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Der CDU-Stadtverband Burgdorf steht zurzeit unter keinem guten Stern.

Der CDU-Stadtverband Burgdorf steht zurzeit unter keinem guten Stern.
© Joachim Dege

Burgdorf

Ex-Ratsherr und DRK-Chef kehrt CDU den Rücken

Erst verliert die CDU-Fraktion zwei Ratsherren. Dann erklärt der Ex-Ratsherr und DRK-Vorsitzende Gero von Oettingen seinen Austritt aus der Partei. Nun löst sich auch noch die Junge Union auf.

Burgdorf.  Nach dem Übertritt der beiden Ratsherren Rüdiger Nijenhof und Lukas Kirstein zu den Freien Burgdorfern im Oktober muss die CDU einen weiteren Schlag ins Kontor hinnehmen: Der in der Stadt exzellent vernetzte DRK-Vorsitzende und Ex-Ratsherr Gero von Oettingen hat seinen Parteiaustritt erklärt. Mehr noch: Die Junge Union ist quasi nicht mehr existent.

„Ich habe mich da nicht mehr aufgehoben gefühlt“, sagt der 73 Jahre alte von Oettingen, der in den Neunzigerjahren zur CDU stieß und für die Partei in der vergangenen Wahlperiode dem Rat angehörte. Dort vertrat er die Fraktion im Sozialausschuss und im Jugendhilfeausschuss. Außerhalb der Partei fungiert er auch noch als stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins des Mehrgenerationenhauses, gehört dem erweitereten VVV-Vorstand an, organisiert fürs DRK Möbeltransporte und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe.

Von Oettingen nimmt für sich in Anspruch, so etwas wie das soziale Gewissen der Partei gewesen zu sein. „Das Soziale aber wird von den Verantwortlichen in der CDU in Burgdorf nicht unterstützt“, kritisiert nicht nur von Oettingen. Egal, ob er zur Arbeiterwohlfahrt oder zur Diakonie gegangen sei, nie hätten sich dort andere aus dem Vorstand oder der Fraktion blicken lassen. Auch mit Vorschlägen zur Integration neuer Leute sei er nicht durchgedrungen. Mehr und mehr hätten er und die CDU sich wie in einer Ehe auseinandergelebt. „Irgendwann musste ich die Reißleine ziehen“, sagt der DRK-Vorsitzende, der in diesem Amt jetzt mehr Freiheit verspürt, weil er nicht länger parteipolitisch gebunden sei.

Zwei Mandatsträger, die der CDU-Ratsfraktion den Rücken gekehrt haben, sind am Aufhänger im Schaufenster des Parteibüros überklebt worden

Zwei Mandatsträger, die der CDU-Ratsfraktion den Rücken gekehrt haben, sind am Aufhänger im Schaufenster des Parteibüros überklebt worden.

Quelle: Joachim Dege

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Armin Pollehn bestreitet nicht, dass der Austritt der beiden Ratsmitglieder Nijenhof und Kirstein Emotionen ausgelöst habe. Dieser Rückschlag und von Oettingens Austritt habe die Partei zum Anlass genommen, in einer Mitgliederversammlung am 10. November die Geschehnisse kritisch und konstruktiv aufzuarbeiten. Die CDU, deren Mitgliederzahl von 150 sich auf einem konstanten Level befinde, habe sich wieder gefunden, sagt der designierte Bürgermeisterkandidat.

Insinder sprechen indessen von höchstens noch 130 Mitgliedern. Ehemalige Funktionsträger der Partei, die namentlich nicht genannt werden wollen, halten dem amtierenden CDU-Vorstand vor, dass er den Blick fürs Gemeinwohl verloren habe und zudem „von der FDP gekapert“ worden sei. Pollehn selbst war vormals FDP-Vorsitzender in der Stadt. Auch Vorstandsmitglied Robert Apel kommt ursprünglich von der FDP, mit der die CDU im Rat eine Gruppe bildet.

Derweil befindet sich auch die Junge Union in Auflösung nach mehreren Austritten. Der Vorsitzende Niklas-Timm Grantz hat mittlerweile ein Studium in Jena aufgenommen und sich zur CDU dort umschreiben lassen. Eine Mitgliederversammlung Ende des Jahres soll klären, wie und ob es weitergeht.

Von Joachim Dege


Burgdorf ist ...

  • ... eine Stadt im Osten der Region Hannover mit neun Ortsteilen und rund 30.000 Einwohnern.
  • ... bekannt für Spargelanbau und  Hannoveraner-Zucht.
  • ... die Heimat des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf.
  • ... mit seiner historischen Innenstadt das ideale Ziel für einen Tagesausflug.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Burgdorf der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.