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Nachrichten Frischzellenkur für Vivaldis „Jahreszeiten“
Region Burgdorf Nachrichten Frischzellenkur für Vivaldis „Jahreszeiten“
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00:15 15.02.2018
Das Bremer Barockorchester interpretiert Vivaldis "Vier Jahreszeiten" im Saal des Burgdorfer Schlosses in kammermusikalischer Besetzung. Quelle: Dege
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Burgdorf

 Kein ein Starviolinist, kein Orchester von Rang, die sich nicht abgearbeitet hätten an Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Wer aber glaubte, er habe die mitreißendste Interpretation der 1725 veröffentlichten Violinenkonzerte längst gehört, sah sich am Sonntagabend im Schloss eines Besseren belehrt. Das Bremer Barockorchester (BBO) unter der Leitung des Cellisten Néstor Cortés legte eine so frische und überzeugende Version dieses berühmten Meisterwerks vor, dass sich der Eindruck einstellen konnte, die Noten seien gerade eben erst für genau diesen Anlass komponiert worden.

Der Kulturverein Scena hatte wieder mal Händchen bewiesen. Nicht nur dass er – endlich, möchte man meinen – Vivaldis „Jahreszeiten“ zum krönenden Abschluss der sechsten Saison seiner gleichnamigen Kammermusikreihe präsentierte. Mit dem Bremer Barockorchester hatten die Konzertmacher zudem ein Ensemble nach Burgdorf geholt, das vor interpretatorischen Ideen nur so sprudelte. Und das sich zugleich so sympathisch bescheiden gab mit dem Hinweis, es finde sich ja alles in der Originalpartitur genau so vorgegeben. Was umgehend die Frage aufwirft, warum sich der Zyklus vielfach so anhört, als sei er mit dem Weichspüler behandelt?

Mit Weichmachern hatten die neun Musiker aus Japan, Russland, Ungarn, Kolumbien, Portugal, Spanien, Mexiko und Deutschland nun wahrlich nichts am Hut, beziehungsweise an den Saiten. Das Publikum bekam es mit einem Klangkörper zu tun, der musikalisch kompromisslos die Hosen runter ließ, so pur und authentisch gerieten die Naturdarstellungen in Tönen. 

Wo im Frühlingskonzert zarte Gehversuche der Sonne über den Umweg der Ohrmuschel vor dem inneren Auge aufstrahlen sollten, hauchten die Violinen ein durchsichtiges Allegro hin. So zärtlich und zurückhaltend zunächst, dass mancher im Saal eingangs ein wenig fremdelte mit der Interpretation. Wo dann im Sommerkonzert drückende Hitze die Menschen lähmt und schließlich donnernde Gewitter aufs Getreide niedergehen, brausten nach den zunächst schleppenden Akkorden des Themas plötzlich ungestüme Rhythmen von Bass, Gitarre, Cello, Bratsche und Cembalo auf und verdichteten sich mit den virtuosen Bogenstrichen der Violinen zu einem Hochamt der Eufonie. 

Nicht erst jetzt hatte das BBO das Publikum gepackt. Schon die dem Sommer vorangestellten „Follia“-Variationen, ein Mix aus dem Wahnsinn gewidmeten Barock-Hits verschiedener Komponisten, hatten ihre mitreißende Wirkung entfaltet. Herrje, da war alles drin: ein bezauberndes Gitarren-Intro, ein wilder Tanz, rasend schnell und kraftvoll gespielte Geigen-Passagen, ein Cello-Groove zum Mitwippen. 

Die Solistin Tomoe Badiarova bewältigte auch schwierigste Passagen mit schier spielerischer Leichtigkeit. Quelle: Joachim Dege

Schließlich dann der Winter: Klirrende Kälte, Zähneklappern und knirschendes Eis wollen mit musikalischen Mitteln ja erst einmal übersetzt sein. Das BBO vermochte auch dies – ohne falsche Konzessionen an den Wohlklang. Die Saiten, nah am Steg gestrichen und so der Obertöne beraubt, quietschten fast. Umso befreiender dann die Auflösung der Dissonanzen im Largo, wo sich das Publikum am wärmenden Kamin wähnen durfte, während das Zupfen der Geigen das Prasseln des Regens gegen die Fensterscheiben simulierte. Bevor am Ende die Soloviolinistin Tamoe Badiarova noch einmal zu großer Form auflief, um im nun tobenden Wintersturm allerhöchste Schwierigkeitsgrade scheinbar spielerisch zu bewältigen.

Mit aufbrandendem, anhaltenden Applaus und Bravo-Rufen zeigte das Publikum dankbar, was es von diesem Vortrag hielt. Es bekam dafür noch einmal die Jagd aus dem Herbstkonzert auf die Ohren.

Von Joachim Dege

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