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Region Burgdorf Nachrichten Rohwasser für Wasserwerk ist mit Nickel belastet
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00:28 28.05.2018
Auch wenn das Rohwasser mit Nickel belastet ist, das Trinkwasser, das in Burgdorf, Heeßel und Hülptingsen aus dem Hahn kommt, ist sauber. Quelle: Symbolbild
Burgdorf

Das Rohwasser, das die Brunnen des Wasserwerks im Norden der Stadt fördern, sei mit Nickel sowie Herbiziden und deren Abbauprodukte belastet, kritisiert der Linken-Ratsherr und Regionsabgeordnete. Die Belastung mit chemischen Substanzen aus den Pflanzenschutzmitteln lägen zwar knapp unterhalb der zulässigen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung, könnten sich nach Auskunft von Experten jedoch in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken, sagt Fleischmann. Nickel überschreite den Grenzwert von 0,020 Milligramm (mg) pro Liter. Im Rohwasser des dritten Brunnens wurden 0,0375 und im vierten Brunnen 0,0277 mg pro Liter gemessen.

Ratsherr fordert Ausbau des Warnsystems

„Ich sehe Handlungsbedarf“, betont Fleischmann. In seinem Antrag an der Rat der Stadt formuliert er klare Forderungen. Er verlangt weitere Vorfeld-Messstellen, die quasi als Warnsystem für Verschmutzungen dienen, anzulegen. Bislang gibt es fünf, vier davon liegen auf der westlichen Seite der Bahn. Erforderlich seien sie jedoch in alle Richtungen, argumentiert Fleischmann. Des Weiteren will er, dass die Stadt die Ursachen für die Belastungen untersucht und diese abstellt: „Die Verursacher sollen den höheren Filteraufwand bezahlen und nicht die Verbraucher.“

Diese Forderungen gingen dem Umweltausschuss des Rates, der über Fleischmanns Antrag beraten hat, zu weit. „Aus dem Hahn kommt sauberes Trinkwasser“, stellte Michael Rheinhardt (SPD) klar, „trotzdem ist die Thematik uns wichtig.“ Doch mit einzelnen Punkten des Antrags habe er Probleme. „Ich sehe das Verursacherprinzip eher skeptisch, wie soll man die Verursacher feststellen, das wäre mit sehr hohem Aufwand verbunden.“ Ähnlich sahen es die anderen Ausschussmitglieder. Klaus Köneke (CDU) verwies darauf, dass beispielsweise im Grundwasser noch immer Abbauprodukte des Herbizids Atrazin nachgewiesen würden, dabei sei das Mittel zuletzt vor etwa 40 Jahren eingesetzt worden.

Den Vorschlag seiner Ratskollegen, den Antrag erst zurückzustellen und sich zunächst von Experten des Burgdorfer Wasserwerks informieren zu lassen, lehnte Fleischmann ab. Er blieb bei den Forderungen seines Antrags, denn „es ist fünf Minuten nach zwölf“. Denen wollten die anderen Ausschussmitglieder aber nicht folgen und lehnten den Antrag ab.

„Nickel im Rohwasser ist natürlichen Ursprungs“

„Wir liefern einwandfreies Trinkwasser“, sagt auch Olaf Cassens, Leiter des Netzgebiet West der Purena GmbH, die für die Betriebsführung des Burgdorfer Wasserwerks zuständig ist. Die Analysewerte seien auf der Homepage des Wasserwerks nachzulesen, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. Burgdorfs Wasserwerk, das im Jahr 2000 in Betrieb gegangen ist, fördert laut Cassens rund 950 000 Kubikmeter Rohwasser pro Jahr aus etwa 26 bis 27 Meter Tiefe. Das Einzugsgebiet hat eine Größe von rund sieben Quadratkilometern. Es liegt nordwestlich Burgdorfs und unter der Nordstadt. Die südliche Grenze verläuft zwischen Mönkeburg- und Dorfstraße. Im Osten ist das Gebiet von der Sorgenser Straße und der B 188 begrenzt.

„Das geförderte Rohwasser enthält unter anderem Nickel, das Pflanzenschutzmittel Ethidimuron und Abbauprodukte anderer Pflanzenschutzmittel“, erklärt Cassens. Verursacher der Ethidimuron-Belastung, die über dem zulässigen Grenzwert liegt, war die Bahn, die ihre Gleisanlagen mit dem Herbizid unkrautfrei hielt. Sie hat an die Stadt 1 Million Euro Schadensersatz bezahlt. Dafür wurde im Wasserwerk eine Aktivkohle-Filteranlage eingebaut. „Der Wirkstoff wird total herausgefiltert“, versichert Cassens. Die Anlage halte auch andere Pflanzenschutzmittel zurück.

Die hohe Nickelbelastung des Wassers sei seit Langem bekannt und untersucht worden, sagt Cassens. Das Ergebnis: Nickel ist keine Altlast des einstigen Entzinnungswerks, sondern natürlichen Ursprungs wie Eisen und Mangan auch. Der Gehalt aller drei Substanzen überschreitet jedoch den zulässigen Grenzwert der Trinkwasserverordnung. Deshalb wird das Rohwasser durch Quarzsandfilter geleitet.

Kaum Nitrat in den Förderbrunnen

Der Nitratgehalt des Rohwassers in den Förderbrunnen ist hingegen sehr niedrig. Er liege zwischen 1 und 1,6 Milligramm pro Liter, erklärt Cassens und beruft sich dabei auf eine Analyse vom 19. März 2018. Nur an einer der fünf Vorfeld-Messstellen seien am 26. März 86 Milligramm pro Liter gemessen worden. Der zulässige Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Die Forderung Fleischmanns nach mehr Vorfeld-Messstellen hält Cassens nicht für zielführend. „Sie werden keinen weiteren Erkenntnisgewinn bringen.“

Von Anette Wulf-Dettmer

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