Navigation:
Das Gericht spricht die Angeklagte aufgrund der mangelnden Beweislage frei.

Das Gericht spricht die Angeklagte aufgrund der mangelnden Beweislage frei.
© Joachim Dege

Burgdorf

Amtsgericht spricht vermeintliche Schlägerin frei

Im Zweifel für die Angeklagte: Deshalb hat das Amtsgericht Burgdorf am Mittwoch eine 28-Jährige vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen. Ihre Tatbeteiligung ließ sich nicht nachweisen.

Burgdorf.  Mit einem Freispruch für die Angeklagte endete am Mittwochvormittag der Prozess wegen einer Körperverletzung im Black Horse – denn weder Staatsanwalt noch Amtsrichterin Stephanie Rohe konnten eine eindeutige Tatbeteiligung nachvollziehen. Sie sahen vielmehr, ebenso wie der Verteidiger der 28-Jährigen, eine Vor-Verurteilung der Burgdorferin durch das Opfer, das in sozialen Netzwerken über die vermeintliche Angreiferin recherchiert hatte.

Unstrittig waren vor Gericht nur wenige Geschehnisse: So hatten sich sowohl das Opfer als auch die Angeklagte an einem Weihnachtsmorgen im Dezember 2016 in der Disco aufgehalten. Zudem zweifelte niemand die Tatsache an, dass gezielte Schläge auf den Kopf die junge Frau bis zur Bewusstlosigkeit verletzt hatten. Dann aber ging die Einschätzung des Abends weit auseinander. Das Opfer beschuldigte die 28-Jährige, sie am Tresen aus Eifersucht beleidigt, angespuckt und mit einem schweren Gegenstand geschlagen zu haben.

Beweisen ließen sich diese Vorwürfe an den beiden Verhandlungstagen nicht. So hatte Richterin Rohe zwar auch einen Türsteher vorgeladen, der weitere Informationen zu der Schlägerei geben sollte – er ließ sich allerdings weder über den Sicherheitsdienst noch über den Disco-Betreiber ermitteln. Eine ebenfalls für Mittwoch geladene 34-jährige Zeugin, die während der Tat leere Gläser und Flaschen eingesammelt hatte, konnte nur berichten, wie sie das Opfer auf dem Boden gefunden hatte. Der Angriff selbst habe sich hinter ihrem Rücken abgespielt.

Als wenig hilfreich für das Opfer entpuppten sich Recherchen in sozialen Netzwerken, die die Burgdorferin nach der Attacke angestellt hatte. „Ich habe den Namen bekommen und mir dann das Bild bei Facebook angeschaut“, sagte sie in der Verhandlung. Dabei habe sie die 28-Jährige zweifelsfrei erkannt – und zwar so genau, dass sie bei einer Vernehmung durch die Polizei die Angreiferin habe identifizieren können.

Genau das aber wollten weder Staatsanwalt noch Verteidiger und Amtsrichterin so hinnehmen. „Ihr Verdacht hat sich wegen des Fotos bei Facebook möglicherweise zu sehr auf die Beschuldigte konkretisiert“, sagte der Staatsanwalt. Aus Sicht der Verteidigers verknüpfte das Opfer das Foto mit der falschen Beschuldigung, weil es vielleicht eine Ähnlichkeit gegeben habe. Auch Rohe betonte, niemand bezweifele die schweren Verletzungen, die die junge Frau erlitten habe. Aber: Der Name der Angeklagten habe sich möglicherweise nach der Facebook-Recherche eingeprägt.

Angesichts der vielen Zweifel bleibe nur der Freispruch – wenn auch „nicht aus vollem Herzen“, wie die Amtsrichterin sagte. 

Von Antje Bismark


Burgdorf ist ...

  • ... eine Stadt im Osten der Region Hannover mit neun Ortsteilen und rund 30.000 Einwohnern.
  • ... bekannt für Spargelanbau und  Hannoveraner-Zucht.
  • ... die Heimat des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf.
  • ... mit seiner historischen Innenstadt das ideale Ziel für einen Tagesausflug.
  • ... 6x pro Woche Thema im Anzeiger, die als Heimatzeitung in Burgdorf der Neuen Presse beiliegt. Im Abo und am Kiosk - ohne Mehrkosten.