an Bleich herantraten mit vier Damenhauben aus den 1920-er Jahren. Sie stammen aus dem Nachlass eines Otzer Schulmeisters. In dem einen wie dem anderen Fall fand sich gerade noch ein Plätzchen in den Magazinen des VVV. Aber auch nur, weil beides nicht viel Platz benötigt.

Vorbei sei die Zeit, da der VVV alles habe annehmen können, bedauert Bleich. Es fehle schlicht am Platz zum Aufbewahren, sagt er. Bisweilen brächten die Leute „badewannenweise Bücher und andere Exponate von früher“. Das alles schaue sich der VVV ganz genau an. Immerhin bestücke der Verein aus dem eigenen Fundus 14 bis 18 Ausstellungen im Jahr im Stadtmuseum an der Schmiedestraße und in der KulturWerkStadt an der Poststraße. 

Schon in einer Schulausschusssitzung des Rates Mitte August hatte Bleich Alarm geschlagen und Stadtspitze wie Kommunalpolitiker händeringend um Unterstützung gebeten bei der Suche nach neuen Räumen, in denen der VVV seine Sammlungen unterbringen kann. Trocken sollten die Räuume sein, frei zugänglich und nach Möglichkeit dürften sie nichts kosten, schilderte Bleich im Sommer das Anforderungsprofil: „Da muss etwas passieren. Viele ältere Burgdorfer haben die Keller voll. Wir aber können nichts mehr annehmen.“

Bürgermeister Alfred Baxmann sagte damals spontan Hilfe zu. Spätestens bis zu den Etatberatungen werde die Verwaltung einen Vorschlag machen. Einen solchen gibt es nach wie vor nicht. „Wir gucken immer mal. Aber es ist verdammt schwer, einen Raum zu finden“, räumt Baxmann ein.

Der VVV habe die Ehrenbürgerschaftsurkunde Adolf Hitlers ebenso im Archiv wie die Schaufel vom 1. Spatenstich der Umgehungsstraße, sagt Bleich. Im Keller einer Schule lagere die größte Zinnfigurensammlung der Bundesrepublik , im Keller einer Sporthalle die Radfahrgalerie, eine der wertvollsten Sammlungen ihrer Art in ganz Deustchland. Im Oberstübchen der KulturWerkStadt stapelten sich alte Fotos. Sämtliche Stadtpläne Burgdorfs lagerten in den übers ganze Stadtgebiet verteilten Magazinen ebenso wie Zeichnungen mit Burgdorf-Motiven, Firmen- und Vereinsgeschichten und eine Sammlung mit Poesiealben und Adressbüchern. 

Das ist längst nicht alles. 4000 Exponate seien es summa summarum, alles sei digitalisiert aufgelistet. „Das alles gehört der Stadt. Wir verwahren ihr Gedächtnis“, sagt Bleich. Wir? Das sind außer ihm selbst der langjährige Chefarchivar Jürgen Mollenhauer, den in dieser Funktion mittlerweile Gerhard Gruber abgelöst hat. Um die Zinnfiguren kümmert sich Horst Hübner, um die Radfahrgalerie Gerhard Rückert. „Eine tolle Leistung der Ehrenamtlichen“, die sich da um den ständig wachsenden Stadtgeschichte-Fundus kümmere, lobt Bürgermeister Baxmann bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Das Ausstellungsprogramm 2018

Der Verkehrs- und Verschönerungs-Verein (VVV) plant für das kommende Jahr 16 Ausstellungen in seinen beiden Häusern Stadtmuseum und KulturWerkStadt. Die Ausstellungen im Einzelnen:

Stadtmuseum

Seit 25. November bis 14. Januar: „Puppentheater – gestern und heute“.

27. Januar bis 2. April: „ Burgdorf – klingt gut!“, eine Ausstellung zu dem vom Stadtmarketingverein ausgerufenen Themenjahr. 

14. April bis 27. Mai: „90 Jahre VVV – 90 Jahre für Burgdorf“.

2. Juni bis 24. Juni: „Selbsthilfe zeigt Gesicht“.

14. Juli bis 26. August: „Burgdorf in schwarzweiß – Fotos aus 100 Jahren Stadtgeschichte“.

1. September bis 28. Oktober: „Das Phänomen Sherlock Holmes – wie der berühmteste Detektiv der Welt entstand“, Ausstellung von Zinnfiguren.

3. und 4. November: „Kunst und Handwerk“; Ausstellung zur Geschichte der Schönheit.

17. und 18. November: „Murmiland“, Mitspielausstellung einer mobilen Murmelbahn.

8. Dezember bis 16. Februar 2019: „Glück auf, der Staiger kommt – Bergleute und Ölarbeiter aus Burgdorf und Umgebung“.

KulturWerkStadt

Seit 2. Dezember bis 21. Januar: „Leidenschaft – das geht nie vorbei“.

17. Februar bis 8. April: „Burgdorfer Köpfe“.

21. April bis 10. Juni: „Das Faltrad: vom Klapprad bis zum Origami auf Rädern“, Ausstellung der Radfahrgalerie.

30. Juni bis 19. August: „Die letzten ihrer Art“.

25. August bis 7. Oktober: „Lego im Wandel der Zeit“.

13. Oktober bis 4. November: „KunstWerkStadt“.

17. November bis 27. Januar 2019: „Modelldampfmaschinen – mehr als nur ein Spielzeug“.

 

Von Joachim Dege


Burgdorf ist ...

  • ... eine Stadt im Osten der Region Hannover mit neun Ortsteilen und rund 30.000 Einwohnern.
  • ... bekannt für Spargelanbau und  Hannoveraner-Zucht.
  • ... die Heimat des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf.
  • ... mit seiner historischen Innenstadt das ideale Ziel für einen Tagesausflug.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Burgdorf der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.