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Region Burgdorf Nachrichten Naturidylle am Teich ohne Schwan
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00:16 02.08.2018
Ein Idyll: Der Schwanenteich im Stadtpark. Quelle: Köhler
Burgdorf

Die Burgdorfer haben es gut: Nur ein paar Schritte von der Innenstadt entfernt erwartet sie mit dem Stadtpark ein Kleinod. Dort können sie die Natur in Reinform erleben – ideal zum Entpannen in der Mittagspause. Wohl eine der schönsten und idyllischsten Ecken ist der sogenannte Schwanenteich. Der wurde in den 1930-er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts angelegt und ist bis zu 1, 20 Meter tief.

Die Enten im Stadtpark haben ihre Scheu verloren und kommen neugierig angeschwommen. Quelle: Köhler

Umstanden von schattenspendenden Weiden und anderen Bäumen, laden dort etliche Bänke ein, die Seele baumeln zu lassen. Oder dazu, sich einfangen zu lassen vom Glitzern der Sonne auf dem Wasser dem Treiben der Stockenten und Teichhühner zuzuschauen, schillernde Libellen zu entdecken, die ihre Kreise über der Wasseroberfläche drehen und einen Zwischenstopp einlegen auf Pflanzen am Ufer des 7000 Quadratmeter großen Gewässers. Auch Karpfen gibt es darin zu bestaunen. Ein Fischereiverein zieht sie dort auf. Wer will, kann auch einfach nur zuhören. In die Umgebung gibt es eine große Artenvielfalt an Kleinsingvögeln. Einzig der Namensgeber bleibt diesem Fleckchen Erde fern: Der Schwan.

„Vielleicht fehlen ihm die Nistmöglichkeiten, weil es keinen Schilf gibt“, vermutet Ernst Schmidt vom Naturschutzbund (Nabu): „Der Name ist das eine, die Realität das andere.“ Ein Blick in die Zeitgeschichtlichen Hefte der Stadt Burgdorf freilich verrät, dass es zweimal zumindest für kurze Zeit Schwäne auf dem Schwanenteich gab: „Odje und Li treffen am 22. Juni 1936 aus Hagenbecks Tierpark, Hamburg, in Burgdorf ein. Sie haben sofort auf dem großen Teich im Stadtpark Quartier be­zogen. Es han­delt sich um ein stolzes Schwanen­paar, das der Kaf­feeplantagenbe­sitzer Wilhelm Asseburg der Stadt ge­schenkt hat. Die Schwäne sollen in der Mitte des Teiches eine Schutz- und Nistgelegenheit erhalten.“ 1979 schließlich ließ der Verkehrs- und Verschönerungs-Verein (VVV) 300 Deutsche Mark für ein Schwanenpaar springen. „Viele Burgdorfer schauen zu. Schwäne leben in strenger Einehe. Nachwuchs ist deshalb zu erwarten. Der kleine See im Burgdorfer Stadtpark trägt seine volkstümliche Bezeichnung Schwanenteich nun wieder zu Recht“, heißt es in den Geschichtsheften.

Auch wenn das Wasser im Teich trübe anmutet: „Die Wasserqualität ist wirklich gut, das System absolut im Gleichgewicht“, behauptet Schmidt. Somit sei das immer wieder einmal angeregte Entschlammen nicht notwendig.

Auch die Pflanzenwelt am Teich hat ihre Reize. Quelle: Köhler

Trotz der Hitze verliert der Schwanenteich auch im Sommer kaum Wasser. „Da sind der Zulauf der aus dem Hainholzbach und der Ablauf in den Möschgraben wohl ausreichend.“ Bei den Amphibienteichen, die der Nabu an verschiedenen Stellen unterhält, verhält es sich anders. „Die können aber auch im Sommer schon mal trocken fallen. Das ist nicht schlimm, denn die Amphibien sind dann mit ihrer Fortpflanzung längst durch.“ Teiche, sagt Schmidt, seien sowohl im Großen als auch im Kleinen wertvoll: „Nicht viele Städte haben in Kombination mit dem Stadtpark etwas so Schönes wie Burgdorf vorzuweisen.“ Einige Probleme, die in den vergangenen Jahren im Umfeld des Teiches Kopfzerbrechen machten, seien gottlob behoben. „Am Ufer gab es Bambusrohr, das sich so vermehrte, dass es kaum einzudämmen war“, erinnert sich Schmidt. Das sei mittlerweile Geschichte.

Auf dieser Tafel informiert der Nabu über die vorkommenden Wasservögel. Quelle: Köhler

Auch die übermäßige Entenpopulation auf dem Schwanenteich und an der Aue habe sich mittlerweile normalisiert, weil es mithilfe von Infotafeln und persönlicher Ansprache gelungen sei, das Füttern einzudämmen. „Die Enten finden in der Natur genug zu fressen“, sagt Schmidt. Zudem sei Brot salzig und quelle in den Mägen der Vögel auf. Auch für die Wasserqualität sei es abträglich: „Wenn Massen an Brot und Kot ins Wasser gelangen, droht eine Überdüngung. Die Wasserpflanzen wachsen dann unverhältnismäßig stark“, sagt Schmidt. Um die zu zersetzen, sei viel Sauerstoff nötig. Im schlimmsten könne der Teich umkippen. Und wäre dann verloren als Lebensraum für Tier und Pflanzen, als positiver Faktor fürs Ökoklima, und als Naherholungsraum.

 

Von Sandra Köhler

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